Mit angezogener Handbremse Wingenfelder rocken für die Freiheit im Rosenhof

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Wenig „furios“: Die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder mit Band im Rosenhof. Foto: Stefan GelhotWenig „furios“: Die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder mit Band im Rosenhof. Foto: Stefan Gelhot

Osnabrück. Deutschsprachiger Schlagerrock mit einfachen Botschaften: Die „Fury In The Slaughterhouse“-Gründer Kai und Thorsten Wingenfelder traten mit neuer, vierköpfiger Band im gut gefüllten Rosenhof auf.

Dabei startete das Sextett langsam mit „Sieben Himmel hoch“, dem sanft wogenden, pathetischen Titelstück des neuen, im Sommer erschienenen vierten Albums der beiden Brüder, welches gleich ein doppeltes geworden ist. Mit ausgebremsten „Glauben an Gerechtigkeit in diesem Land“ und auch musikalisch leicht angezogener Handbremse folgte nach dessen poltrig angerocktem Opener mit klirrender Gitarre ein beherztes „Hey Cowboy“. Eher gedämpft vor sich her plätscherte dann wieder das von Thorsten Wingenfelder im weißen Hemd rotzig dahin gesungene, nach eigener Einschätzung „schwarze Lied der Ü-40-Generation auf Tinder“.

Zwischen Resignation und Aufbruch

Mit dem „furiosen“ Gassenhauer „Dead and Gone“ verließen die Gebrüder zwischenzeitlich die ruhigeren Pfade, riefen gar zum „Revolution“-Brüllen auf, um sich dann aber wieder mit einem resigniert schwachen „Gut so für mich“ mit allem so abzufinden, wie es ist. Dabei ging es aber weiter hin und her. Denn mit der aktuellen, extrem tanzbaren Single „Mitten im Leben“ wurde wieder Aufbruchsstimmung verbreitet. Und mit der in gefällig belanglosen Schlagerrock gegossenen Erkenntnis „Irgendwo ist immer Sommer“ ließen Wingenfelder gar flockig groovenden Zweckoptimismus walten. Auch „Vom Suchen und Finden“ glänzte als Mantren-artig heruntergebetete Aneinanderreihung von plattitüdenhaften Lebensweisheiten. Die in morbidem D-Moll mit der nicht zufällig dunklen Tonfolge A-F-D doppelt gestartete, anklagende Freiheitshymne „Bis nach Berlin“ geriet dagegen zu einem so nachdenklich wie diffus hoffnungsvollen, umjubelten Höhepunkt des Abends.

Evergreen zur rechten Zeit

In Form einer gebremsten Version des Ohrwurm-Hits „Time To Wonder“ wurde noch einmal das alte Anti-NDW-Schlachtross Fury geschlachtet, bevor es zunächst ohne Setlist in den Zugabenblock ging. Dort waren plötzlich drei Hüte zu sehen, denn der norddeutsche Songwriter Björn Paulsen, der im Vorprogramm erfolgreich die „Herzen im Takt“ bewegt hatte, wurde noch einmal mit auf die Bühne geholt, um gemeinsam die ins Deutsche übersetzten Strophen von Neil Youngs „Keep On Rockin´ In the Free World“ zu intonieren – ein Evergreen zur im doppelten Sinne rechten Zeit. Zum Feierabend gönnten sich und ihrem Publikum Wingenfelder noch „das größte Bier der Welt“ und einen Stuhl, um unter anderen „mit Morrissey aufm Fahrrad“ die „beste Band der Welt“ zu feiern, in der sie mal waren. Die schöne Ballade „Winterkind“ schließlich blieb für einen erklärten „Rausschmeißer“ noch ganz schön lange auf dem herbstlichen Heimweg in den Ohren.


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