Charity-Meile und Regionalladen Osnabrücker Innenstadt am 7. Oktober mit verkaufsoffenem Sonntag

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Auf eine ähnliche Resonanz wie beim verkaufsoffenen Sonntag im März dieses Jahres hofft die OMT am 7. Oktober. Foto: Michael GründelAuf eine ähnliche Resonanz wie beim verkaufsoffenen Sonntag im März dieses Jahres hofft die OMT am 7. Oktober. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Am 7. Oktober öffnen die Geschäfte in der Osnabrücker Innenstadt zum letzten Mal in diesem Jahr an einem Sonntag. Parallel findet zwischen Neumarkt und Theater unter dem Motto "Osnabrück tut Gutes" eine Charity-Meile statt.

Dass beide Veranstaltungen miteinander verknüpft sind, ist kein Zufall: Nach Klagen der Dienstleistungsgesellschaft Verdi gegen verkaufsoffene Sonntage und einer verschärften Rechtssprechung dürfen Ladenöffnungen an Sonntagen prinzipiell nur als Beiprogramm einer größeren Veranstaltung laufen. In Osnabrück sind dies in diesem Jahr der Hollandmarkt im März und die Maiwoche gewesen. Der dritte verkaufsoffene Sonntag von 13 bis 18 Uhr wird von der Osnabrück Marketing und Tourismus (OMT) nunmehr an die Charity-Meile gekoppelt.

Charity-Meile nach 2017 zum zweiten Mal organisiert

"Das ist in gewisser Weise eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten", erklärte OMT-Chefin Petra Rosenbach bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Osnabrück sei glücklicherweise ein Ort, an dem es viele karitative Organisationen gebe. Deren Wirken lasse sich nun nach 2017 zum zweiten Mal in einer Meile bündeln, die gleichzeitig als sogenannte Anlassveranstaltung für den verkaufsoffenen Sonntag diene.

Programm am 7.Oktober in der Osnabrücker Innenstadt

  • Einzelhandel öffnet zwischen 13 und 18 Uhr
  • Street-Food-Festival vor dem Rathaus von Freitag bis Samstag zwischen 12 und 20 Uhr
  • Charity-Meile zwischen Neumarkt und Theater
  • Bühnenprogramm vor dem Theater
  • Pop-Up-Regionalladen in der Theaterpassage

Zwischen Neumarkt und Theater präsentieren sich somit am 7. Oktober an 29 Ständen zahlreiche Organisationen und Einrichtungen, die in Osnabrück aktiv sind. Vor dem Theater gibt es ein Bühnenprogramm. Die OMT kooperiert dabei mit dem Zoo Osnabrück und den Berufsbildenden Schulen am Pottgraben. Auszubildende aus dem Einzelhandel wollen sich mit verschiedenen Aktionen für den Zoo und das Spendenprojekt "Löwen für Löwen" einsetzen. Ein Kinderprogramm und der Street-Food-Markt vor dem Historischen Rathaus runden das Angebot ab.

Petra Rosenbach und Stephan Gerecht von der Osnabrück-Marketing und Tourismus (OMT) haben am Mittwoch das Programm für den verkaufsoffenen Sonntag und die Charity-Meile am 7. Oktober vorgestellt. Foto: David Ebener

Der durch Leerstand gekennzeichneten Theaterpassage wird während des verkaufsoffenen Sonntags zumindest zeitweise Leben eingehaucht: Das städtische Projektbüro "Wirtschaftsförderung 4.0" will vier Ladenlokale für einen Tag in einen temporären Regionalladen verwandeln. Anbieter aus Osnabrück und Umgebung können sich und ihre Produkte hier präsentieren. Könnte das nicht eine Lösung für die brachliegende Immobilie sein? Rosenbach ist skeptisch: "Die Situation in der Theaterpassage ist für uns und die Geschäftsleute in der Krahnstraße natürlich unbefriedigend." Solange der Eigentümer keine konkreten Pläne habe, seien der Stadt jedoch die Hände gebunden.

Während des verkaufsoffenen Sonntags in der Osnabrücker Innenstadt am 7. Oktober soll in der Theaterpassage ein Pop-Up-Regionalladen für einen Tag den Leerstand beenden. Foto: David Ebener

Hoffnung legt die OMT-Chefin auf eine mögliche Novellierung des Niedersächsischen Gesetzes über die Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten (NLöffVZG). "Eine flexiblere Gestaltung würde uns bei verkaufsoffenen Sonntagen etwas mehr Beinfreiheit verschaffen." Sprich: Die OMT müsste keine Anlassveranstaltung organisieren. Mit einer Gesetzesänderung sei jedoch frühestens im Jahr 2020 zu rechnen. Rosenbach betonte, die Charity-Meile auch dann fortführen zu wollen, wenn die Regelungen im Ladensöffnungszeiten-Gesetz flexibilisiert würden. "Die Meile hat sich schon im zweiten Jahr so etabliert und eine regelrechte Eigendynamik entwickelt, dass Fortsetzungen auf jeden Fall geplant sind", bestätigte Stephan Gerecht, bei der OMT zuständig für Veranstaltungen.

