Mit Spontanität und Spielfreude Osnabrücker Improvisationstheater-Festival zeigt ganze Vielfalt

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Sie wollen doch nur spielen: Die „Festival All Stars“ mit Nina Krücken vom Dortmunder Improtheater Emscherblut (Mitte) im Haus der Jugend. Foto: Philipp HülsmannSie wollen doch nur spielen: Die „Festival All Stars“ mit Nina Krücken vom Dortmunder Improtheater Emscherblut (Mitte) im Haus der Jugend. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Unterschiedliche Shows, Workshops und Spielformen: Das dritte Osnabrücker Improvisationstheater-Festival der Sportfreunde Haseglück bot illustre Gäste und eine große Bandbreite.

Nach dem Open Stage-Aufgalopp am Mittwoch und den Auftaktshows am Donnerstag standen am Freitagabend im ausverkauften Spitzboden der Lagerhalle die von Ilka Luza vom Münsteraner Theater „Placebo“ launig moderierten „OS Open“ auf dem Programm. Elf angemeldete und durchnummerierte Teilnehmer aus allen Teilen der Republik buhlten um die Gunst des Publikums, um in Anwesenheit der Vorjahressiegerin Nina den Siegerpokal in Form eines goldenen Polygonhasen entgegennehmen zu dürfen. Die Zusammensetzung der jeweiligen Spielgruppen wurde ausgelost, die Rahmenbedingungen und Impulse für die einzelnen Szenen kamen aus dem Publikum, das diese auch per Applaus bewertete. Ein halbes Dutzend Spieler blieb nach der Pause übrig, in der Finalrunde waren es nur noch drei, die mit buchstäblich himmlischen Liedern gegeneinander antraten - inspiriert und unterstützt von Pianist und Gitarrist Jakob Reinhardt aus Münster, der mit seiner musikalischen Improvisationskunst das gesamte Festival begleitet hat. Zum Osnabrücker Impro-König 2018 gekrönt wurde am Ende Stefan aus Mainz.  

Geschichten angestoßen

Die Teilnehmer eines von insgesamt vier Festival-Workshops präsentierten am Samstag im gut besuchten Haus der Jugend mit ihrem Harold eine klassische improvisierte Langform. Wie ein Stein im Wasser Wellen stieß sie auf der Bühne Geschichten an, die in unterschiedliche Richtungen getrieben wurden. Elf von Spielleiter Detlev Schmidt vom Dortmunder Improtheater Emscherblut angeleitete Darsteller aus verschiedenen Städten von Aurich bis Darmstadt brachten die Szenen und begleitenden Tanzchoreografien nach einer aus dem Publikum vorgegebenen Gedichtzeile frei assoziierend in Fluss. Aus der Gruppe heraus wurden dabei ständige Wechsel der Erzählschauplätze, -modi und –perspektiven provoziert. Am Ende atmeten die Passagiere eines turbulenten Fluges mit Erstbegleitung und Flügeldialog nach Hawaii buchstäblich auf und ein von seiner Vergangenheit eingeholter Bürgermeisterkandidat trat zurück. 

Alltag als Musical

Eine „Surprise“-Show der vier professionellen Workshopleiter aus Köln, Münster und Dortmund, die von zwei lokalen Sportfreunden unterstützt wurden, sorgte schließlich für den Abschluss des diesjährigen, viertägigen Improvisationstheaterfestivals. Überrascht wurde ein ausgiebig ausgefragtes Pärchen aus dem Publikum, aus dessen von der Vorfreude auf das zukünftige Eigenheim geprägter Alltag gekonnt ein Musical gebaut wurde. Mit viel Spielfreude und einem hohen Maß an Spontanität gossen die „Festival All Stars“ Rituale wie das morgendliche Aufstehen oder den täglichen Kontrollbesuch auf der Baustelle mal albern, meist aber amüsant in die selbstgewählte Form, bis sich schließlich der Futtermittelvertreiber und die Pflanzenzüchterin mit Familienzuwachs in Form eines zärtlichen Ebers und einer wild gewordenen Fleischtomate konfrontiert sahen. „Alles wird gut“, stimmte aber der spontan improvisierte finale Song des Festivals nicht nur die Themenvorgeber zuversichtlich.


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