Abordnungen gleichen Defizit aus Knapp 30 Schulen im Raum Osnabrück haben laut Prognose Lehrermangel

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Knapp 30 Schulen im Landkreis Osnabrück hätten die erforderlichen Unterrichtsstunden mit den ihr zur Verfügung stehenden Lehrkräften laut einer Prognose nicht vollständig abdecken können. Symbolfoto: Caroline Seidel/dpaKnapp 30 Schulen im Landkreis Osnabrück hätten die erforderlichen Unterrichtsstunden mit den ihr zur Verfügung stehenden Lehrkräften laut einer Prognose nicht vollständig abdecken können. Symbolfoto: Caroline Seidel/dpa

Osnabrück. Knapp 30 Schulen im Landkreis Osnabrück sind laut einer Prognose zum Anfang des Schuljahres 2018/19 nicht ausreichend mit Lehrern versorgt gewesen. Das geht aus der Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der FDP hervor. Die Landesschulbehörde will das inzwischen ausgeglichen haben.

Die FDP hatte beim Land Niedersachsen die aktuelle Situation der Unterrichtsversorgung an allen niedersächsischen Schulen erfragt. Das Ergebnis: 1276 der rund 3000 Schulen im Land kamen nicht auf 100 Prozent Lehrerversorgung, darunter etwa 30 aus dem Landkreis Osnabrück. „Die prognostizierte Unterrichtsversorgung an den niedersächsischen Schulen zum 1. August 2018 liegt mit 98,6 Prozent nur geringfügig über dem katastrophalen Vorjahreswert von 97,8 Prozent“, zitiert die HAZ den FDP-Bildungsexperte Björn Försterling nach der Auswertung der Antwort. Die tatsächliche Erhebung der Unterrichtsversorgung für das Schuljahr 2018/2019 fand zum Stichtag 23.08.2018 statt. Die Daten werden zurzeit von der Landesschulbehörde und im Kultusministerium geprüft. 

Mehr Krankheitsfälle durch hohe Belastung

Laut Försterling sei dies keine nennenswerte Verbesserung. „Die Landesregierung hat ihre vollmundigen Versprechen nicht einhalten können“, betonte er. Die immer noch hohe Zahl der unbesetzten Stellen geht laut der Lehrergewerkschaft GEW zulasten des vorhandenen Personals. „Durch die hohe Belastung und die vielen Überstunden steigt auch die Zahl der Krankheitsfälle. Die Landesregierung muss also allein schon für Entlastung sorgen, um den Krankenstand und die Zahl der Frühpensionierungen zu senken”, sagte die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Laura Pooth, im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Die Zahlen untermauern diese These: Landesweit beliefen sich die Fehlstunden, zu denen auch Krankheitsfälle, Bildungsurlaube, Fortbildungen und die Teilnahme an Klassenfahrten eingerechnet werden müssten, auf mehr 100.000 pro Woche. 

Besonders auffällig ist die prognostizierte Unterversorgung im Landkreis Osnabrück neben den Grund-, Haupt- und Oberschulen auch an den Förderschulen. Gymnasien und Realschulen sind weniger betroffen. 

Zur Sache

So wird das Lehrerwochenstunden-Soll ermittelt
In einem Papier zur Unterrichtsversorgung beschreibt das Kultusministerium Niedersachsen, wie es die erforderlichen Unterrichtsstunden pro Schule berechnet. Grundlage dafür sind die Wochenstunden, die ein Lehrer leisten muss. Diese liegen in Niedersachsen zwischen 23,5 und 28 – je nach Schulform. An Grundschulen sind beispielsweise 28 und an Gymnasien 23,5 Stunden Pflicht.
Die Bedarfsrechnung für die Unterrichtsversorgung umfasst neben dem Pflichtunterricht auch Stunden für Zusatzbedarfe (z.B. für die Ganztagsangebote oder Sprachförderung). Hinzu kommen – außer an Grundschulen – sogenannte Poolstunden, mit denen die Schulen eigene Schwerpunkte setzen können.
Dem Lehrerwochenstunden-Soll steht das Stunden-Ist gegenüber. Das ist jene Anzahl an Stunden, die eine Schule mit dem ihr zur Verfügung stehenden personal anbieten kann. 

Das Kultusministerium weist darauf hin, dass die Poolstunden, mit denen die Schulen eigene Schwerpunkte setzen können, bei den weiterführenden Schulen etwa vier Prozent des Lehrerwochenstunden-Solls einnehmen. Im Hinblick auf die unterversorgten Schulen im Landkreis Osnabrück ergibt sich daraus, dass an fast allen weiterführenden Schulen die Pflichtstunden inklusive der Zusatzbedarfe (z.B. Ganztag/inklusive Schule) erfüllt sind. Problem bleiben jedoch weiterhin die Grundschulen. Im Gespräch mit unserer Redaktion versicherte Bianca Schöneich, Sprecherin der Landesschulbehörde jedoch, dass anhand dieser Prognose die erforderlichen Schritte eingeleitet wurden. Lehrer seien inzwischen so abgeordnet, dass die Grundschulen zu 100 Prozent versorgt sind.

Diese Schulen im Landkreis Osnabrück waren laut der Prognose unterversorgt:

  • Hauptschule Dissen: Soll: 373. Ist: 345. 92, 4 Prozent.
  • Hauptschule Bad Iburg: Soll 36,5. Ist: 30. 82,2 Prozent.
  • Grundschule Wellingholzhausen: Soll: 277,2. Ist: 267,5. 96,5 Prozent.
  • Oberschule Melle-Neuenkirchen: Soll: 822,7. Ist: 797,5. 96,9 Prozent.
  • Oberschule Hilter: Soll 501,8. Ist: 478. 95,2 Prozent.
  • Grundschule Wellendorf: Soll 142. Ist: 137. 96,8 Prozent.
  • Oberschule Hagen a.T.W.: Soll: 810,3. Ist: 786. 97 Prozent. 
  • Oberschule Hasbergen: Soll: 749. Ist: 732. 97,7 Prozent.
  • Oberschule Bissendorf: Soll: 839,6. Ist: 815,5. 97 Prozent.
  • Förderschule geistige Entwicklung Montessori Osnabrück: Soll: 1410. Ist: 1345,5. 95, 4 Prozent.
  • Gymnasium Carolinum Osnabrück: Soll: 1373,4. Ist: 1328,5. 96,7 Prozent.
  • Grundschule Heiligenweg Osnabrück: Soll: 487,7. Ist. 477,5. 97,8 Prozent.
  • IGS Osnabrück: Soll: 2018,2. Ist: 1936,7. 96 Prozent.
  • Förderschule Lernen Astrid Lindgren Bohmte: Soll: 606,8. Ist: 506,5. 82,1 Prozent. 
  • Realschule Bramsche: Soll: 600. ist: 576. 96,1 Prozent.
  • Oberschule Bersenbrück: Soll: 1049,4. Ist 981,2. 93,2 Prozent.
  • IGS Fürstenau: Soll: 2066,6. Ist 2020. 98,3 Prozent.
  • Grundschule am Langen Esch Quakenbrück: Soll: 484. Ist: 475. 98,1 Prozent.
  • Grundschule Neustadt Quakenbrück: Soll: 469, 6. Ist: 461. 98,2 Prozent.
  • Grundschule Hengelage: Soll: 240,3. Ist: 223,5. 93,1 Prozent.
  • Oberschule Artland: 1537,7. Ist: 1357,5. 88,3 Prozent
  • Gymnasium Artland: Soll: 1159,7. Ist: 1139,5. 98,2 Prozent.

Einige weitere Schulen lagen bei um die 99 Prozent Unterrichtsversorgung. Diese hat unsere Redaktion nicht mit aufgenommen. In einer Karte fasste die FDP die Daten zusammen:

Wie geht das Land Niedersachsen gegen Lehrermangel vor?

Sofern der Unterricht nicht mehr durch das schuleigene Vertretungskonzept gewährleistet werden kann, müssen die Schulen einen Antrag auf zusätzliches Personal bei der Landesschulbehörde stellen. 

Um Lehrermangel vorzubeugen, will das Kultusministerium unter anderem den Quereinstieg in den Schuldienst weiter erleichtern. Außerdem sollen Gymnasien und Gesamtschulen, die Lehrer an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen abordnen oder versetzen, neue Einstellungsmöglichkeiten gewinnen.


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