Hoch defizitäre Buslinie FMO-Shuttle X150: Machen Osnabrück und Kreis Steinfurt halbe-halbe?

Sebastian Stricker und Jean-Charles Fays

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Die Zukunft von Linie X150, der einzigen Busverbindung zwischen Osnabrück und dem Flughafen Münster/Osnabrück (FMO), ist weiter offen. FotoDie Zukunft von Linie X150, der einzigen Busverbindung zwischen Osnabrück und dem Flughafen Münster/Osnabrück (FMO), ist weiter offen. Foto

Osnabrück/Steinfurt. Der Kreis Steinfurt gibt grünes Licht für einen künftigen Betrieb der hoch defizitären Flughafen-Buslinie X150 (Osnabrück–FMO) unter seiner Flagge. Bedingung: Die Stadt Osnabrück trägt mindestens die Hälfte der Kosten. Ob Rat und Verwaltung sich darauf einlassen?

Wie der Kreis Steinfurt auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, habe der Verkehrsausschuss am 12. September die Aufnahme der Linie X150 in den kommunalen Nahverkehrsplan beschlossen. Unter einer Voraussetzung: Die Stadt Osnabrück müsse sich "angemessen" an der Finanzierung beteiligen.

"Darunter verstehen wir, dass die Stadt Osnabrück mindestens 50 Prozent der Kosten übernimmt", sagt Kreissprecherin Simone Cool. Entscheidungssicherheit soll außerdem eine Fahrgastzählung bringen, die Ende September auf Veranlassung des Kreises Steinfurt durchgeführt werde. "Je nach Ergebnis werden wir unseren Vorschlag, die Linie weiterzuführen, noch einmal überdenken und dem Ausschuss vorlegen." 

Busverbindung extrem unrentabel

In Rat und Verwaltung der Stadt Osnabrück stößt die Initiative des Kreises Steinfurt auf Wohlwollen. Ob und wie viel Geld künftig aus Osnabrück in die einzige direkte, bislang allerdings extrem unrentable Busverbindung von hier zum Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) fließt, machen Oberbürgermeister und Fraktionsspitzen ebenfalls von bestimmten Bedingungen abhängig. 

"Ich würde mich freuen, wenn Osnabrücker Bürger den FMO als Geschäfts- oder Urlaubsreisende auch zukünftig mit dem Bus erreichen können"Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU)

"Bei der Beteiligung der Stadt an einem Defizit wird es darauf angekommen, welches Verkehrsangebot zugrunde liegt", erklärt das Presseamt auf Anfrage. Gemeint ist etwa, an welchen Tagen und in welchen zeitlichen Abständen der Pendelbus demnächst verkehren soll. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) hatte dem Landrat des Kreises Steinfurt signalisiert, den städtischen Gremien eine 50-prozentige Beteiligung am Defizit vorzuschlagen, maximal aber 100.000 Euro pro Jahr. Das bisher vom Osnabrücker Verkehrsbetrieb geschulterte Minus betrug zuletzt mitunter das Dreifache. An einem Fortbestand der Linie X150 scheint Griesert jedoch viel gelegen. "Ich würde mich freuen, wenn Osnabrücker Bürger den FMO als Geschäfts- oder Urlaubsreisende auch zukünftig mit dem Bus erreichen können", so der OB laut Mitteilung.  

Idee: Kostenbeteiligung auf Zeit

Die CDU, die gemeinsam mit dem Bund Osnabrücker Bürger (BOB) im Rat eine Gruppe bildet, sieht in den Bemühungen eine "Stärkung des ÖPNV und des gemeinsamen Flughafens". Immerhin seien Münster, Osnabrück und der Kreis Steinfurt die größten Gesellschafter des FMO. "Grundvoraussetzung für den Erhalt der Linie und eine Beteiligung der Stadt Osnabrück ist aber, dass der X150 stärker angenommen wird", sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Fritz Brickwedde. Für eine entsprechende Bewerbung der Linie trage auch der FMO eine Verantwortung. "Ich bin deshalb für eine Osnabrücker Beteiligung auf Zeit. Wenn der Bus gut angenommen wird, kann längerfristig gefördert werden."

Für einen Erhalt der Linie X150 spricht sich die FDP aus. Die Kostenteilung zwischen Stadt Osnabrück und Kreis Steinfurt sei "eine gute Lösung", meint Fraktionsvorsitzender Thomas Thiele. Ähnlich wie Brickwedde fordert aber auch er eine Testphase. "Es sollte zunächst ein überschaubarer Zeitraum festgelegt werden, um dann mit Erfahrungswerten über Nutzerverhalten das weitere Vorgehen zu konkretisieren."

Wird nach Angaben der Stadtwerke Osnabrück zu wenig genutzt: die Shuttlebus-Linie X150 zum Flughafen Münster/Osnabrück (FMO). Foto: Sebastian Stricker

Tragfähiges Konzept gefordert

Die SPD hält eine hälftige Kostenbeteiligung für diskussionswürdig. Möglicherweise müsse "eine Obergrenze eingezogen" werden, erklärt Fraktionschef Frank Henning. Entscheidend sei jedoch, ob "ein tragfähiges Konzept für den FMO-Bus entwickelt werden kann, das die Kosten senkt und die Fahrgastzahlen erhöht". 

Die Gruppe UWG/Piraten gibt an, ohne umfassende Informationen etwa über Kosten und Nutzerzahlen des FMO-Shuttles keine Entscheidung über eine finanzielle Beteiligung der Stadt Osnabrück treffen zu können. Die Erreichbarkeit des FMO sei jedoch "förderlich und wichtig für die wirtschaftliche Stärkung von Flughafen GmbH sowie Stadt und Region Osnabrück", sagt Sprecher Wulf-Siegmar Mierke. Deshalb solle auch der Landkreis Osnabrück "in die Gespräche einbezogen und bei der Finanzierung der Linie X150 herangezogen werden".

Grüne und Linke skeptisch

Für die Grünen stellt Fraktionsvorsitzender Volker Bajus fest, dass die vom Kreis Steinfurt geforderte Kostenbeteiligung unter heutigen Umständen rund 150.000 Euro ausmachen würde. "Das ist angesichts einer Auslastung von einer Person pro Fahrt nicht vertretbar. Der FMO macht uns mit einem jährlichen Minus von knapp acht Millionen Euro bereits genug Sorgen.

Die Osnabrücker Linkspartei als erklärte Gegnerin der städtischen Beteiligung am FMO kann auch einer Bezuschussung des Pendelbusses nichts abgewinnen. "Das halten wir für nicht tragbar", sagt Fraktionsvorsitzende Giesela Brandes-Steggewentz. Der Fahrplan von Linie X150 weise von 7.13 bis 22.13 Uhr eine stündliche Fahrtmöglichkeit aus. "Hier muss ein anderes Modell her."

"Der FMO macht uns mit einem jährlichen Minus von knapp acht Millionen Euro bereits genug Sorgen"Volker Bajus (Grüne)

Entscheidung bis Anfang November

Mit einer Entscheidung über die Zukunft des FMO-Shuttles ist bis zum 5. November zu rechnen. Dann soll der Nahverkehrsplan des Kreises Steinfurt verabschiedet werden. Bis voraussichtlich Februar 2019 fährt die Linie X150 weiter im Auftrag der Stadtwerke Osnabrück und in der gewohnten Frequenz von Osnabrück über Ladbergen zum Flughafen nach Greven. Ursprünglich hätte sie bereits Ende August eingestellt werden sollen.


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