Schicksale Osnabrücker Jüdinnen "Mitschülerinnen schmierten Hakenkreuze auf ihr Pult"

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Gretel Falk alias Lea Levy, mit ihrem ebenfalls aus Osnabrück stammenden Ehemann Siegfried Levy in Palästina. Quelle: Stationen auf dem Weg nach AuschwitzGretel Falk alias Lea Levy, mit ihrem ebenfalls aus Osnabrück stammenden Ehemann Siegfried Levy in Palästina. Quelle: Stationen auf dem Weg nach Auschwitz

Osnabrück. "Charlotte, Frieda, Lori und Lea – auf den Spuren jüdischer Frauen durch die Stadt“, heißt eine Führung, die an diesem Sonntag in Osnabrück stattfindet. Eine der vier Frauen hieß früher Gretel Falk. Sie überlebte den Nationalsozialismus – ließ aber ihren Wohlstand und ihren Namen in Deutschland.

"Charlotte, Frieda, Lori und Lea" sind die Namen der Frauen, um die sich die Führung an diesem Sonntag dreht. Gemeint sind damit Frieda Höchster, eine Auschwitz-Überlebende, Charlotte Seligmann, die in Ravensbrück ermordet wurde, und Lori Gittelsohn, die Tochter des Osnabrücker Kantors, die emigrierte und überlebte. Und Lea? Hinter ihr verbirgt sich Gretel Falk, geboren 1914 in Osnabrück. 

"Gretel war eine sportliche junge Frau", sagt Martina Sellmeyer, die die Führung veranstaltet. "Mit neun Freunden startete sie im Juni 1934 mit dem Rad von Osnabrück, übernachtete in einer Scheune bei einem Bauern. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Bremen. Dort nahm die talentierte junge Sportlerin an der Maccabiade, einem Sportfest für jüdische Teilnehmer im Weserstadion, teil, gewann einen Preis und fuhr mit dem Rad zurück nach Osnabrück."

Tochter eines Alsberg-Besitzers

Gretel Falks Vater Gustav gehörte neben Max Katz und Ludwig Stern zu den Besitzern des Kaufhauses Alsberg & Co. in der Großen Straße von Osnabrück. Ihr frühes Leben war daher von Idylle und Wohlstand geprägt: "In den Ferien wurde gewandert. Jeden Sommer erkundete sie mit Freunden auf Wanderungen schöne Plätze in Deutschland – bis die Nationalsozialisten beschlossen, ihr diese Heimat und ihren Eltern die Existenzgrundlage zu nehmen."

Über die Zeit in Osnabrück vor der Machtübernahme der Nazis sagte sie einmal: "Der Antisemitismus in Osnabrück war sehr stark. Ich weiß nicht mehr, wie die Zeitung hieß - Völkischer Beobachter oder noch ein anderer Name. Die schrieb schon gegen die Juden und gegen die jüdischen Geschäfte. Wir hatten das größte Kaufhaus in Osnabrück. Und die Hetze gegen die Juden gab es schon vor der Machtergreifung von Hitler. " (Weiterlesen: Lea Levy im Gespräch: „Der Antisemitismus in Osnabrück war sehr stark“)

Flucht und Namensänderung

Das angesehene Kaufhaus musste 1935 verkauft werden, Mitschülerinnen schmierten Hakenkreuze auf ihr Pult: "Mit neunzehn Jahren war Gretel klar, dass es keine Zukunft für sie gab in Deutschland", sagt Sellmeyer. Sie entschloss sich zur Auswanderung nach Palästina und aus Gretel wurde Lea. Statt in einer Villa im Katharinenviertel lebte sie fortan in einer Baracke und half beim Aufbau eines Kibbuz, einer Art Landkommune von Siedlern, in Palästina. Gretel Falk alias Lea Levy verstarb mit über 90 Jahren in Israel.

Die zweistündige Führung von Martina Sellmeyer zu den jüdischen Frauen richtet sich ausschließlich an Frauen und startet am Sonntag, 30. September, um 11 Uhr. Um eine eine telefonische Anmeldung bei der Frauenberatungsstelle unter der Telefonnummer 0541/803405 wird gebeten – sie ist aber nicht obligatorisch. Treffpunkt ist an der Lotter Straße, Bushaltestelle Weissenburger Platz; die Kosten betragen 7 Euro. 


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