In ganz Deutschland verbreitet Was der Nachname Kern mit Dinkelgetreide zu tun hat

Von Winfried Breidbach

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Osnabrück In der Familie unserer Leserin Kathrin Kern vermutet man eine Herkunft des Familiennamens aus dem holländischen Gebiet, da einige der Vorfahren aus den Niederlanden stammen.

Mit etwa 46.000 Personen ist Kern ein sehr häufiger Nachname, der in allen Regionen Deutschlands anzutreffen ist. Besonders konzentriert tritt der Name im Süden auf, wo in den Ländern Baden-Württemberg und Bayern mehr als 50 Prozent der Namensträger leben. Auch in den Nachbarländern Frankreich, Österreich und Schweiz wird der Name Kern von jeweils mehreren Tausend Personen getragen. Deutlich seltener ist Kern in Polen, in den Niederlanden und in Tschechien. Bis auf die sehr seltenen Namensformen Kernn und Keern gibt es keine Namenvarianten.

Der Name Kern konnte auf mehreren Wegen entstehen. Im Süden wurde das Wort Kern als Benennung von Getreide verwendet, wobei man insbesondere die früher sehr wichtige Getreideart Dinkel (lateinisch Triticum) als „Kern“ bezeichnete. Der mit dem Getreidenamen Kern identische Familienname entstand als indirekter Berufsname für den Bauern, der Dinkel anbaute, oder für den Getreidehändler.

Das mittelhoch- und mittelniederdeutsche Wort kerne, kern „Kern“ hatte früher weitgehend die gleichen Bedeutungen wie heute. Sehr verbreitet waren übertragene Bedeutungen, die vor allem auf Menschen mit guten Eigenschaften angewendet wurden. Heute zum Teil noch verwendete Eigenschaftswörter wie kernbrav, kerngesund, kerngut, kerntreu erinnern an die mit dem Begriff „Kern“ verbundenen Vorstellungen. Der Beiname „Kern“ wurde an Menschen verliehen, die man als besonders tüchtig, als durch und durch solide oder zuverlässig, oder als „kernig“, kräftig, unerschütterlich ansah. Entstand der Familienname auf der Basis des Wortes Kern, liegt ein lobender Übername vor.

Da es im deutschen Sprachgebiet auch drei Siedlungen namens „Kern“ gab (je eine im Rheinland, in Schlesien und in Oberösterreich), konnte der Name im Umkreis dieser Orte auch als Herkunftsname entstehen. Diese Herleitung des Familiennamens scheint insbesondere auf Niederschlesien zuzutreffen, wo der Name Kern in der Nähe des Ortes Kern (heute Kartno) im ehemaligen Kreis Grünberg (heute Zielona Góra) recht häufig war.

Belege: 1225 „Hainr. Kerne“ (Villingen), 1255 „Wernherus Kerne“ (Buchau), 1280 „Oudalricus Kern“ (Freiburg), 1300 „Nikolaus Kerne“ (Lübeck), 1323 „Albertus Kerne“ (Straßburg), 1333 „Rulo Kerne“ (Arnsburg), 1335 „Heinrich Kerne“ (Limburg), 1363 „Bertold Kern“ (Nürnberg), 1395 „Tile Kern“ (Burg bei Magdeburg).


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