Stadtwerke entschuldigen sich für VOS-Partner Busfahrer lässt Kinder nicht aussteigen – Irrfahrt quer durch Osnabrück

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Sind nicht gut auf die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) zu sprechen: Elsa Schulte-Oversohl und Sohn Tom. Foto: Jörn MartensSind nicht gut auf die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) zu sprechen: Elsa Schulte-Oversohl und Sohn Tom. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Zwei Erstklässler sind wider Willen eine Stunde mit einem Bus durch Osnabrück gefahren. Der Grund: Der Fahrer fuhr an ihrer Ausstiegshaltestelle vorbei und ließ die Kinder auch anschließend nicht aussteigen. Die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück bedauert den Vorfall.

Seit diesem Schuljahr besucht Elsa Schulte-Oversohls Sohn Tom die erste Klasse der Lüstringer Waldschule. Da die Familie nicht weit entfernt wohnt, nutzt der Sechsjährige gemeinsam mit einem Nachbarskind eigentlich die Einsatzbusse der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS), um den fünf Haltestellen langen Nachhauseweg motorisiert anzutreten. Eigentlich, denn seit einem Tag im August haben die Schulte-Oversohls das Vertrauen in das Verkehrsmittel Bus vorerst verloren.

Irrfahrt durch Osnabrück

Der Grund: Eine Heimfahrt Ende August wurde für die Kinder zur Irrfahrt quer durch Osnabrück. Vor der Haltestelle Darumbetätigten die Schüler den Halteknopf, der Fahrer des Busses fuhr jedoch weiter und ließ Tom Schulte-Oversohl und eine Klassenkameradin auch an der nächsten Haltestelle nicht aussteigen. "Die beiden wussten danach gar nicht, wie ihnen geschah", sagt die Mutter, die wartend mit ansehen musste, wie der Bus an der Haltestelle vorbeifuhr. Da wusste sie allerdings noch nicht, ob die beiden Kinder überhaupt in diesem Bus saßen.

Am Eversburger Platz aufgegriffen

Als die beiden Erstklässler auch aus dem nachfolgenden Linienbus nicht ausstiegen, dämmerte der Osnabrückerin, dass etwas nicht stimmen konnte. Gemeinsam mit der Mutter von Toms Klassenkameradin versuchte sie herauszufinden, wo die beiden Sechsjährigen sein könnten. "Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin die Haltestellen abgefahren, erstmal aber ohne Erfolg", sagt Schule-Oversohl. Die beiden Mütter versuchten es über die Hotline der Stadtwerke, hingen erst einmal in der Warteschleife und konnten schließlich erreichen, dass der Bus am Eversburger Platz – also fast am anderen Ende der Stadt – anhielt.

Eine Stunde waren die Erstklässler zu diesem Zeitpunkt schon in dem Bus gefangen, der von Lüstringen quer durch die Stadt gefahren war. "Die beiden Kinder waren natürlich total verängstigt", sagt Schulte-Oversohl. Der Fahrer habe dagegen keine Regung gezeigt, als sie die beiden Sechsjährigen aus dem Bus holte.

VOS bedauert den Fall

Bei der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) ist der Fall bekannt. "Bei dem Vorfall handelte es sich um die Fahrt eines VOS-Partners. Wir sind dem Vorfall nachgegangen und haben hierzu auch mit dem Fahrer gesprochen. Als VOS bedauern wir den Vorfall sehr und möchten uns in aller Form bei den beiden Schülern und ihren Eltern entschuldigen", sagt ein Sprecher auf Nachfrage unserer Redaktion. Wie der Fahrer sein Fehlverhalten erklärte, war nicht zu erfahren. Hintergrund: In der VOS sind insgesamt zehn Unternehmen organisiert, die gemeinsam den Nahverkehr in Osnabrück und Umgebung gestalten. Dazu gehören beispielsweise die Stadtwerke Osnabrück, aber auch private Busunternehmen aus Stadt und Landkreis Osnabrück.

Krankheitsbedingte Verzögerung

Eine Entschuldigung hätte sich Elsa Schulte-Oversohl schon früher gewünscht. Immerhin liegt der Vorfall nun schon rund sechs Wochen zurück. Seither habe sie zwar einen Anruf der Stadtwerke bekommen, jedoch ohne Erklärung, wie so ein Vorfall passieren könne. Auch als sich unsere Redaktion einschaltete, passierte zunächst wenig. Erst auf eine weitere Anfrage kam Bewegung in die Sache. "Durch krankheitsbedingte Ausfälle in unserem Kundenservice ist es bei der Bearbeitung der Beschwerde leider zu Verzögerungen gekommen, die wir ebenfalls sehr bedauern", sagt der VOS-Sprecher. 

Als „kleine Wiedergutmachung“ will die VOS die beiden Schüler zu einer Führung durch den Busbetriebshof einladen. Elsa Schulte-Oversohl hat die Einladung zur Kenntnis genommen. Ihr ist es aber viel wichtiger, dass sich Tom und seine Mitschülerin bald wieder ohne Angst in einen Linienbus setzen können. "Natürlich hat der Vorfall immer noch Nachwirkungen. Momentan organisieren wir uns so, dass wir die Kinder abholen oder sie mit älteren Nachbarskindern mitfahren. Alleine wollen die beiden nicht mehr in einen Bus steigen."


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