So sieht die Gesetzeslage in Niedersachsen aus

§ 4 des Niedersächsischen Gesetzes über Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten (NLöffVZG)
Sonn- und Feiertagsregelung
An Sonntagen und staatlich anerkannten Feiertagen dürfen geöffnet werden 
1. in der Zeit von 0 bis 24 Uhr
a) Apotheken, 
b) Tankstellen für den Verkauf von Betriebsstoffen, Ersatzteilen für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Fahrbereitschaft und Waren des täglichen Kleinbedarfs, 
c) Verkaufsstellen auf Bahnhöfen für den Personenverkehr, auf Flughäfen und in Fährhäfen für den Verkauf von Waren des täglichen Kleinbedarfs sowie von Bekleidungsartikeln und Schmuck, 
d) andere Verkaufsstellen für den Verkauf von Waren zum sofortigen Verzehr zwecks Deckung örtlich auftretender Bedürfnisse, 
2. andere als die in Nummer 1 genannten Verkaufsstellen in der Zeit vom 15. Dezember bis 31. Oktober, mit Ausnahme des Karfreitags und des ersten Weihnachtsfeiertags, für die Dauer von täglich acht Stunden für den Verkauf von Waren des täglichen Kleinbedarfs, Bekleidungsartikel und Schmuck, von Devotionalien sowie von Waren, die für den Ort kennzeichnend sind, sofern sich diese Verkaufsstellen befinden in 
a) Kur- und Erholungsorten, 
b) den Wallfahrtsorten Bethen (Stadt Cloppenburg), Germershausen (Rollshausen, Landkreis Göttingen), Ottbergen (Schellerten, Landkreis Hildesheim), Rulle (Wallenhorst, Landkreis Osnabrück), Ortsteil Wietmarschen (Wietmarschen, Landkreis Grafschaft Bentheim), Höherberg (Wollbrandshausen, Landkreis Göttingen)
3. für die Dauer von täglich drei Stunden, die außerhalb der ortsüblichen Gottesdienstzeiten liegen sollten, 
a) Verkaufsstellen, die nach ihrer Größe und ihrem Sortiment auf den Verkauf von täglichen Kleinbedarf (§ 2 Abs. 2) ausgerichtet sind, 
b) Hofläden, 
4. Verkaufsstellen, die nach ihrem Sortiment auf den Verkauf von Blumen und Pflanzen ausgerichtet sind, sofern sie sich auf den Verkauf von Blumen und Pflanzen in kleinen Mengen beschränken, 
a) für die Dauer von täglich drei Stunden, die außerhalb der ortsüblichen Gottesdienstzeiten liegen sollten, 
b) in anerkannten Ausflugsorten (Satz 2) und in Kur-, Erholungs- und Wallfahrtsorten (Nummer 2) für die Dauer von täglich acht Stunden in der Zeit vom 15. Dezember bis 31. Oktober, mit Ausnahme des Karfreitags und des ersten Weihnachtsfeiertags. 
Anlassbezug für verkaufsoffene Sonntage
Den Anlassbezug für verkaufsoffene Sonntage haben Richter gedeutet. So hat das Verwaltungsgericht Hannover im Jahr 2015 einer Klage von Verdi gegen die verkaufsoffenen Sonntage in der Innenstadt Hannovers am 8. November und am 27. Dezember stattgegeben und damit die bestehende Praxis verkaufsoffener Sonntage, die sowohl der City als auch den Stadtteilen eine Profilierung ermöglichte, gekippt. Das VG Hannover hat am 15. Oktober 2015 (Urteil: II A2676/15) geurteilt, dass künftig in Hannover bei der Genehmigung verkaufsoffener Sonntage zu berücksichtigen sind:
  • Freigabe von maximal vier Sonn- und Feiertagsöffnungen pro Jahr für das gesamte Gemeindegebiet und  
  • Sonntagsöffnung muss mit größeren Veranstaltungen wie Messen, Märkten oder Volksfesten verbunden sein (fehlende Anlassbezogenheit widerspreche dem Sonn- und Feiertagsgebot).  

Dass sich Rosenbach eine Entkopplung der verkaufsoffenen Sonntage von den Anlassveranstaltungen wünscht, hat noch einen weiteren Grund. Zwischen beiden Veranstaltungen muss eine räumliche Nähe bestehen. Da auch aufgrund der Baustelle am Entree der Johannisstraße die Charity-Meile auf der anderen Seite des Neumarkts endet, bleiben die Geschäfte in der südlichen Innenstadt geschlossen. Abseits der Großen Straße dürfen die Geschäfte beispielsweise in der Dielingerstraße, der Redlingerstraße oder der Hasestraße jedoch öffnen. Sie gelten als Zuwegungen zur Anlassveranstaltung.

"Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr halten wir für verträglich. Sie sind außerdem wichtig für die Händler und geben der Innenstadt ein lebendiges Image", sagte Rosenbach. Daher hoffe sie auf eine Lockerung der Gesetzgebung.


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