Auf dem Osnabrücker Markt Kein Rap beim Sinti Musik Festival

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Virtuoser Geigenspieler: Sandro Roy (rechts) mit den anderen Musikern des Gypsy Jazz Quartetts auf dem Osnabrücker Marktplatz.Foto: Swaantje HehmannVirtuoser Geigenspieler: Sandro Roy (rechts) mit den anderen Musikern des Gypsy Jazz Quartetts auf dem Osnabrücker Marktplatz.Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Vier Bands, befeuert von hervorragenden Solokünstlern, vermittelten beim ersten Osnabrücker Sinti Musik Festival ein lebhaftes Bild von der deutschen Gypsy-Jazz-Szene.

Osnabrück Zu späterer Stunde wurde es auf dem Markt sehr emotional: Sandro Roy spielte „Wendy“, ein langsames Stück, das er im Repertoire von Stephane Grapelli ausgegraben hat. Leidenschaftlich entlockte Roy seiner Geige Töne, die ans Herz gingen. Auch im Dialog mit dem Pianisten Jermaine Landsberger offenbarte er seinen Mut, Gefühl zu zeigen.

Dabei ging es ansonsten am Samstagabend auf dem Platz neben dem Rathaus eher beschwingt zu. Das Modern Gypsy Jazz Quartett spielte, befeuert von der Virtuosität Sandro Roys, eine verführerische Mischung aus Gypsy und modernem Jazz. Das Konzert wurde zum Sahnehäubchen des Sinti Musik Festivals, das in diesem Jahr das jährlich gefeierte Fest der Kulturen im XXL-Format bereicherte.

Bereits am Nachmittag waren die Zuschauer, die wegen der Musik gezielt zum Markt gepilgert waren oder auch zufällig von den beschwingten Tönen angelockt wurden, mit traditionellem Sinti-Jazz und mehr unterhalten worden.

Begeisternder Danny Weiss

In der Region Osnabrück zu Hause ist „Das Gespann“, das den Festivalreigen eröffnete. Mario Franz, der die Veranstaltung organisiert hatte, spielt in der Formation Gitarre. „Wir nennen unsere Band manchmal auch Kapelle Krach“, sagte er einmal. Davon kann allerdings keine Rede sein. Allein das Gitarrenspiel von Danny Weiss, Sohn des legendären Sinti-Jazzers Hänschen Weiss, begeistert auf ganzer Linie. Mit dem Jazzklassiker „Sweet Georgia Brown“, der schon von Django Reinhardt, dem Urvater des Gypsy Jazz interpretiert wurde, verabschiedete sich das Sextett, um Platz für das nächste Ensemble zu machen.

Auf den Spuren des Vorbilds

Moderator Boise stellte das Trio Douce Ambiance aus Kiel vor, das sich nach einem Song von Django Reinhardt benannt hat. Auf entspannte Art eiferten sie ihrem Vorbild nach und griffen auf viele Kompositionen aus seinem Repertoire zurück. Für musikalische Abwechslung sollte anschließend Jeffrey Schmidtke sorgen, ein junger Osnabrücker Rapper. Seine Beteiligung am Festival musste allerdings abgesagt werden, weil er sich bei einem Unfall das Knie verletzt hat und operiert werden musste.

Nach einer längeren Pause, die wegen seiner Absage und wegen des Gottesdienstes in St. Marien entstand, enterten Django Deluxe die Bühne am Rathaus. Die Hamburger Band wartete mit einem Star auf: Gitarrist Giovanni Weiss hat schon mit der NDR-Bigband zusammengearbeitet, und zweimal wurde er mit einem Echo ausgezeichnet. Anschaulich zeigte er mit seinen Kollegen die Nähe zwischen Swing, Gypsy und modernem Jazz auf. Als Gast gesellte sich schon bald Tastenmann Jermaine Landsberger zu Weiss. Beide schaukelten sich mit beherzten Soli gegenseitig hoch.

Supergeiger Sandro Roy

Zum Höhepunkt des Festivals brauchten die Techniker, die für ausgewogenen Sound und angenehmes Licht sorgten, keine großartigen Umbauten auf der Bühne vorzunehmen, denn Django Deluxe (ohne Giovanni Weiss) fungierte quasi als Begleitband für Violinist Sandro Roy. Der 24-jährige Supergeiger kitzelte das Quäntchen Dynamik aus seinen Mitmusikern heraus, das den Sound zum finalen Genuss machte.

Dass man sich als große musikalische Familie versteht, machten alle Beteiligten mit den letzten Songs deutlich: Ob Danny Weiss, Giovanni Weiss, ob Douce Ambiance, Jermaine Landsberger oder Sandro Roy, alle versammelten sich zum krönenden Abschluss auf der Bühne und musizierten gemeinsam.


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