Waldspaziergänge nach Dürre gefährlich? Warum jetzt besonders viele Eicheln auf den Wegen liegen

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Dass es derzeit auf den Waldwegen so viele Eicheln gibt, wird Kinder erfreuen – ist aber im Grunde kein gutes Zeichen.Dass es derzeit auf den Waldwegen so viele Eicheln gibt, wird Kinder erfreuen – ist aber im Grunde kein gutes Zeichen.

Osnabrück. Der Sturm Friederike und der extrem trockene Sommer haben ihre Spuren in den Wäldern hinterlassen. Das zeigt sich nicht nur an einer Borkenkäfer-Invasion, sondern auch an besonders vielen Eicheln auf den Waldböden und Zapfen an den Fichten.

Der Wald hat kein einfaches Jahr hinter sich: Im Januar fegte der Sturm "Friederike" über die Region, im Sommer machte ihm die anhaltende Trockenheit zu schaffen. Bereits früh im Jahr verfärbten sich die Blätter herbstlich gelb, und eigentlich würde es logisch erscheinen, dass die Bäume all ihre Reserven auf ihren Fortbestand, auf ihr eigenes Überleben konzentrieren. Doch Bäume sind keine logischen Wesen, dafür offenbar selbstlose: Denn die Eichen haben in diesem Jahr besonders viele Eicheln geworfen, an den Fichten hängen besonders viele Zapfen – ein Phänomen, das sich "Notfruktuation" nennt. "Die Bäume merken, dass sie mit der Wasserversorgung nicht klar kommen und setzen all ihre Energien in künftige Generationen", erläutert Uwe Wessel, Büroleiter des Forstamts Weser-Ems. 

Trockenheitsschäden zeigen sich erst in den nächsten Jahren

Eine besondere Gefahr durch morsche Äste, die herunterzufallen drohen, gehe derzeit hingegen nicht von Wäldern aus. Die Sturmschäden nach Friederike seien weitestgehend aufgearbeitet, und auch durch die Trockenheit hätten die Bäume nicht schon so großen Schaden genommen, dass man Wälder meiden sollte: "Das geht nicht von heute auf morgen", sagt Wessel. 

Heruntergefallene Äste wie hier im Griesling in Osnabrück-Hellern stellen in diesem Jahr eher die Ausnahme als die Regel dar – mit Folgeschäden durch die Dürre sei laut Experten erst in den kommenden Jahren zu rechnen. Foto: Thomas Achenbach

Das bestätigt auch Thomas Maag, der beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) unter anderem für die Grünunterhaltung zuständig ist: "Trockenheitsschäden bilden sich erst später, die Folgeerscheinungen des trockenen Sommers werden sich erst in den nächsten Jahren zeigen." 

Jährlich kontrolliert der OSB den städtischen Waldbestand, allzu viel Totholz sei bislang nicht aufgefallen, wobei es Einzelfälle von morschen Ästen, die urplötzlich herunterfallen, wohl immer geben werde. Ein Blick nach oben könne daher nicht schaden: "Waldtypische Gefahren dürfen sein", sagt Maag. Und auch Uwe Wessel betont, wie wichtig Totholz für Pflanzen und Tiere sei. 

Dennoch haben Grundstückseigentümer, durch deren Wälder Wege führen, eine Verkehrssicherungspflicht. Sollten Spaziergänger verdächtig herabhängende Äste auffallen und sie befürchten, dass von diesen eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehe, können sie sich im Zweifel an das Amt für Bürger und Ordnung wenden oder einen Eintrag im digitalen städtischen Meldeportal EMSOS machen.     

Weiterlesen: Wissenschaftler fordern nach Dürre-Sommer Wald-Wandel


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN