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27.09.2018, 18:31 Uhr GERECHTIGKEIT FÜR PUTZFRAUEN

Tricksereien, die der Gesellschaft schaden

Von Rainer Lahmann-Lammert


Vor dem Arbeitsgericht Osnabrück geht es um die Klage einer Putzfrau gegen die Firma Piepenbrock. Foto: Gert WestdörpVor dem Arbeitsgericht Osnabrück geht es um die Klage einer Putzfrau gegen die Firma Piepenbrock. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Lohnfortzahlung bei Krankheit ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, aber manche Arbeitgeber finden Wege, sich davor zu drücken. Offensichtlich auch die Firma Piepenbrock, wie die Klage einer Reinigungskraft vor dem Osnabrücker Arbeitsgericht zeigt. Ein Kommentar dazu. Kommentar

Es ist nicht neu, dass Arbeitgeber manche Bestimmungen sehr kreativ interpretieren, um sich lästige Verpflichtungen vom Hals zu schaffen. Wenn eine Putzfrau einen Vertrag mit einer Wochenarbeitszeit von 15 Minuten unterschreiben soll, können auch die allerschönsten Worte nicht verschleiern, dass hier etwas schiefläuft. Ärgerlich ist, dass mit solchen Tricksereien gesellschaftlicher Schaden angerichtet wird.

In manchen Branchen mögen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer ja auf Augenhöhe gegenübertreten. Das gilt aber ganz sicher nicht für das Reinigungshandwerk, wo ein paar hundert Euro pro Monat für Menschen in prekären Verhältnissen zur Existenzfrage werden.

Dieses Milieu ist ein Nährboden für Populisten und Verschwörungstheoretiker, die aus der Not anderer ihr Süppchen kochen. Wer einer Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken will, muss sich deshalb auch dafür einsetzen, dass den Schwachen Gerechtigkeit widerfährt.


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