Station in Osnabrück Professor Wägele spricht Klartext über das Insektensterben

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Das Insektensterben im Blick: Professor Wolfgang Wägele kommt am 10. Oktober nach Osnabrück. Foto: dpaDas Insektensterben im Blick: Professor Wolfgang Wägele kommt am 10. Oktober nach Osnabrück. Foto: dpa

Osnabrück. Der dramatische Rückgang der Insekten hat viele Menschen überrascht. Über die Gründe wird auch unter Wissenschaftlern noch spekuliert. Der Bonner Zoologe Wolfgang Wägele wagt eine Antwort. Am 10. Oktober spricht er im Botanischen Garten über neue methodische Ansätze in der Forschung und über Handlungsmöglichkeiten, das große Sterben noch zu stoppen.

Wägele kann selbst kaum glauben, dass der gravierende Schwund der Kerbtiere lange Zeit so wenig wahrgenommen wurde. Indizien habe es viele gegeben, sagt der Leiter des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn. Schon seit den 80er Jahren werde viel geschrieben über den Rückgang der Schmetterlinge und anderer Insekten, auch über die Auswirkungen auf die Vogelwelt. Aber das sei von der Öffentlichkeit als „graue Literatur“ abgehakt und nicht weiter beachtet worden.

Der 1953 geborene Professor sieht aber auch Versäumnisse in der eigenen Zunft. Die Insektenforschung habe jahrzehntelang in einem Elfenbeinturm stattgefunden. Erst mit dem Klimawandel und dem allgemeinen Wandel der biologischen Umwelt werde langsam bewusst, wie vernetzt alles miteinander sei. Dazu gehöre, dass die oft als lästig empfunden Insekten eine wichtige Rolle im Ökosystem wahrnehmen – als Bestäuber, als Nahrung für andere Lebewesen und als biologische Schädlingsbekämpfer.

Wägele sieht im Insektensterben nur die Spitze eines Eisbergs, dem sich die Zivilisation auf abenteuerliche Weise nähert. Für ihn ist es offensichtlich, dass viele Ursachen in der Landnutzung zu suchen sind. Dass bei uns immer mehr Mais in Monokulturen angebaut wird, um die Biogasanlagen zu versorgen, findet er ebenso verheerend wie die Ausbreitung der Palmölplantagen auf ehemaligen Urwaldflächen in Südostasien.

Pestizide haben nach seiner Ansicht maßgeblich zum Rückgang der Arten beigetragen. Der Insektenforscher hält es deshalb für unerlässlich, dass in der Landwirtschaft weltweit auf Nachhaltigkeit gesetzt wird. Und die Naturschutzgebiete müssten größer zugeschnitten und mit Pufferzonen versehen werden. Ihre Funktion könnten sie nur erfüllen, wenn der Einsatz von Pestiziden großflächig eingeschränkt würde.

Wägele hält es für unabdingbar, mehr in die Forschung zu investieren, etwa in ein umfassendes Monitoring der Artenvielfalt. Es gebe viel zu wenig Daten über die Biodiversität, deshalb fordert er mehr Langzeitbeobachtungen, die Auswertung von Satellitendaten, die Entwicklung neuer Sensortechnologien und den Bau von Hunderten neuer Messstationen. Der Insektenforscher sieht die Politik in der Pflicht. Die Wissenschaft, so klagt er, habe keine gute Lobby. Das müsse sich ändern.

Der Vortrag findet am 10. Oktober ab 18.30 Uhr im Helikoniensaal des Botanischen Gartens an der Albrechtstraße 29 statt (Eintritt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro). Interessierte können sich bis zum 5. Oktober anmelden unter unigesos@uos.de oder Telefon 0541/9694010.


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