Ruhestörungen von früh bis spät Osnabrücker Bahn-Anwohner genervt von lauten Güterzügen

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Güterzüge mit Autos in Osnabrück. Foto: Michael GründelGüterzüge mit Autos in Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein Bahn-Anwohner in Osnabrück klagt über zu laute Güterzüge. Frühmorgens und spätabends sei der Krach besonders schlimm. Sogar sein Haus nehme allmählich Schaden. Unsere Redaktion fragte nach bei der Deutschen Bahn: Welche Regeln gelten auf der Schiene im Stadtgebiet? Und was tut die DB für den Lärmschutz?

2010 kaufte Thorsten Drüner eine ehemalige Schokoladen- und Bonbonfabrik an der Sutthauser Straße 74 in Osnabrück (Kalkhügel). 2015 zog er ein. Doch seit gut einem Jahr findet es der Fotograf und Tischler dort teilweise "unerträglich laut". Grund dafür seien Güterzüge, die regelmäßig an seinem Haus vorbeirattern. Besonders zu Zeiten, wo die meisten Menschen noch oder schon schlafen. 

Meterlanger Riss in der Mauer

"Wenn die Bahn kommt, bebt der Boden und man versteht sein eigenes Wort nicht mehr", sagt Drüner. Ab 5 Uhr ungefähr sei es am schlimmsten, ebenso zwischen 22.30 und 1 Uhr. "Manchmal gibt es Züge, da denke ich, die reißen das Gebäude mit." Einen meterlangen Riss in den Mauern seines Wohnzimmers führt er auf anhaltende Erschütterungen durch Güterzüge zurück. Früher sei der Krach auch weniger gewesen, meint der 50-Jährige. Obwohl eine Nachbarin wegen des Lärms bereits vor einer Weile das Weite gesucht habe. "Die hat mich damals gewarnt. Bei der klapperten jedes Mal die Teller und Tassen im Schrank, wenn ein Güterzug vorbeidonnerte."

Bahn-Anrainer Thorsten Drüner beklagt sich über laute Güterzüge, die spätabends und frühmorgens an seinem Haus an der Sutthauser Straße vorbeirasen. Foto: Swaantje Hehmann

Auch für Züge gilt ein Tempolimit

Auch er sei zunehmend genervt, gesteht Drüner und spricht von einer "inneren Unruhe", die ihn gepackt habe. Er fragt sich: Fahren die Güterzüge vor seiner Haustür vielleicht zu schnell? Und wie laut dürfen sie an dieser Stelle eigentlich sein? Unsere Redaktion erkundigte sich bei der Deutschen Bahn. Und erhielt folgende Auskunft:

Im Bereich der Sutthauser Straße in Osnabrück liegen zwei Gleise der Strecke nach Münster (2200) und ein Gleis der Strecke nach Brackwede (2950). Die Höchstgeschwindigkeit rund um die Eisenbahnbrücke beträgt 150 km/h (Strecke 2200) bzw. 80 km/h (Strecke 2950). 200 Meter weiter in Richtung Osnabrück Hauptbahnhof reduziert sich die zulässige Geschwindigkeit auf 110 km/h (Strecke 2200) bzw. 60 km/h (Strecke 2950). (Weiterlesen: Ab 2020 rollt Güterverkehr auf der Teutoburger-Wald-Eisenbahn-Strecke)

"Manchmal gibt es Züge, da denke ich, die reißen das Gebäude mit"Bahn-Anrainer Thorsten Drüner

Zwangsbremsung bei zu schneller Fahrt

Die Geschwindigkeitsvorgaben sind laut DB unabhängig von Tageszeiten oder anderen Faktoren dauerhaft gültig. Güterzüge fahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 bis 100 km/h. "Geschwindigkeitsüberschreitungen sind nicht zulässig und führen aufgrund der vorhandenen Geschwindigkeitsüberwachung zu einer Zwangsbremsung des Zuges", erklärt eine Sprecherin.

