Soundtrack für das Kopfkino Leech erzeugen Klanglandschaften in Kleiner Freiheit

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Cineastische Instrumentalmusik präsentierte die Schweizer Formation Leech in der Kleinen Freiheit. Foto: Thomas OsterfeldCineastische Instrumentalmusik präsentierte die Schweizer Formation Leech in der Kleinen Freiheit. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Wenn Stimmen stören würden: Mit rein instrumentalen Sets ließen die Schweizer Bands Egopusher und Leech in der Kleinen Freiheit ihre Musik für sich sprechen.

Seit mehr als 20 Jahren experimentiert die Formation Leech so unkonventionell mit Klängen und Rhythmen, dass sie das Etikett Post-Rock aufgedrückt bekommen hat. Eine Ahnung davon, was damit gemeint sein könnte, bekamen die Zuhörer am Freitagabend in der Kleinen Freiheit, wo das derzeit fünf Mann starke eidgenössische Musikprojekt zu einer spannungsreichen Fahrt durch Klanglandschaften einlud. 

Auch optisches Schauspiel

Fein klirrende Gitarren spazierten dabei diszipliniert auf einem ausladenden Keyboardteppich, der seinerseits mit Marimbaphon- und Schlagzeugapplikationen verziert wurde. Mitunter griff der Tastenmann aber auch in die Basssaiten, um sie im cineastischen Breitwandsound hypnotisch perlen zu lassen. Dabei lieferte er gemeinsam mit seinen beiden Mitspielern an den Gitarren auch ein optisches Schauspiel. Denn das Trio schien eins zu werden mit seinen Instrumenten und bewegte sich unbewusst synchron zur Musik. 

Publikum in Trance versetzt

Die zeichnete sich mitunter auch durch betörende Melodieschleifen aus und erinnerte zuweilen an die enigmatischen, nebulös-düsteren New Wave- und Post-Punk-Sounds der frühen Achtzigerjahre. Sphärisch ließen Leech etwa „Echolon“ durch den Raum wabern. Mit wechselnden Klangfarben wurden verschiedene Songtopographien lustvoll ausgelotet, die das Publikum dazu animierten, sich nahezu tranceartig in ihnen zu verlieren. Ein Soundtrack für ein Roadmovie im Kopf, in dem Landschaften vorbeiziehen, Horizonte und Assoziationsspielräume sich öffnen und der Blick auf scheinbar unendlich Weiten freigegeben wird. Erst als Leech sich vor der „inspirierenden“ Zugabe mit „Hell 8“ verabschiedeten, waren dann doch ein paar Worte zu vernehmen – wenn auch nicht gesungen, sondern nur gesampelt und gesprochen. 

Vibrierende Freiheit

Bewusst ganz ohne Gesang kam zuvor auch das ebenfalls aus der Schweiz stammende Duo Egopusher aus, das mit der ungewöhnlichen Kombination aus Violine und Schlagzeug für musikalische Spannung sorgte. Gelegentlich wurde dabei das Saiteninstrument unter den Arm geklemmt, um die Hände frei zu haben für Keyboards und Percussion. Dazu versetzten tief in die Magengrube fahrende Elektrobeats den Boden der Freiheit in Vibrationsalarm – und bereiteten ihn vortrefflich für den Hauptact.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN