Ende der Craft-Bier-Welle? Zauber von OS und Hopsession in Osnabrück schließen zum Jahresende

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Die Craft-Bier- und Burger-Bar "Zauber von OS" in der Dammstraße und der Hopsession Craftbeerstore in der Hegerstraße schließen zum Jahresende. Foto: David EbenerDie Craft-Bier- und Burger-Bar "Zauber von OS" in der Dammstraße und der Hopsession Craftbeerstore in der Hegerstraße schließen zum Jahresende. Foto: David Ebener 

Osnabrück. Adrien Renauldon macht Schluss. Der Osnabrücker Gastronom zieht sich mit seinem Craft-Bier-Store „Hopsession“ und seiner Bar „Zauber von OS“ zurück. Mit unserer Redaktion hat Renauldon über die Gründe der Schließung, die eigentlichen Pläne und Craft-Bier in Osnabrück gesprochen.

Seit 2014 gibt es den „Zauber von OS“ an der Osnabrücker Dammstraße. Schnell wurde der Laden zum Anziehungspunkt für alle Craft-Bier- und Burger-Freunde in Osnabrück. Im Juli 2016 eröffnete Renauldon mit dem Hopsession in der Heger Straße auch den ersten Craft-Bier-Store in der Osnabrücker Altstadt. Er passte zur offenbar wachsenden Beliebtheit der alternativen Bierstile in der Stadt: Das Craft-Beer-Festival auf dem Markt feierte in dem Sommer bereits seine erste Wiederholung.  (Weiterlesen: Warum Craft-Brauer vermehrt auf einen alten Stil setzen)

Renauldon blickt noch auf die Anfangseuphorie zurück: „Die Kunden werden uns schon finden“, habe er damals gedacht. Dazu kamen intensive Marketing- und Flyeraktionen und er war sich sicher, dass die Lage mitten in der Altstadt perfekt sei. Mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt. „Der Einzelflaschenverkauf ist halt ein hartes und sensibles Geschäft“, resümiert Renauldon. Um parallel den Bekanntheitsgrad von India Pale Ale und Co. zu steigern, hat er sich daher bemüht, Craft-Bier auch in anderen Osnabrücker Kneipen unterzubringen. So beziehen unter anderem das 8 ½ über Renauldon Teile Ihrer Bierkarte und die Münsteraner Craft-Bier-Marke Finne konnte er mittlerweile in sieben Läden platzieren.  (Weiterlesen: Finne braut frisches Bio-Craft-Bier aus Münster)

Im August 2016 eröffnete Renauldon (rechts) in der Heger Straße den Craft-Bier-Store "Hopsession". Hier mit seinem damaligen Nachbarn, dem „Genuss Mafia“-Betreiber, Carlos Tomas und Lisa Materna, Renauldons Assistentin im Laden. Foto: Egmont Seiler


Zusätzlich begann Renauldon, im Hopsession Craft-Bier-Tastings anzubieten, um interessierten Besuchern das Thema Kreativbier näher zu bringen. „Craft-Bier ist sehr beratungsintensiv und individuell“, sagt er. Durch den steten Ausbau dieses Bierproben-Angebotes lief es besser. Bis dato wurde der Store über das „Zauber von OS“ mitfinanziert. Am Ende hat sich der Laden für den Geschäftsmann aber wirtschaftlich nicht gelohnt. (Weiterlesen: Der Physiker Thomas A. Vilgis über die Wissenschaft der richtigen Bierbegleitung)


Zwischenzeitlich liebäugelte der 32-jährige mit einem Zusammenlegen von Bar und Store an der Dammstraße. Der Bierverkauf hätte über das Zauber in die erste Etage ziehen können. Bierproben hätte es dann sowohl oben, als auch im Lokal geben können. Gleichzeitig wollte Renauldon die Küche ausbauen, um neben Burgern auch weitere Speisen anbieten zu können.

Warum jetzt der Sinneswandel? Es sei schwierig, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden, die Verantwortung übernehmen könnten, erklärt Renauldon. Das habe ihn dazu gezwungen, neben der Geschäftsführertätigkeit selbst fortwährend in beiden Läden hinter den Tresen zu stehen.

Der Hopsession Craftbeerstore in der Heger Straße schließt zum Jahresende. Foto: David Ebener


Dazu kommen die ständigen Umbauarbeiten an der Eisenbahnbrücke „An der Petersburg“ und der Dammstraße, welche auch wirtschaftlich am „Zauber“ rütteln. „Wir werden nicht einmal informiert“, beklagt sich der Gastronom. „Weder Stadt noch Bahn halten es für nötig, uns Bescheid zu sagen, wenn wieder einmal die Straße gesperrt wird oder an der Dammstraße der Bürgersteig aufgerissen wird.“  (Weiterlesen: Übersicht über die Baustellen in Osnabrück)

Wer an der Bar vorbeikommt, sieht darin zumeist volle Tische. Auch Renauldon ist stolz, dass sich das „Zauber“ als vertragsfreie Bar eigentlich gut etabliert hat und von den Osnabrückern angenommen wird. „Das zeigt, dass es hier durchaus eine Begeisterungsfähigkeit für das Konzept gibt.“ Trotzdem zieht Renauldon entnervt und ausgelaugt die Reißleine und schließt zum Jahresende beide Läden. Allen Mitarbeitern wurde bereits gekündigt. „Ich würde gerne alle in gute Hände übergeben“, sagt Renauldon, „aber ich brauche erst einmal eine Pause.“ Seit 15 Jahren ist Renauldon, der seit diesem Jahr seinen Hauptwohnsitz nach Berlin verlegt hat, mittlerweile selbstständig.  (Weiterlesen: Craft-Bier: kurzlebiger Trend oder Revolution am Biermarkt?)

Rückblick: im November 2013 war Adrien Renauldon (rechts) noch voller Vorfreude auf die bevorstehende Eröffnung des Zauber von OS. Foto: Michael Gründel

Renauldon wird sich jetzt zunächst anderen Projekten widmen. Eine Rückkehr in die Osnabrücker Gastroszene kann er sich aber vorstellen. „Aber sicherlich nicht mehr an der Dammstraße.“

(Weiterlesen: Das Osnabrücker Bier wird nicht mehr gebraut)


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