Vor Rom-Fahrt von Schülern Polizei entdeckt gravierende Verstöße bei Busfahrern von Höffmann

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mit Bussen und Busfahrern des Unternehmens Höffmann aus Vechta verreisen im Bistum Osnabrück regelmäßig tausende Schüler und Lehrer nach Italien oder Spanien. Jetzt deckte die Polizei gravierende Mängel. Foto: Michael GründelMit Bussen und Busfahrern des Unternehmens Höffmann aus Vechta verreisen im Bistum Osnabrück regelmäßig tausende Schüler und Lehrer nach Italien oder Spanien. Jetzt deckte die Polizei gravierende Mängel. Foto: Michael Gründel

Osnabrück/Gelsenkirchen. Ein Gymnasium wollte mit dem Reiseunternehmen Höffmann auf Klassenfahrt nach Rom. Doch bei den Bussen und Busfahrern stellte die Polizei bei einer Kontrolle „gravierende“ Verstöße fest. Mit Höffmann verreisen allein im Bistum Osnabrück regelmäßig tausende Schüler der katholischen Gymnasien.

Vor der Rom-Fahrt von 600 Schülern und Lehrern des Gauß-Gymnasiums im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen deckte eine Polizeikontrolle bei den Reisebussen und Fahrern erhebliche Mängel und Verstöße auf, wie es in der Pressemitteilung der Polizei Gelsenkirchen heißt.

Der Schulleiter hatte die Polizeikontrolle der zehn Reisebusse und 17 Busfahrer des Unternehmens Höffmann aus Vechta als Vorsichtsmaßnahme veranlasst. Laut Polizei wollte er „alles Notwendige tun, um die Sicherheit von Schülern und Lehrern zu gewährleisten“. Die Polizei Gelsenkirchen kam laut eigenen Aussagen zu „erschreckenden Ergebnissen“, als sie die Bordcomputer und digitalen Fahrerkarten der letzten 28 Tage auswertete.

Fehlende Nachweise über Ruhepausen

16 der 17 Busfahrer konnten keine Nachweise über ihre Lenk- und Ruhezeiten vorlegen. Neun Verstöße seien derart gravierend gewesen, dass Anzeigen geschrieben werden mussten. Vier Fahrer wurden sofort nach Hause geschickt, weil sie zwingend notwendige Pausen nicht eingehalten hatten. Selbst die Fahrer, die nachgeordert werden mussten, um die wartenden Schüler zu transportieren, hatten zum Teil keine Nachweise über ihre Zeiten.

Einem Ersatzfahrer verboten die Beamten ebenfalls, die Kinder nach Rom zu fahren. Denn er gab vor Ort zu, noch nie einen Doppeldecker-Bus mit 89 Passagieren gefahren zu haben. Laut seinen Papieren hätte er die Erlaubnis dafür. An den Bussen fand die Polizei Sicherheitsmängel und schrieb sieben Anzeigen. An zwei Bussen funktionierte eine Sicherheitseinrichtung nicht, die verhindern soll, dass man sich Arme oder Beine in der Tür einklemmt. Vier Stunden mussten die Schüler warten, bis sie Richtung Rom aufbrechen konnten.

Keine Antwort von Höffmann

Verstöße bei Lenk- und Ruhezeiten von Busfahrern werden mit hohen Bußgeldern geahndet. Wird die zulässige Tageslenkzeit um zwei Stunden überschritten, fallen 60 Euro für den Fahrer an, je weiterer überzogener halber Stunde weitere 60 Euro. 

Wie es zu diesen Verstößen kommen konnte und wie Höffmann Ähnliches in Zukunft verhindern wolle, dazu gab das Unternehmen keine Antwort. Hans Höffmann, Geschäftsführer des Busunternehmens, war für unsere Redaktion für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dem Online-Portal „Der Westen“ sagte er, dass vier betroffene Fahrer ihre Ruhezeiten eingehalten hätten. Allerdings hätten sie nach Abschluss ihrer letzten Fahrten auf dem Bordcomputer der Busse die notwendige Ruhetaste nicht gedrückt. „Ein Fehler, der passieren kann, aber nicht passieren darf“, so Höffmann.

Tausende Schüler mit Unternehmen unterwegs

Mit den Bussen des Reiseunternehmens aus Vechta fahren regelmäßig auch die katholischen Schulen im Bistum Osnabrück, die rund 13 000 Schüler zählen, davon 4040 allein in Osnabrück. Von den 21 Schulen des Bistums fahren rund die Hälfte traditionell alle paar Jahre nach Italien oder Spanien. Im vergangenen Jahr erst war die Osnabrücker Angela-Schule an den Gardasee gefahren. Die Domschule war mit Höffmann nach Rom gereist.

Von dem Vorstand der Schulstiftung des Bistums Osnabrück, Georg Schomaker, heißt es: „Einige katholische Schulen im Bistum Osnabrück organisieren eigenverantwortlich größere Schulfahrten. Das Thema der Sicherheit wird obligatorisch vor der Auftragsvergabe durch die Schulen und auch während der Fahrt besprochen. So wird bei der Planung der Hin- und Rückfahrt sowie bei Ausflügen vor Ort großen Wert darauf gelegt, die vorgeschriebenen Lenk- und Pausenzeiten einzuhalten.“ Für Erfahrungsberichte zu Reiseunternehmen in Punkto Sicherheit und Qualität seien die Schulen stets dankbar, so Schomaker.

"Überrascht und ein bisschen schockiert"

Zuletzt war das Gymnasium Leoninum im emsländischen Handrup mit 1500 Leuten auf Spanien-Reise mit den Höffmann-Bussen unterwegs. Marcio Auth, Rektor des Herz-Jesu-Klosters Handrup sagt: „Wir haben schon vier Reisen mit dem Unternehmen gemacht und waren immer zufrieden. Umso überraschter und auch ein bisschen schockiert waren wir, als wir von den Verstößen erfahren haben.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN