Stadtwerke-Projekt "Hub Chain" ICO Osnabrück wird Testgelände für autonomen Shuttlebus

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Einen selbstfahrenden Minibus vom Typ Easymile EZ10 wollen die Stadtwerke Osnabrück ab Mitte 2019 auf einer Versuchsstrecke rund um das Innovationscentrum Osnabrück (ICO) erproben. Unser Bild zeigt ein vergleichbares autonomes Shuttlefahrzeug, das die Deutsche Bahn im April 2017 im bayerischen Bad Birnbach testete. Foto: dpaEinen selbstfahrenden Minibus vom Typ Easymile EZ10 wollen die Stadtwerke Osnabrück ab Mitte 2019 auf einer Versuchsstrecke rund um das Innovationscentrum Osnabrück (ICO) erproben. Unser Bild zeigt ein vergleichbares autonomes Shuttlefahrzeug, das die Deutsche Bahn im April 2017 im bayerischen Bad Birnbach testete. Foto: dpa

Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück wollen ab Mitte 2019 auf öffentlichen Straßen einen selbstfahrenden Shuttlebus erproben. Als Testgelände wurde der Wissenschaftspark an der Sedanstraße ausgewählt.

Ziel ist es herauszufinden, ob und wie sich ein autonomes, sprich ausschließlich computer- und sensorgesteuertes Fahrzeug im ÖPNV sinnvoll nutzen lässt – beispielsweise als abrufbereiter Minibus, der Fahrgäste zu entlegenen Haltestellen des Takt- und Linienverkehrs bringt oder von dort abholt. 

Der Feldversuch mit einem Roboterwagen im Osnabrücker Nahverkehr ist wesentlicher Bestandteil eines Anfang 2018 gestarteten, auf drei Jahre angelegten und vom Bund mit drei Millionen Euro geförderten Projekts namens "Hub Chain". Die Stadtwerke Osnabrück sind daran federführend beteiligt. Insgesamt besteht das Projektkonsortium aus sechs Teilnehmern. Dazu gehören unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (Innoz) sowie die Ingenieursgesellschaft Hacon als Entwicklungspartner der Stadtwerke Osnabrück.

Rundkurs auf dem Westerberg

Ursprünglich war für den Shuttlebus-Test das Gewerbegebiet Netter Heide (ehemalige Winkelhausen-Kaserne) vorgesehen. Jetzt steht fest: Das autonome Fahrzeug wird auf dem Westerberg seine Runden drehen. Dort stehen rund um das Innovationscentrum Osnabrück (ICO) mehrere schnurgerade und bis zu 400 Meter lange Straßen zur Verfügung. Bei dem fahrerlosen Mini-Shuttle handelt es sich um einen Easymile EZ10. Der in Frankreich hergestellte Wagen fährt komplett elektrisch und bietet Platz für bis zu 15 Passagiere. In Osnabrück sollen aber nur maximal acht Personen befördert werden.



Deutschlandweite Vorreiterrolle

Wie das Konsortium mitteilt, sei das Pilot-Areal im Bereich Sedanstraße/Albert-Einstein-Straße "nach eingehender Prüfung" durch Stadtwerke, Stadtverwaltung, Fahrzeughersteller und zuständigen Behörden ausgewählt worden. Der Standort sei gut erreichbar, biete neben der Anbindung an eine Buslinie (Campus-Linie 22) außerdem ein "aus verkehrstechnischer Sicht wenig kritisches Umfeld". Darüber hinaus passe das Thema "Autonomes Fahren" hervorragend zum Osnabrücker Wissenschaftspark. 

Das Testgelände auf dem Westerberg aus der Vogelperspektive. Es wird begrenzt durch die Sedanstraße im Süden und die Albert-Einstein-Straße im Norden und Osten. Das ICO befindet sich im hellgrün markierten Viereck unten rechts. Screenshot: NOZ

"Wir können hier die Verzahnung von Verkehr auf Bestellung – sogenanntem On-Demand-Verkehr – und liniengebundenem ÖPNV realisieren und unter Realbedingungen wertvolle Erfahrungen sammeln", sagt Hub-Chain-Projektleiter David Riese. Zwar liege der Fokus künftig auf der Anwendung autonomer Verkehre im suburbanen und ländlichen Raum. Dennoch biete das Testgelände "hervorragende Bedingungen, um deutschlandweit eine Vorreiterrolle bei der Erprobung autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Verkehrsraum einnehmen zu können". (Weiterlesen: Elektrisch und autonom – So fahren wir im Jahr 2025 Auto)

Sitze für sechs Fahrgäste, in der Mitte Stehplätze: So sieht der 2017 von der Deutschen Bahn in Bayern getestete selbstfahrende Minibus von innen aus. Foto: dpa


Weg von starren Fahrplänen

Am Ende soll durch Hub Chain eine neuartige, digitale Mobilitätsplattform für Osnabrück entstehen. Mit dem Zweck, dass ÖPNV-Nutzer hierüber bedienerfreundlich und bequem sämtliche, auf ihren persönlichen Bedarf abgestimmte Mobilitätsangebote nutzen können. Busse, Carsharing, Leihräder: Alles soll künftig optimal miteinander verzahnt werden.

Damit würden die Stadtwerke einen ersten Schritt wagen von herkömmlichen, starren Fahrplänen hin zu dynamischen Fahrplänen, wie Werner Linnenbrink (Leiter Mobilitätsangebot) erklärt. "Wesentliches Ziel ist es, ein linien- und fahrplanunabhängiges On-Demand-Angebot mit einer Anschlussgarantie zu entwickeln und in unser bestehendes, taktgebundenes Angebot zu integrieren." 

"Wir können hier unter Realbedingungen wertvolle Erfahrungen sammeln"Hub-Chain-Projektleiter David Riese



Autonom, aber mit einem Steward an Bord

Wer im Wissenschaftspark wohnt oder arbeitet, soll demnächst mit dem autonomen Minibus zur nächsten Bushaltestelle oder einem anderen Haltepunkt fahren können, und zwar kostenlos, wie Werner Linnenbrink und David Riese von den Stadtwerken am Donnerstag in einem Pressegespräch erläuterten. Der Roboterwagen fährt nicht nach Plan, sondern per Anforderung mit einer Smartphone-App.

Trotz aller Autonomie-Bemühungen wird immer ein Steward mit einem Tablet-PC und einem Joystick aufpassen, dass der kleine Stromer keinen Unfall baut. Viel passieren kann eigentlich ohnehin nicht, denn die Geschwindigkeit wird auf 20 km/h begrenzt. Technisch möglich wäre das doppelte Tempo.

Die Initiatoren mussten zahlreiche behördliche Ausnahmen erwirken, um den Modellversuch zu ermöglichen. Mit dem Experiment wollen die Stadtwerke Erfahrungen sammeln für neue Mobilitätsangebote in dünner besiedelten Gebieten wie am Stadtrand. Auch die Anbindung an eine Siedlung wie in Hörne sei denkbar, sagt Linnenbrink. Es gehe aber um neue Angebote, nicht um die Einsparung von Busfahrern. (rll)

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