Händler, Hörer, Sammler Jagd auf Vinyl bei der Schallplattenbörse in der Osnabrück-Halle

Von Markus Strothmann

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Eine Fundgrube für Musikliebhaber ist die Schallplattenbörse in der Osnabrück-Halle. Foto: Michael GründelEine Fundgrube für Musikliebhaber ist die Schallplattenbörse in der Osnabrück-Halle. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Über 50 Händler mit Tausenden und Abertausenden von Alben und Singles aller Genres – und alles auf Vinyl: Am Sonntag durchforsteten zahlreiche Musikliebhaber die Bestände der Osnabrücker Schallplattenbörse.

Um 11 Uhr öffnete die Börse ihre Pforten, und sofort ging es los. Schließlich suchen viele Vinylsammler gezielt nach raren Pressungen. Entsprechend früh sollte erscheinen, wer Begehrtes abgreifen will. Stefan Pohlmeier aus Bielefeld hatte es abgesehen auf Platten seiner ersten musikalischen Liebe, der US-Rockband Kiss. Gegen halb zwölf hatte er schon zwei Treffer gelandet: Live-Mitschnitte von 1974 und '77. 

Schallplattensammler Stefan Pohlmeier aus Bielefeld hat sogar ein eigenes Zimmer für seine Schätze aus Vinyl. Foto: Michael Gründel


Aber Pohlmeiers Leidenschaft beschränkt sich nicht auf Rockmusik. "Ich habe vor 34 Jahren angefangen zu sammeln mit ,Alive II' von Kiss. Heute habe ich alles Mögliche, von Ska über Hiphop bis zu Punk und Harcore." Insgesamt besitzt er rund 3000 Alben, untergebracht ist die stattliche Sammlung im 18 Quadratmeter großen Musikraum. Ständiges, exzessives Shopping ist gar nicht nötig, um solche Mengen anzuhäufen: "Ich kaufe durchaus mal monatelang gar nichts, dafür gebe ich bei einer Börse dann aber auch 200 bis 300 Euro aus." 

Einkaufsliste mit 14 Posten

Meike Tersteegen, Studentin in Osnabrück, hatte ihr Budget gedeckelt: "Ich habe 60 Euro mit, habe aber nicht vor alles auszugeben." Ihre Einkaufsliste umfasste 14 Posten. Allerdings war ihr von vornherein klar, dass sie nicht alle kaufen würde. Wichtigste Tagesziele, auf dem Zettel eingekreist: "Full Moon Fever" von Tom Petty sowie "Harvest" und "After The Goldrush"  von Neil Young. Classic-Rock-Fan? "Unter anderem. Ich höre auch neuere Sachen, Linkin Park und Green Day zum Beispiel." 

Studentin Meike Tersteegen hatte 14 Schallplatten auf ihrer Einkaufsliste, aber nur 60 Euro dabei. Foto: Michael Gründel


Fanatische Sammlerin ist Tersteegen nicht, es müssen auch keine besonderen Pressungen sein. "Ich will die Platten nur hören, nicht weiterverkaufen oder sonstwas." Ihre Plattenkiste enthält etwa 30 Stück, aber am Sonntag kam mindestens ein Album dazu: "Invisible Touch" von Genesis. Vom eigenen Musikzimmer wie bei Pohlmeier ist die Studentin auf jeden Fall noch weit entfernt. 

"Ich kaufe durchaus mal monatelang gar nichts, dafür gebe ich bei einer Börse dann aber auch 200 bis 300 Euro aus."Schallplattensammler Stefan Pohlmeier


Insidertipps vom Händler

Und auf der anderen Seite des Tresens? Händler Guido Gappa aus Dortmund hatte wie üblich alle seine Platten dabei. Folk, Blues, Rock, viele bekannte Namen. "Aber eigentlich konzentriere ich mich eher auf Randgebiete. Jazz bis Hardcore." Meistens kaufe er komplette Sammlungen von Privatleuten auf. Das macht viel Arbeit, ein bis zwei Tage pro Woche verbringe er mit Einkauf, Reinigung und Auspreisung – Plattenbörsen exklusive.

Händler Guido Gappa aus Dortmund kauft Sammlungen von Privatleuten auf, um sie anschließend selbst anzubieten. Foto: Michael Gründel


"Ich mache das nicht hauptberuflich. Es ist ein verlängertes Hobby, ich bin selbständig als Tischler", erklärte Gappa. Und wie ging es los? "Man fängt als Musikliebhaber an. Mit der Zeit kennt man sich besser aus, bis man irgendwann eine große Sammlung und relativ großes Fachwissen hat." Müßig, einen nach seiner Lieblingsband zu fragen, der Tausende Platten besitzt. Aber Gappa nannte immerhin drei Favoriten: "Hot Snakes, Mission Of Burma, Eugene Chadbourne." Nie gehört? Muss wohl ein Insidertipp sein. 


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