Schmerzmittel wird knapp So reagieren Osnabrücker Apotheken auf den Lieferengpass bei Ibuprofen

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Lieferengpässe bei Medikamenten wie dem Schmerzmittel Ibuprofen treffen auch die Apotheken in der Stadt Osnabrück. Foto: Ole Spata/dpaLieferengpässe bei Medikamenten wie dem Schmerzmittel Ibuprofen treffen auch die Apotheken in der Stadt Osnabrück. Foto: Ole Spata/dpa

Osnabrück. Der Lieferengpass beim Schmerzmittel Ibuprofen trifft auch die Apotheken in der Stadt Osnabrück. Wir haben nachgefragt, wie sie damit umgehen – und ob ihre Kunden sich Sorgen machen müssen.

„Ja, es gibt einen Lieferengpass beim verschreibungspflichtigen Ibuprofen 600“, sagt Apotheker Alexander von Handorff, Leiter der Apotheke am Marienhospital (MHO) inmitten von Osnabrück. Der sei allerdings schon länger absehbar gewesen. „Sorgen machen, dass es ab jetzt keinerlei Medikamente mehr gibt, müssen sich die Patienten nicht, denn wir haben einen Puffer geschaffen. Unsere Apotheke liegt in direkter Nähe zur Notfallambulanz, daher müssen wir diverse Schmerzmittel vorrätig haben.“

Generell laufe es so, dass das Bestellsystem der Apotheke am MHO automatisch beim Großhändler nachbestellt, wenn das Ende des Medikamentenvorrats absehbar ist. „Normalerweise ist man damit gut versorgt“, so von Handorff. Im aktuellen Fall bestelle die Apotheke das Schmerzmittel aber auch direkt beim Hersteller. „Es gibt Kontingentierungen für die Großhändler, daher ergibt es Sinn, auch die Hersteller zu kontaktieren, um an die Ware zu kommen, die nicht an die Großhändler abgegeben wurde.“ Zu Gute kommen der Apotheke ihre langen Öffnungszeiten bis 22 Uhr: „Wenn wir abends sehen, dass es einen neuen Bestand gibt, können wir den gleich schon bestellen und nicht erst am nächsten Morgen.“

Auch Engpässe bei anderen Medikamenten

Eklatanter könnte sich ein Lieferengpass allerdings bei seltener eingesetzten Medikamenten – beispielsweise bestimmten Antibiotika oder Herzmedikamenten – auswirken: „Da kann es schneller zu Engpässen kommen, denn sowas hat man nicht automatisch in mehrfacher Ausführung im Lager liegen“, sagt Anneliese Ostermann von der Röthebach-Apotheke in Schinkel-Ost. „Wir beobachten diese Engpässe schon seit Monaten. Manche Medikamente sind tagelang nicht lieferbar – selbst wenn man direkt beim Hersteller anfragt.“

Zudem bedeute der Engpass auch einen Mehraufwand für die Apotheken: „Sollte die verschriebene Größe nicht vorhanden sein, müssen wir mit dem Arzt Rücksprache halten.“ Dieser könnte dann einer anderen Packungsgröße zustimmen. Im Notfall müsse der Patient auf ein anderes Medikament ausweichen. Allerdings könne nicht automatisch auf jedes lieferbare Medikament zurückgegriffen werden, sagt Ostermann, denn nicht jedes Ausweich-Medikament werde von der Krankenkasse auch übernommen. (Weiterlesen: Ibuprofen wird knapp: Was sind Alternativen und wie wirken sie?)

Trotzdem sind sich die angefragten Apotheker einig, dass der Lieferengpass beim Schmerzmittel ihre Kunden erst einmal nicht verunsichern muss: „Wir bestellen so oft wie möglich nach und es gibt diesen Engpass auch nur beim verschreibungspflichtigen Ibuprofen 600 und nicht beim 400-Milligramm-Wirkstoff“, so von Handorff.

Warum gibt es einen Lieferengpass?

Ibuprofen gehört mit 27 Millionen Verordnungen auf Rezept sowie 51 Millionen verkauften Packungen in der Selbstmedikation zu den am meisten verkauften Schmerzmitteln in Deutschland. Aber nur sechs Fabriken stellen das Medikament für den gesamten Weltmarkt her. Seit im BASF-Werk in Bishop im US-Bundesstaat Texas die Produktion des Wirkstoffs wegen technischer Probleme eingestellt wurde, fehlen quasi 17 Prozent des Wirkstoffes. Dieser Stillstand könnte aufgrund technischer Probleme bis zu drei Monate andauern. Nach Angaben von Magdalene Linz, der Präsidentin der Apothekerkammer in Hannover, bestehe seit Juni daher schon ein Engpass, der wohl noch bis Ende 2018 anhalten könne.

Eine weitere Ursache für den Lieferengpass liege aber auch bei den zwischen ausgesuchten Herstellern und Krankenkassen abgeschlossenen Arzneimittel-Rabattverträgen, vermutet Apothekerin Anneliese Ostermann. Krankenkassen übernehmen nur für die von diesem Pharmaunternehmen hergestellten Medikamente eine Kostenübernahme. Andere Unternehmen, die keinen Vertrag mit der Krankenkasse abgeschlossen haben, stellen ihre Produktion ein, weil sie nicht mehr wirtschaftlich ist. Kommt es dann noch zu Ausfällen bei den Herstellern – wie jetzt bei Ibuprofen 600 – kann daraus schnell mal ein Engpass werden.


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