Parklet in der Dielingerstraße So geht es mit der Posse um Parkplätze und Paletten in Osnabrück weiter

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Seit einem halben Jahr ruht das Parklet-Projekt in der Dielinger Straße. Jetzt soll endlich Bewegung in die Sache kommen. Foto: Michael GründelSeit einem halben Jahr ruht das Parklet-Projekt in der Dielinger Straße. Jetzt soll endlich Bewegung in die Sache kommen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Aus einem Parkplatz einen Ort zum Sitzen und Verweilen machen – das ist das Ziel eines Projekts in der Osnabrücker Innenstadt. Rund ein Jahr nach dem Start ist außer Absperrbaken davon jedoch nicht viel zu sehen. Jetzt soll endlich Bewegung in die Sache kommen.

Konkret geht es um die Umwidmung zweier Parkplätze an der Dielinger Straße zu einem sogenannten Parklet – einer Sitzgelegenheit im öffentlichen Raum mit Aufenthaltsqualität. Das Vorhaben startete vor rund einem Jahr und ist Teil des Projekts "Mobile Zukunft" von Stadt und Stadtwerken Osnabrück. Doch die Sitzgelegenheiten, gefertigt aus einfachen Europaletten, sind nach einem mehrmonatigen Intermezzo bereits seit dem Frühjahr aus dem Straßenbild verschwunden. Seither ist die Fläche abgesperrt und ungenutzt.

Irritierende Antwort der Verwaltung

Die Situation sorgt für Klärungsbedarf in der Osnabrücker Lokalpolitik: So hatte der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) unlängst wissen wollen, welche Kosten für das Projekt bislang entstanden sind und welche noch folgen. Die Antwort der Verwaltung ließ aufhorchen: "Gestaltung, Entsorgung Paletteninstallation, Bauliche Absperrung und Planung fallen unter das ,laufende Geschäft der Verwaltung' und sind somit nicht durch Stundenzettel erfasst. Die Umsetzungskosten liegen hier bei 12.627,03 Euro brutto (10.610,08 Euro netto)." 

Parkplatz wird nun neugestaltet

12.000 Euro für Europaletten, deren Aufbau und Entsorgung? In den vergangenen Tagen sorgte die Antwort der Verwaltung für Irritationen. Was wie ein Fall für den Bund der Steuerzahler klingt, ordnet Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer auf Nachfrage unserer Redaktion ein: "Die Summe von rund 12.000 Euro bezieht sich ausschließlich auf die Planung, Gestaltung und Umsetzung des neuen Parklets." Laut Hörmeyer wird der ehemalige Parkplatz in den kommenden Wochen komplett umgekrempelt. Geplant ist eine "hochwertige Installation mit Fahrradanlehnbügeln, Sitzmöglichkeiten und Stelen, die durch die Gestaltung, Anordnung und Formensprache sowie die Materialauswahl zudem einen besonderen künstlerischen Anspruch verfolgt." Zielsetzung sei es, sowohl eine Verbindung zum benachbarten Felix-Nussbaum-Haus herzustellen, als auch die von Beginn an gewünschte Aufenthaltsqualität sicherzustellen.

Seine besseren Tage hat das Schild hinter sich, das einst das dauerhafte Parklet ankündigte. Foto: Michael Gründel

Ein Teil der BOB-Anfrage blieb also unbeantwortet – nämlich wie viel Kosten der bisherige Aufbau verursachte. Als über das Projekt im Mai vergangenen Jahres im Rat entschieden wurde, hatte sich die CDU/BOB-Fraktion für eine Evaluation des Projekts stark gemacht. Nach einem Jahr sollten Erfahrungen gesammelt und nochmals im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert werden. Allerdings wurde der Antrag seinerzeit mehrheitlich von der Regenbogenkoalition abgelehnt. "Wir haben uns dafür ausgesprochen, erst einmal zu schauen, ob der Bedarf vorhanden ist und das Parklet angenommen wird. Erst danach kann doch ein Fazit gezogen werden", sagt Steffen Grüner, der für den BOB als hinzugewähltes Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss sitzt. Für ihn besitzt das Projekt zwar eine gute Intention. Die mangelhafte Umsetzung habe aber jetzt zu einem kleinen Debakel geführt.

