Einfach zu Hause testen HIV-Selbsttests ab sofort auch in Osnabrück erhältlich

Von Viktoria Koenigs

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Der HIV-Selbsttest ist seit Anfang Oktober deutschlandweit frei verkäuflich. Er soll dazu beitragen, dass sich Menschen einfacher testen lassen können und es weniger Infizierte gibt, die nichts von ihrer Krankheit wissen. Auch die Aids-Hilfe-Osnabrück verkauft diesen Test ab Mitte Oktober. Foto: Viktoria KoenigsDer HIV-Selbsttest ist seit Anfang Oktober deutschlandweit frei verkäuflich. Er soll dazu beitragen, dass sich Menschen einfacher testen lassen können und es weniger Infizierte gibt, die nichts von ihrer Krankheit wissen. Auch die Aids-Hilfe-Osnabrück verkauft diesen Test ab Mitte Oktober. Foto: Viktoria Koenigs

vkoe Osnabrück. Seit Anfang Oktober dürfen HIV-Selbsttests in Apotheken und Beratungsstellen frei verkauft werden. Sie liefern innerhalb von zehn Minuten ein verlässliches Ergebnis. In der Anwendung sind sie so einfach wie ein Blutzuckertest. Darauf hat jetzt die Aids-Hilfe Osnabrück aufmerksam gemacht.

Je früher eine HIV-Infektion nachgewiesen wird, umso besser. Sie lässt sich zwar nicht mehr beseitigen, ist aber mittlerweile gut behandelbar. Rechtzeitig therapiert, haben Menschen mit HIV eine fast durchschnittliche Lebenserwartung. Die Viren werden im Verlauf der Therapie so weit zurückgedrängt, dass sie selbst bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht mehr übertragbar sind.

Problematisch ist, dass viele Betroffene lange nichts von ihrer Erkrankung wissen. „Viele, die bei uns beraten werden, haben vier oder fünf Jahre mit der Krankheit gelebt, bevor sie überhaupt erfahren haben, dass sie infiziert sind“, sagt Heiner Rehnen, Sozialtherapeut der Aids-Hilfe. In Deutschland wissen etwa 13.000 Menschen nichts von ihrer Infizierung, viele scheuen den Gang zum Arzt – aus Scham oder Angst.

Einfach von Zuhause aus testen

Der Selbsttest macht es leichter, diese erste Hürde zu überspringen. Bevor die Medizinprodukteabgabeverordnung zum 1. Oktober geändert wurde, war ein HIV-Test zwangsläufig mit dem Gang in eine Praxis verbunden. Nun kann jeder den Test leicht zu Hause durchführen – so wie bislang schon in Ländern wie Frankreich oder Australien. Dortige Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Bereitschaft, einen Test zu machen, durch die freie Verfügbarkeit gestiegen ist, berichtet Alexander Kampsen, Mitarbeiter der Aids-Hilfe Osnabrück.

Wer befürchtet, sich akut infiziert zu haben, muss sich allerdings etwas gedulden: Frühestens zwölf Wochen nach einer Risikosituation mit Ansteckungsgefahr kann der Test ein verlässliches Ergebnis liefern. Labortests sind hingegen bereits nach sechs Wochen anwendbar.

Wie einen Blutzuckertest nutzbar

Im Gebrauch sei der Test sehr einfach und extra darauf ausgelegt, dass ihn jeder ohne Vorkenntnisse richtig benutzen kann, betonen die Akteure der Aids-Hilfe, die den Test ab Mitte Oktober ebenfalls anbieten. „Von der Einfachheit her ist der HIV-Test durchführbar wie ein Blutzuckertest. Man nimmt eine Lanzette, kleiner Piekser in den Finger, ein Tropfen Blut auf den Teststreifen, Pflaster drauf. Das war es schon“ beschreibt Kampsen das Vorgehen. Die je nach Anbieter 15 bis 30 Euro teure Testkassette beinhaltet zwei Teststreifen. Ein Feld zeigt an, ob der Test richtig ausgeführt wurde, das andere erscheint nur, wenn HIV-Antikörper im Blut sind. Nach zehn Minuten hat man ein zu 99,9 Prozent zuverlässiges Ergebnis.

Das ist in dem HIV-Selbsttest enthalten: Testkassette, Lanzette zur Blutentnahme, Pinzette, Desinfektionstuch, steriles Pad für Nachblutung, Pflaster und eine Trägerlösung. Außerdem ein Infoheft zur Krankheit und Anwendung und den Telefonnummern von Aids-Anlaufstellen. Foto: Viktoria Koenigs

Was tun, wenn der Test positiv ist?

Sind HIV-Antikörper im Blut nachweisbar, ist ein Gang zum Arzt unvermeidbar. Es müsse sofort ein Bestätigungstest im Labor durchgeführt werden, sagt Rehnen. Wer in der mit einem positiven Test verbundenen Krisensituation Hilfe und Beratung wünscht, kann sich unter Telefon 0541/801024 an die Aids-Hilfe wenden.

Beim Kauf eines Selbsttestes sollte darauf geachtet werden, dass dieser die CE-Prüfmarke trägt und es sich um einen seriösen Anbieter handelt, der von Apotheken oder Aids-Anlaufstellen empfohlen wird. Auch schon vor dem 1. Oktober wurden Schnelltests im Internet angeboten, doch deren Qualität sei meist unzureichend, warnen Rehnen und Kampsen.

Maßnahme gegen die Stigmatisierung einer Krankheit

Der Selbsttest hat laut Rehnen aber auch einen Fallstrick: Er wird alleine durchgeführt, was bei vielen Nervosität aufkommen lässt: „Wenn man zittert, kann es sein, dass man den Test nicht richtig durchführt, das Ergebnis verfälscht und man vor allem mit dem Ergebnis alleine ist, bis man sich an die Beratungsstellen wendet.“

Den entscheidenden Vorteil von Selbsttests sieht die Aids-Hilfe darin, dass sich mehr Menschen testen lassen. Sie hofft außerdem, dass sie dabei helfen, die Stigmatisierung von Betroffenen zu überwinden. „Viele denken, dass die Therapie noch auf dem Niveau von vor zehn Jahren ist und begegnen Infizierten gegenüber mit Abwehr und Vorurteilen“, sagt Kampsen. Dabei lasse sich heute trotz HIV ein weitgehend normales Leben führen, auch ohne das Risiko, andere anzustecken.


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