Bald DFKI-Forschungsstandort? Künstliche Intelligenz: Osnabrück ist Niedersachsens Hotspot

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Roboter Lou wurde am Institut für Kognitionswissenschaft der Uni Osnabrück entwickelt. Foto: Gert WestdörpRoboter Lou wurde am Institut für Kognitionswissenschaft der Uni Osnabrück entwickelt. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Osnabrück will neuer Standort des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) werden. Dafür müssen an der Universität bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Das Land Niedersachsen hat seine Unterstützung zugesichert.

Das 1988 gegründete DFKI ist nach eigenen Angaben das weltgrößte Forschungszentrum auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Es unterhält Standorte in Kaiserslautern (Zentrale), Saarbrücken und Bremen. 

Seit 2011 ist die Uni Osnabrück als Außenstelle des Bremer Robotics Innovation Center (RIC) mit dem DFKI verwoben. Das RIC entwickelt mobile Robotersysteme, die an Land, zu Wasser, in der Luft oder im All komplexe Aufgaben lösen können. Osnabrück konzentriert sich dabei auf Robotik-Anwendungen für die in der Region stark vertretene Agrarwirtschaft.

Forschungsinstitut von Rang und Namen

„Die Gründung eines offiziellen DFKI-Standorts in Osnabrück wäre für den Hochschul- und Wirtschaftsstandort ein Riesengewinn“, sagt Informatikprofessor und RIC-Außenstellenleiter Joachim Hertzberg. Denn noch gebe es kein außeruniversitäres Forschungsinstitut von Rang und Namen in der Stadt. Dabei würde es ihr im Bereich Künstliche Intelligenz besonders gut zu Gesicht stehen – findet auch Susanne Menzel, Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung an der Uni Osnabrück. „Die Universität Osnabrück ist der stärkste Standort der Künstlichen Intelligenz in Niedersachsen“, erklärt die Professorin. Und verweist auf den Mitte August beschlossenen „Masterplan Digitalisierung“ der niedersächsischen Landesregierung, der Osnabrück einen „niedersächsischen Hotspot in der akademischen Forschung und Lehre zu Künstlicher Intelligenz (KI)“ nennt.

„Die Universität Osnabrück ist der stärkste Standort der Künstlichen Intelligenz in Niedersachsen“Susanne Menzel, Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung


Vor diesem Hintergrund macht sich auch Hannover für Osnabrück als DFKI-Standort stark. „Die außeruniversitäre, transferorientierte Forschung zu KI wird durch die Etablierung einer Einheit des DFKI in Osnabrück weiter intensiviert. Damit sollen der Forschungstransfer und die lokale Forschungslandschaft nachhaltig gestärkt werden“, heißt es in dem Masterplan weiter.  (Weiterlesen: Osnabrücker Robotermensch „Lou“ auf der Cebit 2018)

Informatik trifft Kognitionswissenschaft 

Was die Uni Osnabrück besonders auszeichnet, ist laut Vizepräsidentin Menzel die Tatsache, „dass das Thema ,Künstliche Intelligenz‘ bei uns gleichermaßen durch die Informatik und die Kognitionswissenschaft getragen wird“. Zu welchen Erfolgen diese Kombination führen kann, zeige sich in dem kürzlich bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworbenen Graduiertenkolleg „Computational Cognition“. Dieses mit 3,1 Millionen Euro dotierte Förderprogramm für neun ausgewählte Doktoranden soll dazu beitragen, Intelligenz bei Menschen und Maschinen besser zu verstehen. Auch die im Frühjahr neu geschaffene und mit der Informatikkoryphäe Olaf Spinczyk besetzte Stiftungsprofessur für Eingebettete Softwaresysteme unterstreicht die Ambitionen der Uni Osnabrück im Bereich Digitalisierung.

Im ehemaligen Polizeigebäude an der Wachsbleiche in Osnabrück hat die Universität ihre Fächer Informatik und Kognitionswissenschaft untergebracht. Foto: David Ebener


Gleichwohl setze das DFKI bei der Standortwahl seine eigenen, strengen Maßstäbe an, wie RIC-Außenstellenleiter Hertzberg betont. Bedingung seien zum Beispiel zwei dauerhaft etablierte Forschungsbereiche an einem Ort – jeweils ausgestattet mit einem Auftragsvolumen von drei Millionen Euro jährlich. Soll die RIC-Außenstelle einer davon sein, müsste es ihr bis zum Auslaufen der befristeten Grundförderung durch das Land im Jahr 2023 gelingen, den bisherigen Jahresetat zu verdoppeln, erklärt Hertzberg. „Wir sind da auf einem guten Weg.“

Zweiter Forschungsbereich benötigt

Ein zweiter, vollwertiger Forschungsbereich zum Thema KI, der sowohl einzigartig ist als auch zu den Gegebenheiten der Uni Osnabrück passt, müsste hingegen ganz neu aufgebaut werden. Ideen dafür gebe es, und hochschulintern würden bereits Gespräche geführt, so der Professor. Enden sie erfolgreich, sei eine „konditionale Entscheidung“ des DFKI über die Osnabrücker Bewerbung Ende 2019 möglich. Die Erfolgsaussichten schätzt Hertzberg als „gut“ ein.


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