Enttäuschung über Landesregierung Aktion „#rettedeintheater“ nach Mittel-Streichung

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Das geht alle Bürger der Stadt etwas an, meinen Christina Dom, Monika Vivell, Simon Niemann, Mark Hamman und Marie Senf. Daher der Hashtag #rettedeintheater“, zu dem auch andere Kommunaltheater aufrufen. Foto: Stefan GelhotDas geht alle Bürger der Stadt etwas an, meinen Christina Dom, Monika Vivell, Simon Niemann, Mark Hamman und Marie Senf. Daher der Hashtag #rettedeintheater“, zu dem auch andere Kommunaltheater aufrufen. Foto: Stefan Gelhot

Osnabrück. Streit in den Landesfraktionen, schwere Enttäuschung und neue Existenzängste bei den kommunalen Theatern: Mit Protestaktionen reagieren Stadttheater, auch das Osnabrücker, auf die Streichung der zugesagten sechs Millionen Euro Förderung vom Land.

„Geiz ist nicht geil“, steht in gelben Lettern auf einem Plakat und ist nicht spielerisch gemeint, sondern sehr ernst. Denn die sechs Millionen Euro, die das Land Niedersachsen den kommunalen Theatern in der Koalitionsvereinbarung zugesagt hatte, sind kürzlich vom Finanzministerium ohne Begründung aus dem Haushaltsentwurf gestrichen worden.

Dabei waren diese sechs Millionen schon knapp bemessen, um Finanzlöcher zu stopfen, die die Tarifsteigerungen in ohnehin knappe Etats gerissen haben. So stellen jedenfalls betroffene Bühnen die Lage dar. Lüneburgs Oberbürgermeister Björn Mädge fürchtet für 2020 sogar die Insolvenz des Lüneburger Theaters, falls keine zusätzlichen Gelder kämen, wie er Ende Juni dem NDR sagte. Auf Landtagsfraktionsebene hat es wegen der Streichung kürzlich schon Streit gegeben.

#rettedeintheater

Die Mitarbeiter des Deutschen Theaters Göttingen haben die Aktion „#rettedeintheater – keine Kulturwüste in Niedersachsen!“ ins Leben gerufen. Das Osnabrücker Theater, wie andere Kommunaltheater auch, schließt sich dem an. Es ist eine gemeinsame Initiative von Osnabrücker Ensemblemitgliedern, Intendanz und Geschäftsführung, wie Intendant Ralf Waldschmidt betont.

Es ist eine spürbar enttäuschte Runde, die da in der Kantine zusammengekommen ist. Denn in letzter Zeit hatten sich die Stimmen auch unter Politikern gemehrt, die die Theater für einen immer wichtigeren integrativen Faktor in der Gesellschaft unserer Tage halten. So sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters 2017 bei der Verleihung des „ Ermutigungspreise für Kleine Theater“: „Wie verheerend wäre es, wenn wir ausgerechnet auf unsere Theater verzichten müssten in der Auseinandersetzung mit Populismus, Rassismus und Nationalismus, oder allgemein gesprochen: mit Themen, die unsere Gesellschaft zu spalten drohen.“

Protest in Hannover

Doch nun sehen die kommunalen Theater genau die Aktivitäten wieder in Gefahr, mit denen sie seit einigen Jahren eine breitere Öffentlichkeit angesprochen hatten: Schulkooperationen, Kontaktpflege zur jungen Generation, tagespolitische Info- und Diskussionsformate gesellschaftlich engagierte und reflektierte Spielpläne etwa. All dies steht in einer Petition, die die Bühnen gemeinsam am 24. Oktober der Landesregierung in Hannover übergeben wollen. Mit möglichst viel Geleit: Die Schauspielerinnen Christina Dom und Monika Vivell, der Sänger Mark Hamman, die Dramaturgin Marie Senf und der Theaterpädagoge Simon Niemann rufen Mitglieder des Stadtrates oder des Theater- und Musikvereins, aber auch Zuschauer auf, mit nach Hannover zu fahren. Das Theater wird seinen Spielbetrieb an diesem Tag einschränken, sagt Waldschmidt, um viel Beteiligung zu ermöglichen.

Doch vorher, von der heutigen „Fidelio“-Premiere im Stadttheater an, können Zuschauer die Petition unterschreiben, die an Infoständen im Foyer ausliegt (es geht aber auch online) und sich über weitere Protestaktionen informieren.


Mehr Infos unter: #rettedeintheater

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