Urlaub in unbeliebten Orten Warum fünf Bayern – jetzt ganz sicher – in Osnabrück Urlaub machen wollen

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Auch die Lichter der Großstadt machen den Neumarkt inmitten von Osnabrück nicht schöner – ein perfekter Sightseeing-Punkt also für die "Fernreisegruppe Unterbayern". Foto: Michael GründelAuch die Lichter der Großstadt machen den Neumarkt inmitten von Osnabrück nicht schöner – ein perfekter Sightseeing-Punkt also für die "Fernreisegruppe Unterbayern". Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Bayern kommen schon wieder! Nach den Spielern des FC Bayern München besucht die „Fernreisegruppe Unterbayern“ am Westfalentag Osnabrück. Die Truppe reist in nicht ganz so beliebte Orte in Deutschland. Und freut sich schon auf die hübsch-hässlichen Ecken von Osnabrück.

Im Herbst 2018 kommen die Bayern gleich doppelt nach Osnabrück: Pünktlich zum Westfalentag am 1. November, und damit nur zwei Tage nach dem DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Rödinghausen und Bayern München im Stadion des VfL Osnabrück, besucht die „Fernreisegruppe Unterbayern“ die Hasestadt. Damit reiht sich Osnabrück ein in die Schar so illustrer Städte wie Wuppertal, Paderborn, Duisburg, Saarbrücken und Herne, die alle schon von der Reisegruppe besucht wurden.

Die Truppe aus fünf Männern will Orte sehen, „wo sonst eigentlich keiner hin will“, erklärte Gruppenmitglied Alfred Stuiber schon im vergangenen September auf Nachfrage unserer Redaktion. Zur Wahl stehen Städte, in denen mehr als 100.000 Einwohner leben und die gut per Zug erreichbar sind. Weitere, aber nicht ganz so wichtige Kriterien sind eine möglichst niedrige Übernachtungszahl und ein hoher Schuldenstand pro Einwohner. "Im Jahr 2017 verzeichnete die Stadt mehr als 482.000 Übernachtungen und über 312.000 Ankünfte, also Gäste. Das ist so wenig für eine Stadt unserer Größe nicht", sagt Petra Rosenbach , Geschäftsführerin der Osnabrück - Marketing und Tourismus GmbH.

„Fernreisegruppe Unterbayern“

Scherzname
„Fernreisegruppe Unterbayern“ ist übrigens ein Scherzname, denn Unterbayern gibt es als regionale Bezeichnung gar nicht, erklärt Stuiber. Ansässig im Städtchen Roding in der Oberpfalz planen die fünf Männer seit dem Jahr 2011 ihre Exkursionen.

Dass trotzdem Osnabrück zum Ziel des Ausflugs im November 2018 werden wird, lag verstärkt an anderen Faktoren: "Bei einer der letzten Reisen haben wir darüber diskutiert, wo es wieder hingehen soll. Da war die erste Aussage, dass wir in eine niedersächsische Stadt mit ,O' fahren", so Stuiber. Osnabrück und Oldenburg waren die Alternativen.

Nach Osnabrück wegen der "Titanic" ...

Die Entscheidung zwischen Osnabrück und Oldenburg fiel relativ schnell, nachdem klar war, dass sich die Zugfahrt – ein wichtiges Kriterium für die bahnbegeisterten Männer – gut planen ließ. "Zudem macht die Satirezeitschrift ,Titanic' immer Witze über das ach so schlimme Osnabrück, also muss es da toll sein." 

Martin Sonneborn, der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins, lebte in seiner Jugend in Osnabrück – wodurch sich Spott wie dieser wohl erklären lässt: "Die putzige Stadt in Nordwestfalen wurde berühmt durch Erich Maria Remarque ("In Westfalen nichts Neues") und das Ende des Dreißigjährigen Krieges ("Nie wieder Krieg, nie wieder Osnabrück"). Der Legende nach waren die Konfliktparteien 1648 bei ihrem Treffen in Osnabrück so angeödet von der provinziellen Tristesse und in ihrer Kampfmoral erschüttert durch die begriffsstutzigen, phlegmatischen Einheimischen, dass sie unverzüglich ihre Waffen niederlegten und panisch die Stadt verließen." (Weiterlesen: Satiriker Martin Sonneborn im Interview: In Osnabrück habe ich Biertrinken gelernt)

... und dem Nussbaum-Haus

 Auf das Vorhaben der Bayern angesprochen, sagt Rosenbach: "Vielleicht wissen die Herren nicht, dass wir gerade ob unseres historischen Reichtums gern gesehenes Mitglied der deutschlandweiten Städtekooperation ,Historic Highlights of Germany' sind." Ein paar Empfehlungen hat sie ebenfalls parat: "Den Besuch im Friedenssaal, im Felix-Nussbaum-Haus, einen Blick vom Kirchturm St. Marien, einen Besuch im Dom, aber auch ein Rundgang durch die Altstadt und im Kontrast dazu einen Besuch im Erlebnissporthaus von L+T mit der Hasewelle."  

Tatsächlich ist es dann auch eine wirkliche Attraktion der Stadt, die die Truppe anlockt, nämlich das Nussbaum-Haus von Daniel Libeskind, sagt Alfred Stuiber: "Das sieht sich unser Architekt sicher gerne an." Ansonsten sei man einfach auf die Stadt gespannt. 

So erkennt man die Truppe aus Bayern

Dabei ist die Truppe auch gut an ihren Jeans-Westen zu erkennen, die sie mit Aufstickern der bereits besuchten Orte verziert haben. Nach dem kommenden Wochenende wird dann wohl auch einer von Osnabrück aufgenäht werden müssen. 

Foto: Alfred Stuiber

Wer sie trifft, kann gerne mit ihnen ins Gespräch kommen, sagt Stuiber: "Wir sehen wir uns gerne auch ein Wohngebiet an, irgendeins, und machen einen Spaziergang durchs Quartier. Da bekommt man mit, wie die Leute leben und drauf sind. Aber das beste für uns ist immer, wenn wir in der Kneipe oder sonstwo Einheimische kennenlernen, die mit uns dann noch um die Häuser ziehen. Mal gucken, aber bis jetzt waren die Ausflüge immer ein Gewinn."

Osnabrück - was man auch gesehen haben sollte

Welche dieser Osnabrücker Attraktionen der normalen, aber auch der unfreiwilligen Art würden Sie Touristen wie der Fernreisegruppe Unterbayern empfehlen?



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