Einstimmiger Ratsbeschluss Rheiner Landstraße in Osnabrück wird Dauerbaustelle

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Baustelle für zweieinhalb Jahre: An der Rheiner Landstraße sollen die Arbeiten im Sommer 2019 beginnen. Die Vollsperrung dürfte die Westfalen-Tankstelle in Schwierigkeiten bringen. Foto: Gert WestdörpBaustelle für zweieinhalb Jahre: An der Rheiner Landstraße sollen die Arbeiten im Sommer 2019 beginnen. Die Vollsperrung dürfte die Westfalen-Tankstelle in Schwierigkeiten bringen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Im Sommer 2019 soll es losgehen: Der Rat hat am Dienstag einstimmig den Ausbau der Rheiner Landstraße beschlossen. Kalkuliert werden zweieinhalb Jahre Bauzeit, überwiegend mit Vollsperrung. Mit Prämienzahlungen an die Baufirmen will die Stadt erreichen, dass die Bauzeit verkürzt wird.

Der Ausbau der Kanalisation unter der Rheiner Landstraße ist Bedingung dafür, dass am Finkenhügel ein neues Wohngebiet entstehen kann. Weil alle Ratsfraktionen den Wohnungsbau als wichtiges stadtpolitisches Ziel ansehen, ist die Rheiner Landstraße auf der Prioritätenliste der Planer ganz nach oben gerückt. Dabei soll auch der untere Abschnitt der Richard-Wagner-Straße saniert werden. Unbehagen bereitet den Politikern allerdings die lange Bauzeit.

Warum dauert es so lange? Die Tiefbauer verweisen auf die zahlreichen Hausanschlüsse, die nacheinander abgearbeitet werden müssen. Ähnlich langwierig gestalten sich die Abläufe zurzeit in der Knollstraße, die Anwohner der Meller Straße und der Parkstraße haben ebenfalls viel Geduld aufbringen müssen.

Warum eine Vollsperrung? Die Kanäle liegen unter der Fahrbahn, die Seitenstreifen sind wegen der Bäume nicht befahrbar. Und deren Rodung steht nicht zur Diskussion.

Gibt es keine Alternativen? Schon vor einem Jahr wurde geprüft, ob die Kanäle nicht in einem Tunnel verlegt werden könnten wie 2005 in der Lotter Straße. Ergebnis: Wegen des höheren Grundwasserspiegels zu aufwendig und zu teuer.

Diskussionen hatte es in den vergangenen Wochen auch gegeben, weil das neue Straßenprofil auf dem 750 Meter langen Abschnitt zwischen Rückertstraße und Mozartstraße keine beidseitigen Radwege zulässt, ohne dass Bäume verschwinden würden. Deshalb soll es stadteinwärts nur einen Schutzstreifen für Radler geben, der von Autos überfahren werden darf. Ein Problem, das sich noch verschärfen könnte, ist außerdem der Parkdruck. Nach Auskunft der Verkehrsplaner werden künftig drei „legale“ Parkplätze wegfallen. An vielen Stellen werden Autos allerdings auch schon jetzt auf Flächen abgestellt, die für Fußgänger reserviert sind.

In der Ratssitzung wurde deutlich, dass Planer und Politiker bis zuletzt nach Lösungen gesucht hatten, die Nebenwirkungen für den Ausbau der Rheiner Landstraße so gut es geht zu begrenzen. Stadtbaurat Frank Otte kündigte zu Beginn der Debatte an, die Verwaltung werde „zeitnah Beschleunigungsmaßnahmen vorschlagen“.

Einzelheiten nannte er dabei nicht. Einzelne Politiker brachten Bonuszahlungen an Baufirmen ins Spiel, die ihre Aufträge in kürzerer Zeit zu Ende bringen. Auch von verlängerten Arbeitszeiten und Nachtarbeit war die Rede. Volker Bajus (Die Grünen) gab zu bedenken, das könne Konflikte mit den Anwohnern heraufbeschwören. Er begrüßte zugleich, dass sich der ganze Rat hinter das Bauvorhaben stelle und gab die Devise aus: „Wir vertrauen in die Verwaltung“.

CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde ging auf die Bedeutung der Rheiner Landstraße als Zubringer für das Klinikum Osnabrück ein. Die Stadt müsse nicht nur auf die Baukosten schauen, sondern auf alle Kosten, die im Zusammenhang mit der Baustelle anfielen. Deshalb sei es sinnvoll, den Unternehmen finanzielle Anreize für beschleunigtes Arbeiten in Aussicht zu stellen.

Für eine flexible Handhabung, „wie der Baufortschritt das verlangt“, sprach sich der SPD-Politiker Heiko Panzer aus. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Thiele erklärte, auf keinen Fall dürfe es dazu kommen, dass auf der Baustelle nur mit kleiner oder gar keiner Besetzung gearbeitet werde. Die Rheiner Landstraße sei eine „Hauptschlagader“, eine Vollsperrung werde zu Verwerfungen führen – auch für die Anlieger der Nachbarstraßen. Und die Tankstelle werde ein „Riesenproblem“ bekommen. Möglicherweise werde sie zeitweise schließen müssen.

Gemeint ist die Westfalen-Tankstelle an der Ecke Lindemannskamp. Wir haben beim Pächter Volker Wille und bei der Westfalen AG in Münster nachgefragt, ob das zutrifft. Beide Seiten wollten sich nicht äußern. Unternehmenssprecher Stefan Jung teilte mit, man warte noch auf den Ablaufplan der Stadt für die Langzeitbaustelle.


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