Modellversuch an Knollstraße Osnabrücker Grüne wollen zwei Meter breiten Schutzstreifen für Radfahrer

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Bei Weitem keine zwei Meter breit: Der Schutzstreifen an der Knollstraße. Archivfoto: Michael GründelBei Weitem keine zwei Meter breit: Der Schutzstreifen an der Knollstraße. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. 1,50 bis 2,0 Meter: So viel Platz müssen Autofahrer beim Überholen von Radfahrern einhalten, was sie oftmals nicht tun. Da helfen auch die ohnehin umstrittenen und zumeist schmalen Schutzstreifen für Radfahrer wenig. Die Osnabrücker Grünen wollen sie auf zwei Meter verbreitern – anfangs nur in einem Modellversuch an einem Teil der Knollstraße.

Schutzstreifen an der Knollstraße sollen nach dem Willen der Grünen bald zwei Meter breit sein – zumindest an dem letzten noch nicht fertiggestellten Abschnitt der Dauerbaustelle, Dr.-Pelz-Straße bis Haster Weg. Im Stadtentwicklungsausschuss bringen sie am 18. Oktober einen entsprechenden Antrag ein. Teile der Dauerbaustelle an der Knollstraße sind abgeschlossen. Für Radfahrer legte die Stadt teils neue Radwege und teils schmale Schutzstreifen an. Der letzte Bauabschnitt soll im kommenden Jahr begonnen und fertiggestellt werden. Schutzstreifen sind mit einer gestrichelten Linie von der Fahrbahn abgetrennte Bereich für Radfahrer. Autofahrer dürfen sie überfahren, dabei aber keine Radfahrer gefährden. 

Radweg, Radfahrstreifen, Schutzstreifen - eine Typenkunde

Radwege sind baulich oftmals abgetrennt (Hochbordradwege). Baulich angelegte Radwege sollten mindestens 2,0 Meter breit sein. Eine generelle Radwegebenutzungspflicht gibt es nicht mehr. Radfahrer müssen nur die Radwege benutzen, die mit einem entsprechendem Verkehrszeichen markiert sind – und auch dann nur, wenn sie verkehrssicher sind. Kommunen dürfen eine Benutzungspflicht nur dann vorgeben, wenn es ansonsten die Verkehrssicherheit oder den Verkehrsablauf gefährdet. Fehlt das blaue Schild, das auf einen Radweg hinweist, muss der Radler den Radweg nicht benutzen. Fahrradpiktogramme auf einem Radweg sind kein gültiges Zeichen und dürfen ignoriert werden. Kraftfahrzeuge dürfen nicht auf Radwegen halten und parken.
Schutzstreifen sind mit einer weißen gestrichelten Linie abgetrennte Bereiche für Radfahrer. Sie sind Teil der Fahrbahn und entsprechend nicht mit einem gesonderten Verkehrszeichen („blau-weißes Schild”) markiert. Sie sollten in der Regel 1,50 Meter breit sein, mindestens aber 1,25 Meter. Eine Benutzungspflicht ist nicht geregelt, sofern es nicht das Rechtsfahrgebot gebietet – das ist umstritten. Kraftfahrzeuge dürfen den Schutzstreifen überfahren – aber nur bei Bedarf und sofern dabei keine Radfahrer gefährdet werden. Beim Überholen muss ein Mindestabstand von 1,50 bis 2,00 Metern eingehalten werden, urteilten unterschiedliche Gerichte. Ist das nicht möglich, muss der motorisierte Verkehr warten, bis das möglich ist. Kraftfahrzeuge dürfen auf Schutzstreifen halten, aber keineswegs parken. In Osnabrück gibt es Schutzstreifen etwa an der Rehm- und Parkstraße.
Radfahrstreifen, zumeist am Rande der Fahrbahn, sind baulich nicht abgetrennt. Eine weiße durchgezogene Linie trennt Kraftfahrzeuge und Radfahrer. Sie ist in der Regel 25 Zentimeter breit, der Weg (ohne Linie) sollte mindestens 1,60 Meter breit sein. Der Radfahrstreifen ist für Radfahrer reserviert und mit dem Verkehrszeichen 237 (weißer Radler auf blauem Grund) für diese benutzungspflichtig. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen ihn nicht benutzen, Kraftfahrzeuge dürfen darauf weder Halten noch Parken. Lediglich das Überqueren, etwa zum Erreichen eines Grundstücks, ist erlaubt. Ohne das Zeichen 237 ist der Streifen lediglich ein Seitenstreifen. In Osnabrück ist ein solcher Radfahrstreifen an der Bohmter Straße zu finden.

Mehr Sicherheit für Radfahrer

Die Grünen begründen ihren Antrag mit dem mangelnden Sicherheitsgefühl vieler Radfahrer auf schmalen Schutzstreifen. An Straßen wie der Parkstraße sind sie nur rund einen Meter breit – ein problematisches Maß, wenn man bedenkt, das Radfahrer rund 70 bis 80 Zentimeter Abstand zum Bordstein und rund einen Meter zu parkenden Autos einhalten sollten. 

Schutzstreifen an der Parkstraße: Dort halten Autofahrer beim Überholen von Radfahrern häufig nicht den Mindestabstand ein. Archivfoto: Sebastian Phillip

Auch ohne diesen Abstand rauscht der motorisierte Verkehr auf der Straße oftmals dicht an Radlern vorbei, um nicht den Gegenverkehr abwarten zu müssen – obgleich sie das müssten. Der Mindestabstand beim Überholen beträgt 1,50 bis 2,0 Meter, urteilten diverse Gerichte. 

