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Erstes eigenes Buch gedruckt Osnabrücker Studentin verfasst Masterarbeit über Druckwerkstatt


Osnabrück. Diktate, Hausaufgaben, Klassenarbeiten – für Grundschüler sind diese Dinge täglich Brot, großen Spaß machen sie allerdings nicht. Ganz anders sieht das Stimmungsbild jedoch aus, wenn man sie gemeinsam ein Buch schreiben lässt, sie es dann von Hand mit Lettern setzen und mit dicken Druckwalzen über die Buchstaben rollen dürfen. Dann sind die Acht- und Neunjährigen nämlich in ihrem Element: Sie haben alles selbst in der Hand, organisieren die Arbeitsteilung und haben etwas im Blick: ihr eigenes Buch. Christina Müller von der Uni Osnabrück hat ihre Masterarbeit über dieses gelungene Projekt geschrieben.

Drei Monate hat die Lehramtsstudentin der Universität Osnabrück dafür in der Druckwerkstatt der Musik- und Kunstschule verbracht und die Klasse 3a der Rosenplatzschule Schritt für Schritt bei den Aufgaben für ihr eigenes Buch begleitet. Was nehmen die Schüler durch so ein Projekt mit? Was lernen sie durch die Schülerdruckerei?

Die 27-Jährige holt tief Luft, ehe sie ihre vielen Erkenntnisse aufzählt, und lacht erst mal: „Also ich bin wirklich total infiziert von diesem Projekt. Es ist einfach fantastisch, deshalb kann ich jetzt auch nur positive Sachen sagen.“ Eigentlich sei es ja bei einer Forschungsarbeit wie der Masterarbeit durchaus erwünscht, auch Schattenseiten eines Projektes aufzuzeigen. „Das fiel mir aber wirklich wahnsinnig schwer. Ich habe einfach nur positive Erfahrungen gemacht.“

Angefangen beim besseren Zugang zum Medium Schrift bis hin zur Selbstorganisation. Wobei die angehende Grundschullehrerin sich gar nicht sicher ist, ob es damit tatsächlich aufhört. Das Potenzial, das sie in der Schülerdruckerei sehe, sei wirklich sehr groß.

Aus den hölzernen Boxen suchen sich die Grundschüler vor dem Setzvorgang zum Beispiel winzige Lettern heraus, um sie anschließend in ihrem Setzrahmen in korrekter Reihenfolge einzufügen. Bereits hier warten die ersten Stolpersteine, die letztendlich aber für einen großen Lernerfolg bei den Schülern sorgen, sagt Müller: „Vor allem zu Anfang hatten wir bei fast allen Schülern das Problem, dass sie ein „d“ gebraucht haben und ein „b“ benutzt haben.“ Die Ähnlichkeit ist verblüffend – vor allem, wenn man spiegelverkehrt mit den Lettern arbeiten muss. Die Drittklässler müssen sich immer an der Kerbe am unteren Rand der Lettern orientieren. Mit der Zeit hatten sie den Dreh raus, korrigierten sich gegenseitig und hatten sich ganz nebenbei so intensiv mit Buchstaben und Wörtern auseinandergesetzt wie bislang wohl nie zuvor.

„Die Rechtschreibung verbessert sich eindeutig durch die Arbeit in der Druckwerkstatt“, erläutert Müller. Durch den selbst geschriebenen Text, den die Schüler in der Klasse zu einem bestimmten Thema verfasst haben, arbeiten sie über mehrere Wochen mit einem bestimmten, eingegrenzten Vokabular, das sie sich nach und nach immer mehr einprägen. Und dann ist da noch die besondere Rolle der Hände. „Da die Kinder jeden einzelnen Buchstaben mit der Hand setzen, verinnerlichen sie die Wörter noch besser.“ Der Weg des Verstehens führe so quasi „von der Hand in den Kopf“, besser könne es nicht sein. Das sage auch die Literatur, die sie für ihre Masterarbeit gesichtet habe. Übrigens auch schon für die Bachelorarbeit. Denn Cristina Müller arbeitet nicht zum ersten Mal am Thema freie Textgestaltung in der Grundschule. Bereits in ihrer Bachelorarbeit ging es darum, jedoch stand, so wie es typisch ist, nicht die eigene Forschung, sondern die Literatur im Mittelpunkt. Den Reformpädagogen Celestin Freinet, der bereits 1924 mit seinen Schülern erstmals in einer Schülerdruckerei arbeitete, hatte sie also schon intensiv bei ihrer ersten Arbeit kennengelernt. Durch den Kontakt zu Manfred Blieffert, dem stellvertretenden Leiter der Musik- und Kunstschule, ergab sich nun auch die Möglichkeit, das Thema in der Masterarbeit selbst forschend anzugehen. Genau die vielen positiven Thesen, die sie vom Reformpädagogen Freinet und anderen Wissenschaftlern über die Schülerdruckerei als Medium für die freie Textarbeit in der Grundschule zusammengetragen hat, konnte sie nun in Osnabrück überprüfen und bestätigen.

Für Christina Müller, die neben ihrem Studium seit mehreren Jahren als pädagogische Mitarbeiterin an der Grundschule in Atter arbeitet, ist das Thema Schülerdruckerei aber mit der Masterarbeit nicht vorbei: Ehrenamtlich arbeitet sie weiter dort mit – vielleicht auch eines Tages mit einer eigenen Schulklasse.


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