Entgangene Parkgebühren als Kritikpunkt

Kritisch sieht Grüner neben der Kostenfrage für den Umbau auch den dauerhaften Wegfall von Parkeinnahmen in den vergangenen Monaten. Seit dem Frühjahr stehe die Fläche weder als Parklet noch als Parkplatz zur Verfügung, sondern werde lediglich mit Baken abgesperrt. Zu den dadurch entgangenen Kosten machte die Verwaltung auf BOB-Anfrage keine Angaben. Grüner schätzt jedoch, dass dem städtischen Haushalt rund 30 Euro an Parkgebühren pro Tag entgingen.

Prozess hat "mehr Zeit in Anspruch genommen"

Dass die Parkplatzfläche zumindest zeitweise nicht wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt wurde, hat laut Hörmeyer einen Grund: "Der gesamte Prozess hat leider mehr Zeit in Anspruch genommen als ursprünglich geplant, da mehrere Fachbereiche bei der Stadt einbezogen worden sind, um die jetzige Lösung zu finden. Eine zwischenzeitliche Rücknutzung als Parkplatzfläche hätte einen größeren organisatorischen Aufwand erfordert, so dass wir uns gemeinsam dazu entschlossen haben, den Zustand beizubehalten", sagt der Stadtwerke-Sprecher.

Brigitte Keidel ist alles andere als glücklich mit der momentanen Situation vor ihrem Laden. Foto: Michael Gründel

Alles andere als glücklich mit dem Zustand ist Brigitte Keidel von Zweirad Röwer. Vor ihrem Laden befinden sich die beiden ehemaligen Parkplätze, die nun schon seit Monaten ihr Dasein als ungenutzter Raum fristen. Ursprünglich war Keidel angetan von der Idee, einen Raum mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. "Dass hier für die Bürger etwas entstehen sollte, war eine gute Idee. Aber dass sich hier schon so lange nichts tut, ist doch merkwürdig." Von der Stadt oder den Stadtwerken habe es in den vergangenen Monaten keine Informationen gegeben, was vor ihrem Laden geplant ist. Einzig als sie Räder zu Ausstellungszwecken auf die gesperrte Fläche stellte, gab es seitens der Stadt eine Regung: Keidel flatterte prompt ein Knöllchen in den Briefkasten.

Unglücklicher Start

Im Rückblick erwischte das Parklet-Projekt in gewisser Weise schon einen eher unglücklichen Start: Die Sitzgelegenheiten bestanden aus miteinander verbundenen Europaletten, die mit grünen Filzmatten überzogen waren und bei vielen Osnabrückern nicht gerade einen hochwertigen Eindruck hinterließen. Allerdings war die Konstruktion von vornherein auch nur als Provisorium vorgesehen. Zum Verhängnis wurde den Aufbauten, dass sie später als ursprünglich geplant erst im Herbst 2017 installiert wurden und schnell die Osnabrücker Witterung zu spüren bekamen. Zudem setzte den Möbeln offenbar gezielter Vandalismus zu.

Entwidmeter Parkplatz, auf dem nicht geparkt werden darf. Diese Situation gibt es nun schon seit einem halben Jahr. Foto: Michael Gründel

Im Frühjahr 2018 war es schließlich um die Möbel geschehen: Der Osnabrücker Servicebetrieb räumte die Paletten ab und entsorgte sie, weil sie mittlerweile vor allem durch Beschädigungen zu einer Gefahr für Passanten und Verkehrsteilnehmer geworden waren. "Die Erfahrungen, die wir mit dem Paletten-Provisorium gemacht haben – insbesondere der Vandalismus –, haben uns dazu bewogen, nun eine hochwertigere Dauerlösung herbeizuführen", sagt Hörmeyer.

Keine Werbung für das Projekt

Seit dem Abbau der Paletten scheint sich jedoch niemand so richtig um die Fläche gekümmert zu haben: Absperrungen vermitteln den Eindruck einer Baustellensituation – für viele Osnabrücker ein allzu vertrautes Bild. Das Schild, das einst auf die Einrichtung eines dauerhaften Parklets hinwies, ist vom Laternenpfahl gefallen und fungiert momentan in erster Linie als Schmutzfänger auf dem Bürgersteig – keine Werbung also für das Vorhaben, das doch eigentlich die Aufenthaltsqualität erhöhen soll.


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