Namensforscher War der erste „Kerl“ ein tüchtiger Mann?

Von Winfried Breidbach

Ein tüchtiger Mann - liegt hierin die Bedeutung des Nachnamens „Kerl“? Foto: imago/Frank MüllerEin tüchtiger Mann - liegt hierin die Bedeutung des Nachnamens „Kerl“? Foto: imago/Frank Müller

Osnabrück. Unser Leser Andre Kerl aus Belm interessiert sich für Herkunft und Bedeutung seines Familiennamens.

Etwas über 3000 Personen tragen den Nachnamen Kerl, der einerseits in Niedersachsen, andererseits in Bayern besonders verbreitet ist. Die beiden stärksten Nester von Kerl zeichnen sich in den benachbarten Landkreisen Göttingen und Northeim in Südniedersachsen ab, die drittstärkste Konzentration zeigt sich in einer ganz anderen Region im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Es gibt einige Namenvarianten, die alle recht selten sind: Kerll, Kerrl, Keerl und Kehrl. Mit etwa 550 Personen etwas häufiger ist die Namensform Kerle, die deutlich in der südlichen Hälfte Deutschlands konzentriert ist. Auch in den Nachbarländern Österreich, Tschechien und Polen ist der Name Kerl anzutreffen, ist dort aber jeweils relativ selten.

Der Familienname Kerl ist identisch mit dem Wort „Kerl“, dessen Bedeutung in heutigen Wörterbüchern als „männliche Person, Mann, Bursche“ angegeben wird. Sehr häufig wird das Wort in Verbindung mit Adjektiven verwendet, wobei gleichermaßen positive („guter, tüchtiger, anständiger Kerl“ wie auch negative („unverschämter, gemeiner, grober Kerl“) Eigenschaften angesprochen werden.

Das Wort Kerl geht zurück auf das mittelniederdeutsche Wort kerl, kêrl, kerle, kerel, kerrel „Mann; starker, kräftiger, tüchtiger Mann; Krieger, Anführer; Mann niederen Standes, Bauer“, auch in verächtlichem oder herabsetzendem Sinne „Kerl, Bursche“. In den nördlichen Mundarten des hochdeutschen Gebietes gab es ebenfalls das Wort kerl, kerle, das hier als Variante des mittelhochdeutschen Wortes karl, karle gilt. Die Bedeutungen des hochdeutschen Wortes stimmen weitgehend mit dem niederdeutschen überein (hinzu kommen noch „Ehemann, Geliebter; Gefolgsmann, Knecht, niederer Bediensteter; Landsknecht“), sodass kerl(e) und karl(e) wohl den gleichen Ursprung haben. Die etymologische Herkunft von kerl/karl ist bislang noch ungeklärt.

Jemand, der eine der in den alten Wortbedeutungen enthaltenen Eigenschaften aufwies, konnte den Beinamen „(der) Kerl“ erhalten, der sich dann zum Familiennamen verfestigte. Ältere Belege: 1298 „Iohannes Kerl“ (Rostock), 1349 „Joh. Kerl“ (Soest), 1356 „Hennekin Kerle“ (Worms), 1361 „Johan de Kerl“ (Rendsburg), 1389 „Claweze Keerle“ (Braunschweig), 1400 „Hennigk Keerl“ (Magdeburg), 1419 „Heyneman Kerel“ (Göttingen), 1427 „Heintz Kerl“ (Nürnberg), 1465 „Berteld Kerel“ = 1468 „Berld Kerle“ = 1477 „Berlt Kerl“ (Duderstadt), 1498 „Herman Kerle“ (Rinkerode).


Im Internet finden Sie die Familiennamen, die Winfried Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat. Unter www.noz.de/namen können sie aufgerufen werden. Weitere Namensvorschläge bitte an namensforscher@ noz.de senden.

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