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Der Osnabrücker Oliver Dezes hat sich für die deutschen Meisterschaften der Zauberkunst qualifiziert Herr der magischen Ringe

Von Sandra Dorn

Aus losen Ringen zaubert Oliver Dezes alias Jean-Olivier eine Kette. Wie, das bleibt sein Geheimnis. Foto: Michael HehmannAus losen Ringen zaubert Oliver Dezes alias Jean-Olivier eine Kette. Wie, das bleibt sein Geheimnis. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Er zaubert, seit er zwölf Jahre alt ist. Nun hat sich Oliver Dezes alias Jean-Olivier mit seiner Partnerin Theresa Kriegler für die deutschen Meisterschaften der Zauberkunst qualifiziert. Im Juni 2011 werden sie in der Sparte Magie mit Musik in Leverkusen antreten.

Mit dem Zersägen von Damen hat er nichts am Hut. Zu aufwendig die Illusion, zu teuer die Geräte. Ihm reicht es, dass er weiß, wie der Trick funktioniert. Der Haster Student Oliver Dezes verzaubert lieber im Kleinen. Dazu reichen auch zwei rote Schaumstoffkugeln. „Die habe ich immer mit dabei“, verrät er einer jungen Frau. Sie ist neugierig näher getreten, als er vor dem Rathaus ein paar seiner Tricks vorführt.

Dann drückt er ihr ein solches Bällchen in die Hand, schnappt sich das andere und fuchtelt in der Luft herum. Als Nächstes soll sie ihre geschlossene Hand über dem Kopf kreisen lassen. Sie schaut skeptisch und scheint zu denken: „Ja, ja, lass den mal machen.“ „Spüren Sie noch etwas?“, fragt er und behauptet, er habe das rote Schaumstoffbällchen aus ihrer Hand in seine Hand gezaubert. „Ja, sicher spüre ich noch was“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Noch einmal herumfuchteln. „Und jetzt?“ „Natürlich habe ich noch etwas in der Hand.“ „Dann machen Sie die Hand mal auf.“ Und siehe da: nicht ein Bällchen, sondern zwei. Und beim Zauberer: nichts. Wie er das angestellt hat, verrät der 26-Jährige natürlich nicht: „Eine Mischung aus Wahrnehmungslenkung und Trickfertigkeit.“

Oliver Dezes ist Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland wie 2800 andere Männer und Frauen auch. Regelmäßig besucht er die Zaubertreffen und ist dort auch in der Jugendarbeit aktiv. Eigentlich ist der 26-Jährige ein ganz normaler Student, trägt einen schlichten schwarzen Pullover und Jeans, die Augen sind blau, die Lachfältchen zahlreich. Doch sein ungewöhnlicher Nebenjob wird ihn nun zu den deutschen Meisterschaften der Zauberkunst führen. Mit seiner Partnerin Theresa Kriegler, die in Braunschweig Biotechnologie studiert, punktete er im Vorentscheid mit einer Rock-’n’Roll-Tanzeinlage als Ergänzung der Tricks. Er war zwölf Jahre alt, als er dem ersten Zauberkünstler begegnete. Es war in einem Kaufhaus in Großbritannien, und ein britischer Magier zeigte Kunststücke mit einem roten Tuch, daran erinnert sich Dezes noch genau. Es folgte der erste Zauberkasten, und nach ein paar Jahren bestand er die Aufnahmeprüfung in den Magischen Zirkel.

Was ihn am Zaubern so sehr begeistert? „Es ist das Staunen der Zuschauer, wenn sie etwas sehen, was eigentlich nicht möglich ist“, sagt Oliver Dezes lächelnd.

Bald zauberte er auf Familienfeiern in seiner Heimatstadt Düsseldorf und finanziert sich heute mit kleinen Shows sein Studium des Landschafts- und Gartenbaus an der Fachhochschule Haste. Dazu muss er nicht zwangsläufig auf einer Bühne stehen, Jean-Olivier zaubert ebenso gerne an Kneipentischen, in der Fußgängerzone oder vor Kindern. „Der Spaß mit den Leuten ist das Wichtigste“, sagt Dezes.

An eine Vorführung erinnert er sich noch lebhaft. Es war auf einem Kindergeburtstag im Winter, und er ließ bunte Tücher verschwinden. Die Kinder durften sich einen Zauberspruch ausdenken – „irgendetwas mit Schnee. Und genau in dem Moment, als alle Kinder den Spruch aufsagten, fing es an zu schneien“, erzählt Dezes schmunzelnd. Und was tut man da als großer Zauberer? Man genießt und schweigt.

www.Jean-Olivier.de