Grüne: Mehr Sicherheit durch mehr Breite

Ein zwei Meter breiter Schutzstreifen würde das Sicherheitsgefühl erhöhen, sind sich die Grünen sicher. „Die gestrichelte Linie wird als Orientierung verwendet”, sagt Michael Kopatz, Unterzeichner des Antrags. „Nehmen Sie den Abschnitt zwischen Nonnenpfad und Altstadt-Bahnhof. Wenn man dort als Radfahrer den Arm nach links ausstreckt, kann man die Lkw berühren.” Der Mindestabstand werde schlichtweg ignoriert. „Man fährt ja nicht über die Linie. Linien haben offenbar eine sehr normative Bedeutung”, erklärt Kopatz.

Er ist überzeugt: Insgesamt hielten Autofahrer mehr Abstand zu Radfahrern bei breiteren Schutzstreifen. Die Niederlande hätten damit gute Erfahrungen gemacht. Die Stadt bekomme nur mehr Bürger auf das Rad, wenn diese sich sicher fühlten. 

Im Juli 2015 hatten der ADFC und die Initiative Pro Rad auf die Gefahr des dichten Überholens aufmerksam gemacht. Mit an den Rädern angebrachten Abstandhaltern aus Schaumstoff waren die Radler durch Osnabrück gefahren.

Um Verkehrsteilnehmer auf den Abstand zu Fahrradfahrern aufmerksam zu machen, hatten der ADFC Osnabrück und Pro Rad im Juli 2015 zu einer Fahrt eingeladen. Die Abstandhalter zeigen: Überholen ist auf dem Wall auf der rechten Fahrbahn gar nicht möglich. Archivfoto: Philipp Hülsmann

Schlechte Note beim Thema Sicherheit

In der Tat fühlen sich viele Radfahrer in Osnabrück nicht sicher, obgleich das Land die Stadt Ende vergangenen Jahres als fahrradfreundlich auszeichnete. Beim vergangenen ADFC-ahrradklima-Test von 2016 hatte die Stadt von Osnabrücks Radlern beim Thema Sicherheit nur die Note 4,7 erhalten, insgesamt eine 4,2 – das landesweit schlechteste Ergebnis. Noch bis Ende November läuft die nächste Umfrage zum Fahrradklima-Test.

Mindestabstand einhalten – „und wenn es eine halbe Stunde dauert”

Die Grünen verweisen in ihrem Antrag auf einen Gerichtsprozess in Frankfurt am Main, über den die „Frankfurter Rundschau” im August berichtet hatte. Ein Busfahrer hatte das Bein eines Mädchens überrollt, das auf einem Schutzstreifen gestürzt war. Er habe zwar gewusst, dass er beim Überholen von Radfahrern eigentlich einen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten müsse. Sein Verteidiger meinte hingegen, das gelte nicht für Schutzstreifen. Der Busfahrer sagte noch, er habe Grün gehabt und habe fahren müssen. Nein, widersprach die Richterin der „FR” zufolge. Er hätte warten müssen, bis er den Mindestabstand hätte gewährleisten können – „und wenn es eine halbe Stunde dauert“, zitierte das Blatt die Richterin.

Warum nicht gleich ein baulich abgetrennter Radweg? „Schutzstreifen sind immer noch besser als gar nichts”, sagt Kopatz. „Selbst wenn es nur Piktogramme auf der Straße gibt, wie auf der Lotterstraße, erhöht sich die Aufmerksamkeit der Kraftwagenfahrer.”

Ein Jahr soll der Modellversuch dauern und danach ausgewertet werden. Sollte sich der Versuch als Erfolg erweisen, möchten die Grünen die breiten Schutzstreifen an der gesamten Knollstraße und auch an der Rheiner Landstraße haben.

Baustelle wandert weiter

Die Dauerbaustelle an der Knollstraße wandert indes weiter: Am Dienstag starteten die Kanalbauarbeiten im Abschnitt zwischen dem Richthofenweg und der Potsdamer Straße, teilte die Stadt mit. Der Abschnitt zwischen Richthofenweg und Dr.-Pelz-Straße ist wieder befahrbar. Die gesamte Baumaßnahme begann im Oktober 2016 und soll bis Ende 2019 andauern.

Warum wird dieser Antrag dann erst jetzt gestellt? „Nicht alle Ideen und Innovationen der Zukunft sind in der Gegenwart bekannt”, sagt Kopatz. Außerdem sei er erst seit zwei Jahren im Rat der Stadt.

Kürzester Radweg

Übrigens: Eine Besonderheit für Radfahrer liegt dort bereits vor. An der Ecke Knoll- und Klosterstraße befindet sich womöglich Deutschlands kürzester Radweg. Er ist nur wenige Meter lang. Die Schilder, die den Beginn und das Ende anzeigen, sind nur wenige Meter voneinander entfernt. 

Nur wenige Meter lang: der Radweg an der Ecke Kloster- und Knollstraße. Foto: Jörg Sanders

Danach und davor stehen Radfahrern Schutzstreifen zur Verfügung – übrigens deutlich schmaler als zwei Meter breit.


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