Wider die tödlichen Abbiegeunfälle Lokale Speditionen verpflichten sich in Osnabrück zu Abbiegeassistenten

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

An der Ecke Kommenderiestraße und Johannistorwall waren im Jahr 2014 zwei Radfahrer unter abbiegenden Lkw gestorben. Abbiegeassistenten können solche Unfälle verhindern. Archivfoto: Michael GründelAn der Ecke Kommenderiestraße und Johannistorwall waren im Jahr 2014 zwei Radfahrer unter abbiegenden Lkw gestorben. Abbiegeassistenten können solche Unfälle verhindern. Archivfoto: Michael Gründel 

Osnabrück. Keine toten Radfahrer mehr unter abbiegenden Lkw: Mehrere Spediteure aus der Region haben das Aktionsbündnis "Allianz für Sicherheit" gegründet. Die Mitglieder verpflichten sich freiwillig zur Nutzung von Abbiegeassistenten in Lkw, die regelmäßig über den Wallring rollen. So soll Osnabrücks City-Logistik sicherer werden. Das Bündnis fordert indes selbst ein Abbiegeverbot für Lkw auf dem Ring, dem die Stadt gerade erst eine Absage erteilt hatte.

Die Teilnehmer des Kompetenznetzes Individuallogistik in der Region Osnabrück, Münster und Bielefeld (KNI) sowie die des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) beschlossen in Osnabrück, kurzfristig Abbiegeassistenten in alle Lkw zu verbauen, die regelmäßig in Osnabrück unterwegs sind. 

Bei Neuanschaffungen sollen derartige Helfer direkt geordert werden. Das soll für alle Lkw ab 7,5 Tonnen gelten, die regelmäßig Zustellungen oder Abholungen um Osnabrücks Wallring durchführen. Das gelte ab sofort, versichert Thore Arendt, Leiter der KNI-Geschäftsstelle auf Anfrage unserer Redaktion.

Das Kompetenznetz Individuallogistik e.V.

Das Kompetenznetz Individuallogistik e.V. ist ein Zusammenschluss verschiedener Logistikunternehmen, Hochschulen und öffentlicher Institutionen in der Region Osnabrück, Münster und Bielefeld. Die dort ansässigen Logistikunternehmen und Institutionen haben sich darauf spezialisiert, individuelle Logistikkonzepte für die Anforderungen ihrer Kunden zu entwickeln.
Quelle: KNI

"Bisher besteht das Bündnis aus den gelisteten elf Mitgliedern, die eine Vorreiterrolle einnehmen", berichtet er weiter. Das Bündnis wolle weitere Logistiker gewinnen. "Einige haben auch bereits Interesse bekundet", sagt Arendt.

Gründungsunternehmen des Aktionsbündnisses "Allianz für Sicherheit"

Mehrere Radfahrer auf dem Wall ums Leben gekommen

Am Wall war es in den vergangenen Jahren zu mehreren Abbiegeunfällen gekommen, bei denen Radfahrer ums Leben kamen – zuletzt im Oktober 2016 am Berliner Platz

Im Oktober 2016 war auf dem Goethering eine Frau unter einem Lkw ums Leben gekommen. Archivfoto: David Ebener

Bundesweit sterben immer wieder Radfahrer unter abbiegenden Lkw. Die Logistikbranche spüre, "dass sie immer der Böse ist", sagt Arendt. "Mit dem Bündnis möchten wir nun ein Zeichen setzen, dass wir selbst aktiv werden." Abbiegeassistenten mit Kamerasystemen sollen dem KNI zufolge die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern deutlich verbessern.

250 Lkw jährlich

"Derzeit existieren schon über 200 Fahrzeuge mit dem Abbiegeassistenzsystem bei den Unternehmen des Aktions-Bündnisses", sagt Arendt und geht davon aus, dass jährlich 250 Fahrzeuge hinzukommen. Die Osnabrücker Spedition Nosta etwa hatte im Frühjahr dieses Jahres sechs dieser Lkw mit dem Assistenten angeschafft. Die Logistiker Overnight und Heinrich Koch haben ebenfalls Lkw mit Abbiegeassistenten im Fuhrpark. 

Mehrere Logistiker in der Stadt setzen bereits auf Abbiegeassistenten. Mercedes ist der bislang weltweit einzige Anbieter, der ab Werk – gegen Aufpreis – ein Radar gestütztes System anbietet und Fußgänger, Radfahrer und andere Hindernisse beim Einscheren und Abbiegen erkennt. 


Bündnis strebt Vorbildcharakter an

Kamerasysteme mit einem Monitor in der Fahrerkabine können nachträglich in Lkw verbaut werden. Damit kann der Fahrer die rechte Seite seines Lkw überblicken. Das Bündnis spricht sich ferner für den konsequenten Einsatz von Bremsassistenten aus.

Die Bündnisteilnehmer hoffen, bundesweit Nachahmer zu finden. Sie richten zudem Forderungen an die Politik: Bremsassistenzsysteme dürften nicht mehr abschaltbar sein, Abbiegeassistenten müssten gesetzlich verpflichtend werden. Auf zweispurigen Autobahnen sollte zu verkehrsreichen Zeiten ein Überholverbot für Lkw für mehr Sicherheit gelten, so das KNI.

Appell: Rad- und Lkw-Verkehr trennen

Doch auch an die Lokalpolitik richtet sich ein Appell: Kommunen sollten dafür Sorge tragen, dass der Lkw- und Radverkehr baulich deutlich getrennt sind. An besonders gefährdeten Kreuzungen wäre ein Rechtsabbiegeverbot für Lkw hilfreich. Es darf als durchaus bemerkenswert bezeichnet werden, dass die Branche selbst für ein solches Verbot plädiert. Auf dem Wallring würde das Mehrkilometer für einige Fahrten bedeuten.

Lokalpolitik erteilt Abbiegeverboten eine Absage

Ein solches Abbiegeverbot war in Osnabrück für den Wallring bereits diskutiert worden. Wegen der schwierigen rechtlichen und technischen Umsetzung entschied sich der Stadtentwicklungsausschuss einstimmig dagegen. Statt Abbiegeverboten sollen es bald Wegweiser richten, die Lkw nur noch im Kreisverkehr um den Ring führen. 

Statt Verboten sollen nun Schilder die Richtung für Lkw vorgeben. Mit Vorwegweisern auf den Zufahrtsstraßen zum Ring könnte „der Lkw-Verkehr zumindest gelenkt werden, ohne dass Verbote ausgesprochen werden müssen”, schreibt die Verwaltung. Grafik: Stadt Osnabrück

Dem KNI zufolge ist zudem der Ausbau der A33 "dringend erforderlich", um den (Lkw-)Verkehr aus der Stadt herauszuhalten.

Auch die Stadt will bei ihrem Fuhrpark künftig vermehrt Assistenzsysteme ordern.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN