Grundschüler stehen gelassen Weiter Ärger über Schulbus in Atter – Eltern erwägen juristische Schritte

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Ein Foto aus dem Jahr 2017: Der Schulbus zur Grundschule Atter ist oft so voll, dass Eltern ihre Kinder lieber wieder mit dem Auto zur Schule bringen. Auch anderthalb Jahre später hat sich an der Situation nichts geändert. Foto: Ebener/ArchivEin Foto aus dem Jahr 2017: Der Schulbus zur Grundschule Atter ist oft so voll, dass Eltern ihre Kinder lieber wieder mit dem Auto zur Schule bringen. Auch anderthalb Jahre später hat sich an der Situation nichts geändert. Foto: Ebener/Archiv

Osnabrück. Erst Ende August hat die Grundschule Atter Alarm geschlagen: Der Schulbus sei zu voll und so oft verspätet, dass der Unterricht nie pünktlich beginnen könne. Die Stadtwerke gelobten Besserung, versprachen, einen zusätzlichen Wagen als Verstärkung einzusetzen, doch laut Schulleitung und Eltern hat sich an der Situation nichts geändert. Nun erwägen einige Eltern, juristische Schritte gegen die Stadtwerke einzuleiten.

Es ist Dienstagmorgen, der zweite Tag einer Schulwoche, und der zweite Tag, an dem einige Schüler in Atter nicht mit dem Bus zur Schule kommen können. Wegen eines Unfalls am Montag sei der Bus tatsächlich deutlich verspätet gekommen, erläutert Kathrin Witte von den Stadtwerken Osnabrück. 

Aber nun ist Dienstag – und Maike Breski, Leiterin der Grundschule Atter, ist nur schwer ans Telefon zu bekommen. Sie muss noch eben den Verkehr regeln. 

Unserer Redaktion hat sie ein Word-Dokument geschickt, in dem sie ihren persönlichen Eindruck schildert. Titel: "Protokoll zur Situation an der Bushaltestelle Grundschule Atter am 18.09.2018, ca. 7:58 Uhr".

Protokoll eines Schulmorgens

"Voller Entsetzen habe ich mir eben ein Bild vom ankommenden Bus aus Atterfeld in Richtung Grundschule Atter gemacht", schreibt Maike Breski. Der Bus sei so voll gewesen, dass sie sich gefragt habe, ob man darin überhaupt noch Luft bekomme. Die Schüler hätten ihr die Namen der Mitschüler zugerufen, die nicht mitgenommen wurden: „Lilly und Lucy wurden stehen gelassen. Die sind jetzt alleine wieder nach Haus gegangen und holen ihre Fahrräder.“ Als die Schulleiterin den Busfahrer fragt, ob denn noch ein zweiter Bus komme, habe dieser nur entnervt die Hände vor das Gesicht geschlagen – er könne ja auch nichts für die Situation, habe er geanwortet. 

"Viele Eltern sind zu diesem Zeitpunkt ja schon unterwegs zur Arbeit, und bekommen gar nicht  mit, dass ihre Kinder stehen gelassen wurden", erzählt uns die Schulleiterin, nachdem ihr "Einsatz" an der Haltestelle beendet ist. 

Maike Breski, Schulleiterin der Grundschule Atter. Foto: David Ebener

Die Wut der Eltern über die Beförderungssituation habe sie erst am Montag beim Schulelternrat zu spüren bekommen: "Die Eltern sind sauer", sagt Breski. Die Stadtwerke hätten doch eine Beförderungspflicht, hieß es. Und da die Beschwerden ungehört blieben, überlegten einige Eltern offenbar, juristische Schritte gegen die Stadtwerke einzuleiten.

Juristische Schritte gegen die Stadtwerke?

Unabhängig von Schulelternrat und dem Gespräch mit der Schulleitung erreicht unserer Redaktion über Facebook eine lange Nachricht einer Mutter. Auch ihr Sohn wurde mehrfach an der Haltestelle stehen gelassen. Die Folge: "Jetzt spielen wir wieder Elterntaxi, was doch im Grunde auch niemand will." Aber nachdem sie nie sicher sei, ob ihr Sohn pünktlich beziehungsweise überhaupt zur Schule komme und er einmal mit einer dicken Beule nach Hause gekommen sei, weil er in dem vollen Bus gegen eine Scheibe gedrückt wurde, habe sie wohl keine andere Wahl, schreibt sie. 

Das alles ist nicht neu. Das alles wurde schon mehrfach aufgeschrieben. Nach dem letzten Bericht hieß es von Seiten der Stadtwerke, dass die Verkehrsbetriebe (VOS) aus Richtung Atterfeld einen zusätzlichen Solowagen als Verstärkung einsetzen wollten. Das taten sie auch. "Ein paar Tage lang hat es geklappt, aber dann nicht mehr", sagt Schulleiterin Breski. 

"Ich verstehe es nicht, wie es so schwer sein kann, sechsjährige Kinder drei Kilometer weit zu transportieren", sagt Heiko Langheim, Vorsitzender des Schulelternrats. Um halb zehn, wo die Studenten zur Uni müssten, würde der 21er-Bus als großer Gelenkbus oder sogar "PlusBus" eingesetzt – warum nicht auch zwischen 7 und 8 Uhr? "Unser Frust ist groß", sagt er. 

Stadtwerke wollen Situation überprüfen

"Wir geben unser Bestes", sagt Stadtwerke-Sprecherin Kathrin Witte, auf die Situation in Atter angesprochen. Wenn es zu einem Unfall komme, stünden die Schulbusse so wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch im Stau. Hinzu komme die derzeitige Baustellensituation, die den Verkehrsbetrieben derzeit Probleme bereiteten. Aber tatsächlich hätten die Stadtwerke nach der letzten Berichterstattung reagiert: "Vorher hatten wir nur ein Gelenkfahrzeug im Einsatz, jetzt sind es zwei Fahrzeuge", sagt Witte. Einen der Firma Hummert und einen Einsatzwagen der Stadtwerke. Die Kapazität wurde also insgesamt erhöht. Aber offenbar gebe es bei der Koordinierung noch Probleme: Irgendwas passe da im Ablauf zwischen Bussen, Schülern und Schule nicht, womöglich würden sich die meisten Schüler in den ersten Bus quetschen, der ein paar Minuten eher fahre. "Aber wir wollen uns auf jeden Fall noch ein Bild vor Ort machen", sagt Witte. Am Mittwoch werde ein Mitarbeiter der Stadtwerke überprüfen, wie sich die Situation konkret darstelle und wo es hapert. 

Eltern führen Protokoll

Auch die Eltern aus Atter wollen den Busverkehr im Blick behalten: Mittlerweile haben sie sich in einer Whatsapp-Gruppe zusammengeschlossen. Man wolle Protokoll darüber führen, wie viele Busse in Atter eingesetzt werden und wie groß diese seien. Außerdem wolle man das Thema im Stadtelternrat ansprechen. 

Maike Breski hofft, dass sich dann endlich etwas an der Situation ändere – denn an einen normalen Schulstart sei derzeit nicht zu denken: "Die Kinder müssen erst einmal von ihren Buserfahrungen berichten. Sie sind emotional so ergriffen." Außerdem würden viele Kinder gar nicht mehr mit dem Bus fahren wollen – aus Angst, wieder einmal stehen gelassen zu werden. 


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