Perfide Scherze Schwarzhumoriger Auftritt: Hazel Brugger in der Osnabrück

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Hazel Brugger bei ihrem Auftritt in der Lagerhalle. Foto: Elvira PartonHazel Brugger bei ihrem Auftritt in der Lagerhalle. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Hazel Brugger, mit der „heute-show“ bekannt gewordene Komödiantin, gastierte in der Osnabrückhalle.

Sie ist gar nicht so böse, wie sie im Fernsehen daherkommt. Dort trägt sie gern ihr „eingefrorenes Gesicht“ zur Schau, stellt gemeine Fragen und konfrontiert ihre Interviewpartner mit fiesen Bemerkungen. Aber Hazel Brugger kann sich auch ein äußerst charmantes Lächeln auf die Lippen zaubern. In der Osnabrückhalle war dieses sehr häufig zu sehen, als die Komödiantin im komplett ausverkauften Europasaal ihr Kabarettprogramm „Hazel Brugger passiert“ präsentierte. Eigentlich war ihr Auftritt für den Kongresssaal mit einer Kapazität von gut 600 Personen geplant gewesen, doch wegen der großen Nachfrage entschloss sich der Veranstalter, in den Europasaal umzuziehen, der die doppelte Kapazität aufweist. Obwohl viele Zuschauer den Run auf die Tickets der Präsenz Bruggers im Fernsehen, vor allem als Außenreporterin in der „heute-show“ des ZDF, zuschreiben, so scheint sie aber auch auf besondere Art den Nerv des Publikums zu treffen. Und viele lieben offenbar dieses nonchalanten Lächeln der 24-Jährigen, mit dem sie IT-Experten eine gehässige Breitseite verpasst oder anmerkt, dass sie Weihnachtsmärkte und Steuererklärungen hasst.

Hazel Brugger eröffnet den Abend mit einer beliebten Comedy-Tradition: Lokalkolorit soll für lockere Stimmung und Identifikation sorgen. Natürlich kommt Osnabrück dabei nicht gut weg. „Ich weiß erst seit kurzem, dass es diesen Ort gibt“, meint sie und weist darauf hin, dass es hier ein Shoppingcenter gebe, in dem man Surfen könne. „Das braucht man doch eigentlich nicht“, provoziert sie. Dann startet sie ihr eigentliches Programm, mit dem sie das Leben von der Geburt bis zum Tod vokal seziert. Aus ihrer ganz persönlichen Perspektive. Sie rätselt über die selektive Strebsamkeit von Spermien und weist Babys als Wesen aus, die dumm wie Brot sind. Die in den USA geborene Schweizerin, die jetzt in Köln wohnt, treibt ihren skurrilen Humor auf die Spitze, wenn sie meint, dass junge Mütter in der Lage sind, Chicken Nuggets in Muttermilch umzuwandeln. Und dass Mütter eigentlich zum Sofakissen greifen sollten, und jungem Leben ein Ende zu bereiten, bevor es bis zum 18. Lebensjahr 120000 Euro verschlungen hat. Da bleibt manch einem Zuschauer das Lachen im Hals stecken, derweil Brugger zum nächsten Rundumschlag ausholt.

„Ich plädiere für frühzeitiges Gemobbt-Werden“, behauptet sie. Denn nur wer anständig gemobbt wird, entwickle sich später nicht zu einem „egomanischen Arschloch“. Ihre Eltern seien mit gutem Beispiel vorangegangen und hätten ihr den Namen Hazel gegeben, mit dem sie schon als Schulkind gehazelt worden sei - und meint natürlich gehänselt.

Eineinhalb Stunden dauert die schwarzhumorige Reise durch die Lebenswelt dieser jungen Frau, die behauptet, Humor sei in der Menschheitsgeschichte relativ neu: „In der Steinzeit gab es keine Comedyhöhlen, in denen sich die Neandertaler die Rübe weggelacht haben“, betont sie und macht sich als nächstes über „unerigierte Penisse“ lustig. Sie darf das, denn in einer selbstgeschriebenen Kritik über ihren Auftritt schreibt sie: „Hazel Brugger wusste auch unterhalb der Gürtellinie zu begeistern.“ Will heißen: Das Publikum muss ständig auf der Hut sein, denn es setzt perfide Zweideutigkeiten und böse Feinheiten am laufenden Band. Außerdem sagt sie: „Präfaschistoides Musikantenstadl-Geklatsche mag ich überhaupt nicht“. Ihren Fans ist das egal. Sie sparen nicht mit ausgiebigem Applaus.


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