Neues Magazin - Damals und Heute Teil 2 Unser Osnabrück - Mit der Straßenbahn durch Osnabrück

Von Bastian Klenke und Joachim Dierks

Mit der Straßenbahn durch Osnabrück. Entdecken Sie Osnabrück neu auf den Spuren der "Elektrischen", die bis 1960 durch die Stadt rollte. Foto: Kurt LöckmannMit der Straßenbahn durch Osnabrück. Entdecken Sie Osnabrück neu auf den Spuren der "Elektrischen", die bis 1960 durch die Stadt rollte. Foto: Kurt Löckmann

Osnabrück. Haben Sie es gewusst? Vor einigen Jahren konnte Osnabrück mit der Straßenbahn erkundet werden. Viele bedeutende Gebäude, Firmen und Plätze der Stadt lagen an den alten Bahnschienen und lassen sich zum Teil heute noch finden. Unser neues Magazin aus der Reihe „Unser Osnabrück“ nimmt Sie mit auf eine Erkundungsfahrt durch die Stadt und zeigt Ihnen interessante Bildvergleiche von damals und heute entlang der Strecke. Erleben Sie Osnabrück im Wandel der Zeit.

Vom Hauptbahnhof über die Innenstadt bis zum Heger Friedhof verlief die Linie 1 der Osnabrücker Straßenbahn, die 1906 in Dienst gestellt wurde. Die repräsentative "Protokollstrecke" führte vorbei an den damaligen Prachtbauten der Möserstraße, vorbei an der Wittekindstraße, dem Hotel Germania und dem Hauptgebäude der Kaiserlichen Post, in dem auch heute noch die Post zuhause ist. Die "Elektrische" bahnte sich ihren Weg durch das Nadelöhr der Herrenteichsstraße und den Rißmüllerplatz hinauf über Lotter Straße und Rheiner Landstraße. Vorbei am Schweizerhaus, bis hin zum Heger Friedhof. 

Daneben verband die Nord-Süd-Linie 2 Haste mit dem Schölerberg und die Ost-West-Linie den Schinkel mit dem Martiniplatz. Die Linien trafen sich am Nikolaiort, dem Neumarkt und an der Hauptpost. Nach 54 Jahren endete 1960 das Straßenbahn-Zeitalter in Osnabrück. Mittlerweile ist mehr als die gleiche Anzahl von Jahren ohne Straßenbahn ins Land gegangen. Ob sie in modernem Gewand einmal wiederkommt, ist immer wieder Gegenstand der politischen Diskussion.

Zwar sind die Schienen selbst schon lange aus dem Straßenbild entfernt worden, aber virtuell dienen sie in diesem Magazin als Leitlinie auf der Erkundungsfahrt durch die Stadt und lenken den Blick neu auf Gebäude, Firmen und Plätze entlang der historischen Streckenführung.


Hier finden Sie einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Magazin "Mit der Straßenbahn durch Osnabrück: Unser Osnabrück - Damals und Heute (Teil 2)"

Endlich ging es wieder rund

1956 bekam die Straßenbahn eine repräsentative Vorfahrt vor dem Hauptbahnhof

Vier Jahre vor dem endgültigen Aus für die Osnabrücker Straßenbahn wurde noch einmal eine bauliche Veränderung groß gefeiert. Die Linie 1 als „Protokollstrecke“ bekam eine neue Wendeschleife vor dem Hauptbahnhof, die dichter am Eingangsportal vorbeiführte und somit einer Großstadt würdiger erschien.

Der 20. Juli 1956 war der große Tag. Zwei Kinder wurden vorne auf die Kupplung eines mit Fähnchen geschmückten Triebwagens gestellt, der zu der modernsten Serie gehörte, die 1952 angeschafft wurde. In Anwesenheit zahlreicher Honoratioren und Vertreter der beteiligten Baufirmen durften die Kinder das weiße Band durchschneiden, das zwischen zwei mit Girlanden geschmückten Pfosten an der Einfahrt zur neuen Wendeschleife gespannt war.

Im Oktober 1955 hielt die Straßenbahn noch in einiger Entfernung vom Bahnhofseingang. Foto: Kurt Löckmann, Archiv Betina Löckmann.

