Projekt „Tangency“ in Osnabrück Neumarkt wird zum Arbeitsplatz von Performancekünstlern

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Osnabrück „Tangency – Stadtverortungen“ nennt sich das Performance-Projekt, bei dem der Neumarkt eine Woche lang zum Schauplatz künstlerischer Intervention wird.

Auf den Dächern der drei höchsten Häuser am Neumarkt stehen Gestalten in blauen Ponchos und gestikulieren. Es scheint, als schickten sie sich mithilfe von Signalen gegenseitig Mitteilungen. Unten auf dem Platz herrscht gleichzeitig emsiges Treiben. Doch wer bemerkt die Signalgeber auf den Dächern?

Tatsächlich bleiben Menschen stehen, beobachten, runzeln die Stirn. Sogar die Polizei wird aufmerksam und schickt eine Streife zum Hasehaus, weil befürchtet wird, ein Selbstmordkandidat könne sich dort vom Dach stürzen. Der Hausmeister kann die Beamten beruhigen: Die Dame auf dem Dach sei Teil einer Performance, bei der die Künstlerin Stella Geppert den Neumarkt künstlerisch vermisst.

„Tangency – Stadtverortungen“ heißt das Kunstprojekt, das bereits zum dritten Mal im öffentlichen Raum für Aufsehen sorgt. 2012 eigneten sich Künstler den Rosenplatz an, 2015 okkupierten Performance-Künstler auf ihre ganz spezielle Art die Hasestraße. In diesem Jahr luden Ideengeber Dirk Manzke und Projektleitern Elisabeth Lumme acht Künstler ein, die den Neumarkt zu ihrem Experimentierfeld machen.

Während die einen den Platz, der sich unaufhaltsam im Umbruch befindet, zum Atelier machen, indem sie sich von Passanten bei der Arbeit über die Schulter schauen lassen, nehmen andere ihn als Plattform für Kommunikation. So hat das bekannte Osnabrücker Künstlerpaar Jakob und Manila rosarote Brillen aufgesetzt. Gemäß der Redensart, die davon ausgeht, dass man die Welt unter bestimmten Bedingungen positiver wahrnimmt, als sie ist, animieren sie Passanten, es ihnen gleichzutun. Die Reaktionen auf den Blick durch die Brille dokumentieren sie, um sie später in einen Film umzuwandeln.

Rosa Wolke

So wird man darin zum Beispiel eine „voluminöse rosa Wolke“ sehen können, die eine Besucherin aus Wolfsburg in Osnabrück entdeckt hat. Viele Passanten stellen fest, dass das heruntergekommene alte Eckgebäude, welches demnächst einer Shopping Mall weichen soll, durch die rosarote Brille auch nicht schöner wird.

Aus Wien ist Elisabeth Windisch angereist, um aus Warnbaken und ihren Fußplatten ein temporäres Kunstwerk zu bauen, das einerseits eine Sperre zwischen Autoverkehr und Fußgängern bildet, andererseits die Ästhetik der rot-weißen Gestaltung konstruktiv als Bildmittel nutzt. Das Drahtgeflecht von Absperrgittern, die auf der Großbaustelle eingesetzt werden, dient Katerina Kuznetcowa und Alexander Edisherov als Rahmen für farbige Bänder, die sie einweben. So werden die Gitter zweckentfremdet und einer neuen Funktion zugeführt. „Mittlere Katastrophe“ nennt derweil Clemens Behr seine Intervention aus Baumaterialien und Möbelstücken, deren Einzelteile nach dem Ablauf der Projektzeit an Interessenten abgegeben werden sollen.

So wie alle „Tangency“-Teilnehmer ihre Performances speziell für die Osnabrücker Innenstadt konzipierten, war auch Diana Sirianni zuvor von Rom aus an die Hase gereist. Eine Fassade mit einem betagten Rolltor wählte sie als Standort für ihre künstlerische Verortung aus, machte dort von sich Fotos und Filmsequenzen. Diese verwandelte sie in eine Art Wandtapete, die sie in derselben Kleidung an der Fassade anbringt. Ein verwirrendes Spiel mit Zeit, Ort und Identität.

Am 28. September endet „Tangency 2018“auf dem Neumarkt, wird aber unter dem Titel „so urban!“ im Kunstraum Hase 29 eine Fortsetzung finden: Auf dem Platz entstandene Arbeiten oder deren Dokumentationen werden dort bis 17. November zu sehen sein.


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