Anpacken am 29. September Freiwillige vor: Osnabrück gehen die Projekte aus

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Osnabrück. Nach drei Jahren findet am 29. September wieder ein Freiwilligentag in Osnabrück statt, aber die Veranstalter haben ein Problem. Viele soziale Einrichtungen, Schulen oder Vereine sehen sich außerstande, Projekte für das große Gemeinschaftserlebnis anzubieten. Das liegt aber nicht am Engagement der Helfer.

Ein Hochbeet für die Kindergruppe Fliegenpilz anlegen, alte Menschen zur Landesgartenschau in Bad Iburg begleiten oder am Trockenrasen im Naturschutzgebiet Bröckerweg den Müll einsammeln – das sind Projekte, für die am 29. September Freiwillige gesucht werden. Es gibt auch sehr originelle Aktionen für ehrenamtliche Spezialisten. „Das Blaulicht soll glänzen“, heißt es etwa beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Dessen Rettungsfahrzeuge brauchen eine Reinigung von innen und außen. Und beim Verein Katzenleben kann, wer will, Überzieher für Transportboxen nähen.

Bis zu 350 Ehrenamtliche haben sich bisher an den Freiwilligentagen beteiligt. Raphael Dombrowski von der Freiwilligen-Agentur ist zuversichtlich, dass auch in diesem Jahr wieder viele Menschen bereit sind, für einen Tag ihre Arbeitskraft einzubringen. Neben Oberbürgermeister Wolfgang Griesert ruft wie immer die Sopranistin Ulla Weller als Schirmherrin zur Teilnahme auf. Und eine Reihe von Sponsoren sorgt dafür, dass die materiellen Voraussetzungen gegeben sind, damit sich das ehrenamtliche Engagement entfalten kann.

„Kräftemäßig nicht hingekriegt“

Etwas ist in diesem Jahr aber anders. Seit dem letzten Freiwilligentag sind nicht, wie in der Vergangenheit jeweils zwei, sondern drei Jahre vergangen. Und die Zahl der Projekte ist geschrumpft. Beim ersten Einsatz 2007 konnten die Helfer noch unter 36 Aktionen auswählen, in diesem Jahr nur noch unter 24. Und darin sind schon zwei Projekte enthalten, die von der Freiwilligen-Agentur selbst auf die Beine gestellt wurden.

Wie kommt dieser Schwund zustande? An den Freiwilligen liege es nicht, sagt Ulrich Freisel, der Leiter der Freiwilligen-Agentur. Aber den Hauptamtlichen in Schulen und sozialen Einrichtungen falle es zunehmend schwer, die Projekte vor- und nachzubereiten. Eine Umfrage unserer Redaktion in verschiedenen Einrichtungen bestätigt diese Einschätzung.

Die Don Bosco Jugendhilfe war in der Vergangenheit mehrmals dabei. Zum Beispiel 2013 mit einem Ausflugsprojekt. In diesem Jahr fehlt die Jugendhilfeorganisation im Programm. „Wir haben das kräftemäßig nicht hingekriegt“, sagt Christoph Flegel, der Leiter der Einrichtung. Der Freiwilligentag sei eine „Super-Sache“, aber mit dem Einsatz der ehrenamtlichen Helfer sei es ja nicht getan. „Ein gutes Stück Arbeit“ sei notwendig, um ein Projekt vor- und nachzubereiten. Parallel müssten aber immer noch viele andere Aufgaben bewältigt werden, so dass die Zeit einfach fehle.

Viel Arbeit, keine Zeit

Ähnlich wird es in der Grundschule am Schölerberg gesehen. 2009 packten Freiwillige mit an, um den Schulgarten neu zu gestalten, 2011 bauten sie eine Gartenhütte. Doch in diesem Jahr ist die Schule nicht dabei, obwohl es durchaus einiges zu tun gäbe. In der Vergangenheit habe vieles nachgearbeitet werden müssen, sagt Schulleiterin Anne Goecke. Jetzt konzentrierten sich die verfügbaren Kräfte auf die Umstellung zur Ganztagsschule.

