Uraufführung Theater Osnabrück „Kommt eine Wolke“ beeindruckte im Emma-Theater

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Schauen panisch nach der Wolke: Soheil Emanuel Boroumand als Gonne, David Krzysteczko als Fiete und Johanna Franke als alte Stine. Foto: Philipp HülsmannSchauen panisch nach der Wolke: Soheil Emanuel Boroumand als Gonne, David Krzysteczko als Fiete und Johanna Franke als alte Stine. Foto: Philipp Hülsmann

ubk Osnabrück. Als gelungene Oskar-Produktion ging am Samstag die Uraufführung des Jens-Raschke-Stückes „Kommt eine Wolke“ im Emma-Theater über die Bühne.

„In Windeseile wird sie wachsen und wachsen, sie wird andere Wolken herbeirufen, Zorneswolken, unter denen alles zerbricht und zerschellt.“ Mit schwacher Stimme beschwört die alte Stine (Johanna Franke) ein Horror-Szenario herauf, das sich schon bald vor ihrem Fenster abspielen wird. Panisch blicken ihre Gefährten Gonne (Soheil Emanuel Boroumand) und Fiete (David Krzysteczko) nach draußen – und damit direkt ins Publikum. In ihren kurzen Hosen und mit dem Sand an ihren Schuhen wirken sie trotz des Winters wie sommerliche Strandläufer. Doch weil die Haustür von den Dorfbewohnern zugenagelt wurde, können Stine, Gonne und Fiete nicht hinaus, um die Menschen vor der drohenden Sturmflut zu warnen.

„Kommt eine Wolke“ – die als Warnung und Kinderlied verwendete Floskel ist auch der Titel des neuen Jens-Raschke -Stückes, das am Samstag als berührende Oskar-Produktion im Emma-Theater uraufgeführt wurde. In dem vom Theater Osnabrück in Auftrag gegebenen und von der Franz-und-Ursula-Coppenrath-Stiftung geförderten Werk verarbeitete der Kieler Autor Jens Raschke eine alte Nordseesage zu einem 60-minütigen Theaterstück für ein Publikum ab acht Jahren.

Gespür für sensible Themen

Regisseur Ramin Anaraki, der bereits 2016 in Osnabrück das Raschke-Stück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ inszeniert hatte, bewies mit Dramaturg Jens Peters sein Gespür für sensible Themen. Denn bei Stine handelt es sich im Grunde um eine alte, vereinsamte Außenseiterin, für die ihre im Meer ertrunkenen Kindheitsgefährten wieder lebendig geworden sind. Wie lebendig Gonne und Fiete sind, demonstrierten die beiden neuen Oskar-Spieler Soheil Emanuel Boroumand und David Krzysteczko, wenn sie vor Kälte auf der Stelle liefen, Purzelbäume schlugen oder sichtbare Atemwolkem in die Luft pusteten.

Ebenso anrührend agierte Stine-Darstellerin Johanna Franke, wenn sie sich in gebeugter Haltung und mit zittriger Hand zum kleinen Herd schleppte, über die Gemeinheiten der Nachbarn lamentierte, die sie am Ende dennoch retten musste. Kostüme und Greisinnenmaske stammten ebenso von Linda Schnabel wie das Bühnenbild, das von einem Lattenkonstrukt beherrscht wurde: Als Stines Haus konnte es von den Spielern bei Bedarf in drei Teile auseinander gezogen, verstellt und verschoben werden. Blaue Meereswellen und rötliches Feuergeflacker erschienen wiederum als Projektionen auf der Hauswand (Video: Melanie Kintzinger).

Ansonsten spielte sich die drohende Naturkatastrophe in den Dialogen und damit in den Köpfen der Zuschauer ab – gerade so, wie auch Gonne und Fiete einzig in Stines Kopf existierten.


Weitere Aufführungen im September am 18., 19. und 27.9., jeweils um 9.30 und 11.30 Uhr im Emma-Theater.

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