Die Haltestelle „Hauptbahnhof“ wurde dann allerdings nicht direkt vor dem Bahnhofsportal eingerichtet, sondern seitlich vor der Expressgutabfertigung, was den Fußweg zum Bahnhof verlängerte. Im späteren Betrieb führte das dazu, dass viele Fahrgäste vom langsam durch die Wendeschleife fahrenden Wagen absprangen, wenn er den Scheitelpunkt der Kurve vor den Eingangstüren erreicht hatte. „Die warteten gar nicht ab, bis der Wagen die Kurve durchfahren hatte und an der Haltestelle zum Stehen kam“, berichtet Straßenbahnexperte und Buchautor Alfred Spühr, „was ohne weiteres möglich war, weil sich die Türen nicht gesichert verriegeln ließen.“ Schließlich hatten die Stadtwerke ein Einsehen und verlegten die Haltestelle vor das Portal. Der aufwändig angelegte „Bahnsteig“ mit der beleuchteten Haltestellen-Säule vor der Expressgutkasse blieb von da an unbenutzt.

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Im Westen viel Neues

Wie der Verkehr den Martiniplatz verändert hat

Dreißig Jahre lang, von 1928 bis 1958, war der Martiniplatz Endstation der „gelben Linie“, wie sie zunächst hieß, der späteren Linie 3. Sie war ein wichtiges Transportmittel auch für die Arbeiter in den Industriebetrieben an der Martinistraße, von denen die „drei K`s“, Karmann, Künsemüller und Kromschröder, wohl die wichtigsten waren. Ein viertes „K“ lag an der entgegengesetzten Endstation, Schützenstraße, von wo die Arbeiter nach wenigen Schritten das Bahnbetriebswerk „Kamerun“ erreichten.

Nach der „Morgenspitze“ wurden die während der verkehrsschwachen Tageszeiten nicht benötigten Beiwagen auf dem Stichgleis unter den Linden abgestellt. Aus der verschlafenen Lindenallee des Jahres 1958 ist der vierspurige Autobahnzubringer Kurt-Schumacher-Damm geworden. Wie die „Silbernägel“ im Straßenpflaster andeuten, knickte damals die Vorfahrtstraße in den Blumenhaller Weg ab. Foto: Alfred Spühr.

Eigentlich ist es schade um das stolze Gebäude Martinistraße 109, das einst die Gaststätte „Zum Martiniplatz“ beherbergte, den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand und erst in den 1960er-Jahren dem Straßenausbau zum Opfer fiel. Denn was danach kam, ein wild wucherndes Bodendecker-Beet, Reklametafel und halbtote Telefonzelle, ist nicht gerade schöner.

Die bauliche Entwicklung rund um den Martiniplatz (heute Heinrich-Lübke-Platz) wird verständlich, wenn man das Straßennetz am westlichen Stadtrand Osnabrücks, wie es bis in die 60er-Jahre Bestand hatte, mit der heutigen Situation vergleicht. Die Ausfallstraße Richtung Südwesten, die Verlängerung der Martinistraße nach Hasbergen und Lengerich, war über Jahrhunderte die Trasse des Blumenhaller Weges, der vorn durch das Bild läuft. Diese von engen Häuserschluchten eingefasste Straße taugte nicht als Zubringer zur Schnellstraße E 8, der heutigen Autobahn A 30, die 1966 südlich an Osnabrück vorbeigeführt wurde. Deshalb fiel das Auge der Verkehrsplaner auf jene kleine Lindenallee, die sich hinter der Gaststätte nach Westen zog, dort wo auf den historischen Ansichten die Straßenbahn-Anhänger abgestellt sind.

Martiniplatz um 1930: Auf der Spitze zwischen Blumenhaller Weg (vorne) und der Lindenallee im Hintergrund stand das Gasthaus „Zum Martiniplatz“, Inhaber F. Wiesehahn. Ansichtskarte des Verlags K. Worch, Osnabrück (Sammlung Helmut Riecken).

Auf Vorkriegs-Stadtplänen hat dieser Weg noch gar keinen Namen. 1954 hieß er „Stadionstraße“, weil sein Hauptzweck darin bestand, zum Stadion Illoshöhe zu führen, und die Verlängerung mit dem Durchstich zur Rheiner Landstraße nannte sich „Höhenweg“. Ein Teil des Wegverlaufs deckt sich mit der heutigen Oberen Martinistraße. Ab Martiniplatz machten die Straßenbauer nun aus dem kleinen Stadionweg den vierspurigen Kurt-Schumacher-Damm, der ab Einmündung Mittagskamp auf einer ganz neuen Trasse zur Auffahrt Osnabrück-Hellern führt.

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