Für die Freiwilligen-Agentur ist es bitter, dass das Engagement ehrenamtlicher Kräfte durch die Arbeitsverdichtung und den Zeitmangel der Hauptamtlichen nicht voll zur Geltung gebracht werden kann. Obwohl schon geraunt wird, der 6. Freiwilligentag könnte zumindest in dieser Form der letzte sein, wollen Veranstalter und Sponsoren nicht nachlassen, für das Gemeinschaftserlebnis am 29. September zu trommeln. Ehrenamtliche Arbeit mache glücklich, sagt Oberbürgermeister Griesert, und glückliche Menschen lebten länger. Wenn einzelne Träger in diesem Jahr auch passen müssten, gebe es doch immerhin 24 Aktionen, an denen sich Menschen sinnvoll einbringen könnten, heißt es bei der Freiwilligen-Agentur.

„Wenigstens einen Apfelbaum pflanzen“

Von Anfang an dabei ist die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzjugend Tecklenburger Land mit ihrer Jugendabteilung, und zum Erstaunen mancher Zaungäste geht es dabei stets um Projekte in Osnabrück. In diesem Jahr stehen Arbeiten an Fließgewässern auf dem Programm. Koordinator Friedhelm Scheel freut sich über den großen Zuspruch, den seine Gruppe bei allen bisherigen Veranstaltungen erfahren hat, und er ist zuversichtlich, dass sich auch in diesem Jahr viele Freiwillige bereitfinden, in den Naturschutz hineinzuschnuppern.

Scheel findet aber, dass sich mehr Einrichtungen an den Aktionen beteiligen sollten, um „wenigstens einen Apfelbaum auf dem Schulhof zu pflanzen.“ Mehr Engagement wünscht sich der Naturschützer auch vom Oberbürgermeister. Wenn Griesert einmal bei der Abschlussveranstaltung auftauchen und von Tisch zu Tisch gehen würde, dann wäre das sicherlich ein Motivationsschub für viele.


Das geht ab am 29. September

Unter 24 Projekten können ehenamtliche Helfer am diesjährigen Freiwilligentag wählen. Gearbeitet wird in der Regel zwischen 10 Uhr und 16.30 Uhr, ab 18 Uhr findet für alle Teilnehmer eine Dankeschönparty statt. Das geht ab am 29. September:

1. Die Wände des Gruppenraums neu gestalten ( Aids-Hilfe)

2. Fitness- und Freizeitraum für eine WG herrichten (Heilpädagogische Hilfe)

3. Fahrradständer bauen (Kirchengemeinde Christus König)

4. Aus Oberhemden hochwertige Taschen (Möwe)

5. Katzenspielzeug und Transportboxenüberzieher herstellen (Verein Katzenleben)

6. Einen Sinnesgarten anlegen (Caritasverband)

7. Handspielpuppen herstellen ( Mütterzentrum)

8. Marmelade kochen und Brötchen backen (SSB Seniorenzentrum Lüstringen)

9. Ein Hochbeet anlegen (Kindergruppe Fliegenpilz)

10. Aufbau fürs Familienfest vom Projekt „Freizeit für Flüchtlingskinder“ (Verein Exil)

11. Bau von mobilen Bücherregalen (Bürgerverein Katharinenviertel)

12. Bau einer Grillecke in Hellern (Haus am Schlehenbusch)

13. Die Fahrzeuge des ASB gründlich reinigen (Arbeiter-Samariter-Bund)

14. Bau einer Gartentoilette in Gretesch (Energiebahn)

15. Bau eines Gewächshauses in der Schrebergartenanlage Gretesch (Energiebahn)

16. Naturschutzaktionen an der Nackten Mühle (Lega S Jugendhilfe)

17. Gehölzschnitt und Müll sammeln im Naturschutzgebiet Bröckerweg (NABU)

18. Hochbeete am Schölerberg erneuern (Mütterzentrum)

19. Ein Hausmeisterhaus wird zum Gartenhaus (Möwe und Drei-Religionen-Grundschule)

20. Alte Menschen zur Landesgartenschau begleiten (Haus Dorette)

21. Stadtrallye mit Geflüchteten (CDU)

22. Naturschutzaktionen an Fließgewässern in Osnabrück (Naturschutzjugend Tecklenburger Land)

23. Dokumentation des Freiwilligentages (Freiwilligen-Agentur)

24. Bewirtung am Freiwilligentag (Freiwilligen-Agentur)

Weitere Informationen und Anmeldung im Internet unter www.osnabrueck.de/freiwilligentag. Die Freiwilligen-Agentur hat ein Büro an der Bierstraße 32 a und ist unter Telefon 0541/3233105 erreichbar.

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