Da es sich um Strecken handelt, die vor 1974 gebaut wurden, gebe es keine konkreten Grenzwerte für den Lärmpegel. Der genannte Abschnitt sei bislang nicht als problematisch aufgefallen. Beschwerden von Anwohnern zu diesem Streckenabschnitt sind der DB nicht bekannt. 

Weiter teilt das Unternehmen mit, dass im Rahmen des freiwilligen Lärmsanierungsprogramms des Bundes von 2001 bis 2018 in Niedersachsen 204 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen ausgegeben wurden. Mit diesen Mitteln seien 480 Kilometer Schienenweg lärmsaniert worden. Dazu gehöre auch der Abschnitt an der Sutthauser Straße, an dem die Eisenbahnstrecke beidseitig mit Lärmschutzwänden ausgerüstet wurde.

Zur Sache: Die Top 9 der Wettbewerbsbahnen im Schienengüterverkehr

Die DB Cargo ist im nationalen Eisenbahngüterverkehr trotz deutlichem Abwärtstrend weiterhin der unangefochtene Marktführer. Das  Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) hatte nach Angaben des Vereins Netzwerk Europäischer Eisenbahnen im Jahr 2016 einen Anteil von gut 59 Prozent an der gesamten Verkehrsleistung (1,1 Billionen Tonnenkilometer). Der Rest verteilt sich auf die sogenannten Wettbewerbsbahnen, die der DB seit der Marktöffnung im Jahr 1994 zunehmend Konkurrenz machen.
Die Wettbewerbsbahn mit dem dem größten Marktanteil ist Captrain Deutschland, ein nationaler Ableger der Tochter der französischen Staatsbahn SNCF. Es folgt die Metrans, ein tschechisches Bahnunternehmen, das überwiegend im Eigentum der Hamburger Hafen und Logistik AG ist. 
Die SBB Cargo International (Schweiz) folgt auf Rang drei. Platz vier nimmt die TX Logistik ein, Tochterunternehmen der italienischen Trenitalia. 
Dahinter rangieren Rhein-Cargo, eine Eisenbahntochter der kommunalen Häfen- und Bahnunternehmen in Köln, Neuss und Düsseldorf, sowie Boxxpress – ein Gemeinschaftsunternehmen von Reedern, dem Terminalbetreiber Eurogate und TX Logistik. Außerdem die private Rurtalbahn Cargo, die Havelländische Eisenbahn AG und die CFL cargo Deutschland, Tochter der CFL aus Luxemburg.


Flüsterbremsen für alle Güterwagen

Ein weiterer wichtiger Punkt zur Reduzierung der Geräuschemissionen im Güterverkehr ist laut DB der flächendeckende Einsatz sogenannter Flüsterbremsen bei Güterwagen. Hierbei werden die bestehenden Grauguss-Bremsklötze durch Bremsklötze aus Verbundstoff ersetzt. "Dadurch werden die Laufflächen der Räder nicht mehr beim Bremsvorgang aufgeraut, und die Rollgeräusche während der Fahrt werden um bis zu 10 dB(A) reduziert, was einer gefühlten Halbierung des Lärms entspricht", erklärt die Sprecherin.




Die Bundesregierung habe durch das Schienenlärmschutzgesetz von 2017 beschlossen, dass bis Ende 2020 alle Güterwagen mit Flüsterbremsen ausgestattet werden müssen. Bei DB Cargo waren den Angaben zufolge bis Ende 2017 bereits zwei Drittel der Güterwagen umgerüstet.

Für den lärmgeplagten Osnabrücker Drüner zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass der Krach auf den Bahnstrecken, die an sein Grundstück grenzen, künftig weiter abnimmt. Darüber hinaus will der gelernte Tischler selbst die Initiative ergreifen. "Muss ich wohl noch besser dämmen und dickere Fenster einbauen, wenn ich wieder mehr Ruhe haben will."


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