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12.10.2018, 16:33 Uhr KOMMENTAR ZUM „LA VIE“-NACHFOLGER

Die Schwelle zum Haus Tenge in Osnabrück wird niedriger

Kommentar von Arne Köhler

Im Haus Tenge, ehemals „la vie“, in der Osnabrücker Krahnstraße eröffnet demnächst wieder ein Restaurant. Foto: Jörn MartensIm Haus Tenge, ehemals „la vie“, in der Osnabrücker Krahnstraße eröffnet demnächst wieder ein Restaurant. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Thomas Bühners ehemaliger Küchenchef Timo Fritsche eröffnet im Haus Tenge in der Osnabrücker Altstadt demnächst ein neues Restaurant. Doch wer nun denkt „Das ,la vie‘ ist tot, es lebe das ,la vie‘!“ liegt falsch. Ein Kommentar.

Was wird aus dem Haus Tenge…? Seit das „la vie“ im Juli Knall auf Fall von der Georgsmarienhütte Holding geschlossen wurde, brodelte in der Stadt die Gerüchteküche. Viele behaupteten, die Antwort von irgendwoher erfahren zu haben, doch fast alle lagen falsch. Nein, in dem denkmalgeschützten Altstadt-Gebäude eröffnet kein Modegeschäft, und es wird auch nicht zu einem Luxus-Hotel umgebaut. Und nein, es gibt auch keine Rückkehr von Thomas Bühner, der das „la vie“ einfach unter einem anderen Namen neu eröffnet.

Richtig ist: Das Haus Tenge bleibt ein Restaurant. Aber drei Michelin-Sterne werden dort nicht mehr leuchten. Bühners bisheriger Küchenchef Timo Fritsche hätte zwar fraglos das Zeug dazu, seinem Lehrmeister nachzueifern und sich selbst in den Gastronomie-Olymp emporzukochen. Doch der neue Hausherr Fritsche und Investor Risken haben sich für ein „Restaurant für jeden Tag“ entschieden: eine feste Adresse für Osnabrücker und Touristen, die gerne gut essen gehen, aber kein Gourmettempel mit globaler Strahlkraft wie das „la vie“.

Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung, hinter der unter anderem zwei Erkenntnisse stehen dürften. Erstens: Spitzengastronomie auf Weltniveau ist in Deutschland, anders als etwa in Frankreich, kaum kostendeckend zu betreiben.

Und zweitens: Die Menschen in Osnabrück lieben es zwar gediegen, legen aber auch großen Wert auf Bodenständigkeit. Die Schwelle zum Haus Tenge mit seinem dreifachen Sternenglanz, in dem zehn Jahre lang ein internationales Publikum aus- und einging, war vielen Einheimischen bislang deutlich zu hoch. Das könnte sich nun ändern. Dem sympathischen Timo Fritsche wäre es zu wünschen.


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