Kampf der Pappbecherflut Wie das Osnabrücker Lieblingskaffee ohne Einwegbecher auskommen will

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Christina Woltering hofft, dass sich das Pfandsystem von Recup auch in Osnabrück durchsetzen wird. Foto: Jörg SandersChristina Woltering hofft, dass sich das Pfandsystem von Recup auch in Osnabrück durchsetzen wird. Foto: Jörg Sanders

Osnabrück. 320.000 Einwegbecher werden der Deutschen Umwelthilfe zufolge in Deutschland verbraucht – pro Stunde, 2,8 Milliarden pro Jahr. Bei vielen Cafés und Bäckern bekommen die Osnabrücker ihren Kaffee zwar im selbst mitgebrachten Becher – doch der ist nicht immer dabei. Das Lieblingskaffee am Domhof setzt nun auf eine Alternative im Kampf gegen die Pappbecherflut.

Noch gehen im Lieblingskaffee zahlreiche Pappbecher für den Kaffee unterwegs über den Tresen – dem Empfinden von Inhaberin Christina Woltering zufolge deutlich zu viele, „die dann nach zwei Minuten in den Müll geschmissen werden”, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir suchten wegen des Nachhaltigkeitsgedankens seit längerer Zeit eine Alternative zum Pappbecher.” Einwegbecher sollen im Lieblingskaffee bald der Vergangenheit angehören. „Noch gibt es bei uns Pappbecher, aber davon wollen wir ganz weg”, versichert sie. „Wir wollen es zumindest probieren.”

Pfand- statt Einwegbecher

Seit Freitag können ihre Kunden ihren Kaffee im sogenannten Recup erhalten. Dabei handelt es sich um leichte Kunststoffbecher eines Münchener Unternehmens. „Die Gastronomen leihen die Becher für einen Euro und zahlen einen kleinen Mitgliedsbeitrag”, erklärt sie das System. Der Kunde wiederum bestellt seinen Kaffee oder Tee und bekommt ihn gegen einen Euro Pfand in dem Kunststoffbecher. Recup bietet ihn verschiedenen Größen an. Mehrwegdeckel mit Trinköffnung können für 1,30 Euro gekauft werden – sie passen auf alle Bechergrößen.


Den Becher kann der Kunde später bei jedem teilnehmenden Partner von Recup zurückgeben, den einen Euro Pfand gibt es dann zurück. In Osnabrück ist das neben dem Lieblingskaffee derzeit nur die Paracelsus-Klinik am Natruper Holz, im benachbarten Mettingen in NRW noch das Kuchenlädchen.

Im Lieblingskaffee gibt es die Recup-Becher in den Größen 0,2 und 0,3 Liter. Der Pfand beträgt je einen Euro. Die Kunststoffdeckel können hingegen zum Preis von 1,30 Euro gekauft werden. Foto: Jörg Sanders

Warum Kunststoff?

Die Becher aus Kunststoff haben Woltering zufolge viele Vorteile – auch gegenüber Alternativen aus Bambus und/Maisstärke. 500 Spülgänge würden die Becher aushalten – dem Hersteller zufolge mindestens 500. Sie sind geschmacksneutral und hitzebeständig. „Bei Bambusbechern ist ein Silikonring nötig”, argumentiert Woltering.
Recup zufolge sind die Becher zu hundert Prozent recyclebar, bruchsicher, leicht, stapelbar, lebensmittelecht und geschmacksneutral. Sie enthielten kein BPA und andere Schadstoffe.

Wolterings Initiative zur Müllvermeidung ist also zugleich eine Form der Kundenbindung. Sie hoffe aber auf zahlreiche weitere Teilnehmer in Osnabrück. „Es wäre wünschenswert, wenn noch viele weitere mitmachen. Das System funktioniert umso besser, je mehr dabei sind.” Zum Start hatte sie rund 200 Becher bestellt. Die ersten Reaktionen seien positiv. „Er kommt gut an bei den Gästen.” Sollten sich einige Gastronomen in Osnabrück Woltering und der Paracelsus-Klinik anschließen, sind spezielle Becher für Osnabrück denkbar. Einige Regionen und Städte wie München, Oldenburg und Sylt haben sie mit eigenem Design.

Lieblingskaffee-Chefin Christina Woltering mit einem Recup-Pfandbecher. Foto: Jörg Sanders

Eine Garantie, dass die Kunden die Becher auch tatsächlich mehrfach nutzen – bis zu 500 Spülgänge sollen die spülmaschinenfesten Becher Recup zufolge aushalten – hat Woltering selbstredend nicht. „Aber wir hoffen natürlich, dass wir die Becher auch wiederbekommen.” Einige werden sicherlich in den Küchen der Kunden verbleiben, mutmaßt sie. „Aber in anderen Städten funktioniert es gut.” Die Kunden bekämen ihren Kaffee aber auch weiterhin im selbst mitgebrachten Becher.

Bundesweite Übersicht über die Teilnehmer

Eine Karte mit allen Teilnehmern finden Sie auf https://app.recup.de/


Papplos: Coffee to go im selbst mitgebrachten Becher

Generell gibt es Bestrebungen, Einwegbecher aus Osnabrück zu verbannen. Der Rat der Stadt hatte im vergangenen Jahr beschlossen, Einwegbechern den Kampf anzusagen. Die Verwaltung solle gemeinsam mit dem Osnabrücker Servicebetrieb ein Pfandsystem für Mehrwegbecher entwickeln

Im Februar dieses Jahres hatten sich viele Gastronomen bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück über ein anderes Pfandsystem informiert. Die Firma Klaus Rudolph GmbH aus Westerkappeln bietet gemeinsam mit der Firma Logicycle den Logicup an. 50 Cent kostet der Pfandbecher, den es in zwei Größen gibt. Der Logicup soll etwa 100 Umläufe halten, bevor aus ihm ein neuer Becher wird.

Am Projekt Papplos der Uni Osnabrück beteiligen sich bereits zahlreiche Gastronomen. Bei ihnen erhalten Kunden ihren Kaffee im selbst mitgebrachten Becher – oftmals verbunden mit einem kleinen Rabatt.

Einwegbecher in Osnabrück. Archivfoto: Gert Westdörp

50.000 Mehrwegbecher in Hannover im Umlauf

In Hannover hat sich bereits ein solches Pfandsystem etabliert. Der Mehrwegbecher Hannoccino war der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” zufolge im vergangenen Jahr bereits in mehr als 90 Bäckerei erhältlich. Das Umweltdezernat der Stadt und der Abfallentsorger Aha hatten ihn gemeinsam entwickelt. In diesem Jahr erhielt der Becher dem Umweltpreis Green Tec Award in der Kategorie Lifestyle, berichtete die „Neue Presse” aus Hannover. 50.000 Hannoccino-Becher seien bereits im Umlauf.

Kostenlos frisches Wasser

Übrigens: Auch beim Wasser muss in Osnabrück niemand auf eine Einwegflasche zurückgreifen, sofern die eigene Trinkflasche in der Tasche ist. 22 Partner beteiligen sich in Osnabrück an der Aktion Refill. Sie füllen die mitgebrachte Wasserflasche kostenlos mit Trinkwasser auf.

Wer teilnehmen möchte...

Interessierte Geschäfte können sich über https://refill-deutschland.de/osnabrueck/ unter Angabe ihrer Adresse und Öffnungszeiten melden. Sie werden dann in die Übersichtskarte aufgenommen und bekommen ihren Aufkleber.
An diesem Aufkleber sind die Refill-Teilnehmer zu erkennen.



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN