Gegen tödliche Unfälle Abbiegeassistenten für Lkw und Busse der Stadt Osnabrück?

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Die Stadt setzt bei der Neubeschaffungen von Fahrzeugen auf die Hersteller und serienmäßige Assistenzsysteme. Archivfoto: David EbenerDie Stadt setzt bei der Neubeschaffungen von Fahrzeugen auf die Hersteller und serienmäßige Assistenzsysteme. Archivfoto: David Ebener

Osnabrück. Rechtsabbiegeassistenten in Lkw können tödliche Unfälle mit Fußgängern und insbesondere Radfahrern verhindern. Einige Osnabrücker Speditionen setzen bereits auf sie. Und die Stadt? Wie steht sie zu den Helfern? Die Grünen fragten, die Verwaltung antwortete.

Die Grünen-Fraktion im Rat der Stadt hatte eine entsprechende Anfrage gestellt und wollte wissen, inwieweit die Stadt Rechtsabbiegeassistenten für sinnvoll hält und ob Fahrzeuge nachgerüstet werden könnten. Die Stadtwerke haben 98 Busse und 43 Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen im Einsatz. Der Osnabrücker Service-Betrieb (OSB) verfügt über 57 Fahrzeugen über 3,5 Tonnen – Müllwagen, Containerfahrzeuge, Kehrmaschinen, Unimogs et cetera. Weitere Fahrzeuge hat der Eigenbetrieb Immobilien sowie die Feuerwehren.

Generelles Ja, aber...

Die Verwaltung hält solche Assistenten für sinnvoll, um Unfälle zu vermeiden, aber technisch für die Bedürfnisse der städtischen Fahrzeuge noch nicht ausgereift. Radfahrer und Fußgänger würden nicht erkannt, Laternen und Mülltonnen hingegen als Objekt identifiziert, schreibt sie in ihrer Antwort an den Rat der Stadt.

Die Stadtwerke hatten einen Fahrschulbus mit einem Abbiegeassistenten nachgerüstet. Dieser warnte bei Betätigen des Blinkers akustisch vor Hindernissen. Das Ergebnis: Er warnte auch vor Mülleimern und anderen Objekten in einem Abstand von bis zu 1,20 Metern. „Dieses Nachrüstsystem ist deshalb nicht empfehlenswert”, schreibt die Verwaltung. Ohnehin hätten Busfahrer durch die Glasscheiben und verglaste Tür ein weitaus größeres Sichtfeld auf die Seite als Lkw-Fahrer.

System in Müllwagen warnte vor Mülleimern

Die Lkw der Müllabfuhr hatte der OSB der Verwaltung zufolge mit Rückfahrkameras nachgerüstet. Einen Abbiegeassistenten mit akustischer und visueller Warnung hatte der OSB vor zwei Jahren nachträglich in einem Müllwagen verbaut. Auch dieses System habe vor Mülleimern gewarnt – keine gute Voraussetzung bei einem Müllfahrzeug. Kamerasysteme seien da praktikabler.

Der OSB will nun drei weitere Assistenzsystem unterschiedlicher Anbieter in seinen Fahrzeugen testen – zwei Rechtsabbiegesysteme und ein Rückfahrassistenzsystem. Bei der Anschaffung neuer Müllwagen sollen Rechtsabbiegeassistenten Bestandteil der Ausschreibung sein.

Das System Bike Flash erachtet die Verwaltung als unzureichend.


Bike Flash

Das an Kreuzungen fest installierte System warnt Lkw-Fahrer mittels Wärmesensorik vor Radfahrern. Vandalismus, technische Verlässlichkeit, ein zusätzlich zu beachtendes Signal an der Kreuzung – all das seien Gründe gegen Bike Flash, schreibt die Verwaltung in ihrer Einschätzung an den Rat. Zudem sei ein flächendeckender Einsatz zu kostspielig. Das System soll 15.000 bis 20.000 Euro kosten – pro Stück. Dennoch will die Stadt Bike Flash an zwei stark frequentierten Grundstückszufahrten ohne Ampel entlang des Radschnellwegs Osnabrück-Belm testen.

Stadt setzt auf serienmäßige Produkte der Hersteller

Schlussendlich setzt die Verwaltung auf die Hersteller und die Serienproduktion von Abbiegeassistenten. Bei Lkw ist Mercedes bislang der einzige Anbieter, der ab Werk ein solches System anbietet – optional. „Gerade bei Neubeschaffungen im Nutzfahrzeugbereich wird die Verwaltung auf serienmäßige Abbiegeassistenzsysteme setzen. Die Entwicklungen im Busbereich werden von den SWO weiter beobachtet.”


In den vergangenen Jahren waren mehrere Radfahrer in Osnabrück unter abbiegenden Lkw gestorben, mehrere entlang des Wallrings. Neue Schilder an den Zufahrtsstraßen zum Ring sollen Lkw bald den Weg vorgeben, um Abbiegeunfälle zu verhindern.

Der Rat tagt am Dienstag ab 17 Uhr. Wir berichten live.


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