Pädagogik-Projekt "Lernreise" Osnabrücker Lehramtsstudenten suchen die "Schule der Zukunft"

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Osnabrücker Lernreise-Studenten (von links) Lina Bertzbach, Ann-Kathrin Ridder, Davina Jochem, Julia Winterberg, Oke Kröber und Jannika Beckmann besuchten mit ihrer Dozentin Carolin Kiso die 2016 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnete "Grundschule auf dem Süsteresch" bei Bad Bentheim. Foto: Ann-Kathrin RidderDie Osnabrücker Lernreise-Studenten (von links) Lina Bertzbach, Ann-Kathrin Ridder, Davina Jochem, Julia Winterberg, Oke Kröber und Jannika Beckmann besuchten mit ihrer Dozentin Carolin Kiso die 2016 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnete "Grundschule auf dem Süsteresch" bei Bad Bentheim. Foto: Ann-Kathrin Ridder

Osnabrück. Für das Pädagogik-Projekt "Lernreise" haben Lehramtsstudenten der Universität Osnabrück im Sommer sechs ausgezeichnete Schulen in ganz Deutschland besucht. Dort erfuhren sie, wie innovative Lehrmethoden helfen, den Unterrichtsalltag zu bewältigen.

Das Konzept "Lernreise" wurde 2013 vom Verein Kreidestaub, einer Initiative zur Verbesserung der Lehramtsausbildung, ins Leben gerufen. Als die Osnabrücker Professorin für Schulpädagogik, Claudia Solzbacher davon hörte, setzte sie es mit einem eigenen Seminar um. Ihr Ziel: "Die Diskussion um eine ,gute Schule' in die Lehramtsausbildung zu tragen." (Weiterlesen: Bramscher Lehramtsstudentin gesteht: "Habe mir den Beruf leichter vorgestellt")

Schlecht vorbereitet auf Berufsalltag

Zur diesjährigen Lernreise-Gruppe der Uni Osnabrück gehört Jannika Beckmann. Sie stellt fest: "Der Großteil unserer Ausbildung fokussiert sich auf die Vermittlung von Fachwissen und theoretischen Grundlagen. Aspekte wie Inklusion, Teamfähigkeit oder Elternkommunikation werden im Studium nicht thematisiert." So würden angehende Lehrer nicht ausreichend auf den tatsächlichen Schulalltag vorbereitet. Beckmann sieht in der Lernreise eine Möglichkeit, diesem Missstand entgegenzuwirken: "Die perfekte Schule gibt es nicht. Wir sind aber davon überzeugt, dass das Prinzip der Lernreise langfristig eine Änderung der Lehramtsausbildung ermöglichen kann." (Weiterlesen: Osnabrücker Professorin hält Schulnoten für ungenügend)

Claudia Solzbacher hat eine Professur für Schulpädagogik und ist geschäftsführende Leiterin des Instituts für Erziehungswissenschaft der Uni Osnabrück. Foto: Von Brill


Unvermeidlicher Praxisschock

Das bestätigt auch Professorin Solzbacher: "Den Praxisschock kann man nicht ganz vermeiden. Aber die ,Lernreise' kann dabei unterstützen, schon im Studium eine professionelle Haltung durch Erfahrungen und Emotionen zum Schulalltag zu entwickeln." Das Format solle gelingende Praxis mit der theoretischen Ausbildung zusammenbringen. (Weiterlesen: Wissenschaftsminister Thümler will Lehrerausbildung forcieren)

Vor der Lernreise, so Solzbacher, evaluierten ihre Studenten, was für sie eine "gute Schule" ausmache. Den Schwerpunkt des diesjährigen Projekts hätten sie beispielsweise auf den Umgang mit kultureller Vielfalt oder Inklusion gelegt. 

Von den Besten gelernt

Auf ihrer Suche nach Paradebeispielen orientierte sich die Osnabrücker Gruppe an ausgezeichneten Einrichtungen. Zum Beispiel besuchte sie in Begleitung von Dozentin Carolin Kiso die "Grundschule auf dem Süsteresch" bei Bad Bentheim, welche 2016 den Deutschen Schulpreis für ihre zukunftsgerichteten Unterrichtskonzeptionen gewann. Darüber hinaus standen Schulen in Dinklage, Kassel, Bremen, Solling und Greifswald auf dem Plan. Überall hospitierten die Studenten im Unterricht und diskutierten mit Lehrkräften, Schulleitern und pädagogischen Mitarbeitern. Ergebnis: "Wir haben erfahren, dass sich nicht die Schüler an die Schule anpassen müssen, sondern die Schule den Schülern entsprechen muss", stellt Beckmann fest. 


Aspekte wie Inklusion, Teamfähigkeit oder Elternkommunikation werden im Studium nicht thematisiert"Lehramtsstudentin Jannika Beckmann


„Eine gute Schule kennt ihre Schüler“

Auch Probleme des Schulalltags kamen bei der von den Teilnehmern selbst organisierten und finanzierten Lernreise zur Sprache. Im Fokus stand dabei die mangelhafte individuelle Förderung. "Schulen ist es derzeit nicht möglich, auf die Bedürfnisse der Schüler einzeln einzugehen", sagt Beckmanns Kommilitonin Lina Bertzbach. Sie habe bemerkt, dass dies vor allem durch persönliches Engagement der Lehrer und Schulleiter kompensiert werde. Bertzbachs Fazit: "Eine gute Schule kennt ihre Schüler und passt sich ihnen an." (Weiterlesen: Land fördert Lehrerausbildung an Uni Osnabrück mit 900.000 Euro extra)

Ganz vorbei ist die Lernreise für die Osnabrücker übrigens noch nicht. Auf einer Abschlusstagung im Januar 2019, bei der auch Vertreter der besuchten Schulen anwesend sein werden, wollen die Studenten die Ergebnisse ihres Seminars vorstellen und gemeinsam besprechen. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN