Privatinvestor aus Osnabrück Theaterpassage ist verkauft und wird zum Food-Court

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Die Theaterpassage zwischen Krahnstraße und Domhof hat einen neuen Eigentümer. Foto: David EbenerDie Theaterpassage zwischen Krahnstraße und Domhof hat einen neuen Eigentümer. Foto: David Ebener

Osnabrück. Neustart für die dahinsiechende Theaterpassage in Osnabrück: Ein privater Investor aus Osnabrück hat die prominente Immobilie zwischen Domhof und Krahnstraße gekauft.

"Wir haben die Immobilie nach sorgfältiger Abwägung an einen Osnabrücker Privatinvestor verkauft", teilte die Sprecherin der bisherigen Eigentümerin DIC Asset AG in Frankfurt mit. "Dieser möchte die Liegenschaft teilweise in einen Food-Court umwandelt." Die Identität des Käufers wollte die Sprecherin ebenso wenig preisgeben wie den Kaufpreis. Man habe Stillschweigen vereinbart. Weiter heißt es: "Wir freuen uns, dass mit diesem Schritt die Perspektive für eine Revitalisierung und attraktive Nutzung dieses Standortes in zentraler Innenstadtlage eröffnet wird und sind zuversichtlich, dass hier ein tragfähiges Zukunftskonzept und eine nachhaltige Lösung gefunden worden sind." Die Theaterpassage verfügt über eine Mietfläche von 2643 Quadratmeter und 28 Pkw-Stellplätze.

Archivfoto: David Ebener

Käufer setzt auf Lebensmittel und  Gastronomie

Gekauft hat die Immobilie ein Osnabrücker Unternehmer aus der Dienstleistungsbranche, der nicht öffentlich in Erscheinung treten will. Er besitzt eine andere Immobilie im Umfeld der Theaterpassage und hatte dessen Niedergang ständig vor Augen – bis es ihm reichte und er mit DIC Verhandlungen aufnahm. "Wir wollen, dass da wieder Leben reinkommt", sagte er am Freitag unserer Redaktion. Das Gebäude sei ja "eigentlich ganz schön", und die Passage nutzten sehr viele Menschen als Abkürzung. 

Der Käufer steht nach eigenen Angaben noch am Anfang der Planung. Der angedachte Food Court soll nach seinen Vorstellungen die Bio-Schiene bedienen und Lebensmittelhändlern und Gastronomen gleichermaßen Raum geben. Ein Bio-Supermarkt, Feinkosthändler mit Probierständen: "Sowas in der Art", sagte der Unternehmer, "ganz genau wissen wir das auch noch nicht". Er will mit seiner Schlemmer-Passage nicht in Konkurrenz zur Markthalle im Hause L+T treten, die fünf Gehminuten entfernt liegt, sondern andere Schwerpunkte setzen. 

Schon die DIC Asset AG hatte auf der Gastro-Schiene versucht, neues Leben in das größtenteils leerstehende Objekt zu bringen. Die geforderten Mieten waren am Markt aber nicht zu erzielen, wie Branchenkenner berichten. DIC hatte offenbar geplant, den Durchgang zu schließen, um die Flächen flexibler und marktgerechter zuschneiden zu können. Ein italienischer Systemgastronom mit Sitz in Hamburg soll Interesse an dem Standort gehabt haben. 

Foto: David Ebener

Mieter überrascht

In der Theaterpassage halten nur noch drei Geschäfte die Stellung: Tabak Träber, Caprice-Moden und der Friseursalon Hair Cutters. Aktuell nutzt das Projekt "Wirtschaftsförderung 4.0" Ladenflächen, um regionale Produkte zu präsentieren. Die Ladenmieter wurden von der Verkaufsnachricht überrascht: "Komisch, ich habe vor zwei, drei Tagen erst eine Mieterhöhung bekommen", sagte Petra Frontzek, Inhaber von Caprice Moden am Freitag. Absenderin war die DIC.

Diese Computergrafik von einer möglichen Auffrischung der Theaterpassage tauchte am Rande der Osnabrücker Investorenkonferenz im Mai 2018 auf. Foto: Gert Westdörp

Der börsennotierte Immobilienunternehmen aus Frankfurt hat die Theaterpassage 2007 gekauft, wurde damit aber nicht glücklich. Ein Mieter nach dem anderen kehrte der einst strahlenden Passage den Rücken. Innen wie außen ist der Investitionsbedarf unübersehbar. „Wir hätten uns auch gewünscht, dass das Projekt schneller konkrete Form annimmt. Aber die Suche nach geeigneten Mietern ist komplex“, ließ eine Sprecherin schon vor fünf Jahren auf Anfrage der Redaktion verlauten. „Wir möchten für das Objekt einen sich ergänzenden und attraktiven Mietermix realisieren, der das Objekt langfristig zu einem beliebten Anziehungspunkt in Osnabrück macht.“

NOZ-Foto von der Eröffnung der Passage am 14. Februar 1987 mit Hannelore Kohl und Thomas Gottschalk.

Mit Thomas Gottschalk

Ein beliebter Anziehungspunkt – ja, das war die Theaterpassage einmal. Egon Geerkens, der zunächst mit Schrott, dann mit Schmuck und Immobilien ein Vermögen aufgebaut hatte, ließ die Passage zusammen mit einem Partner in der Achtzigerjahren für zehn Millionen Mark errichten. Zur Eröffnungsfeier holte Geerkens Kanzlergattin Hannelore Kohl und Showmaster Thomas Gottschalk nach Osnabrück. Später verkaufte er die Passage an die Iduna-Versicherung.

So fing es an: NOZ-Bericht vom 3. August 1985.



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