Der Blick nach draußen „Kommt eine Wolke“ im Osnabrücker Emma-Theater

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Samstag ist Oskar-Premiere von „Kommt eine Wolke“. Zu sehen sind Linda Schnabel, Ramin Anarakt, Autor Jens Raulke, Petra Coppenrath (Stiftung), Jens Peters und Intendant Ralf Waldschmidt). Foto: Jörn MartensSamstag ist Oskar-Premiere von „Kommt eine Wolke“. Zu sehen sind Linda Schnabel, Ramin Anarakt, Autor Jens Raulke, Petra Coppenrath (Stiftung), Jens Peters und Intendant Ralf Waldschmidt). Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mit der Vorbereitung zur Uraufführung der Oskar-Produktion „Kommt eine Wolke“ am kommenden Samstag verarbeiteten Regisseur Ramin Anaraki und Autor Jens Raschke eine alte Sage zu einer Oskar-Produktion. 

Die alte Stine lebt mutterseelenallein in einem kleinen Haus und kann das bunte Treiben auf dem zugefrorenen Meer nur von ihrem Fenster aus verfolgen. Als sie eine kleine Wolke aufs Ufer zuschweben sieht, erkennt sie gleich die drohende Unwetter-Gefahr und überlegt fieberhaft, wie sie die feiernden Menschen auf dem Eis warnen kann. 

Aus dieser Grundstory, die auf eine alte Husumer Sage basiert und schon Hans Christian Andersen zu seinem Märchen „Etwas“ inspirierte, entwickelte der Kieler Autor Jens Raschke im Auftrag des Theaters Osnabrück das Stück „Kommt eine Wolke“.

Am kommenden Samstag findet die Uraufführung dieser einstündigen Oskar-Produktion für ein Publikum zwischen acht und zwölf Jahren um 16 Uhr im Emma-Theater statt. Dass diese Auftragsarbeit zustande kam, ermöglichte eine Förderung der Franz-und-Ursula-Coppenrath-Stiftung aus dem emsländischen Geeste. Die Regie für das Stück liegt in den Händen von Ramin Anaraki, der bereits 2016 Jens Raschkes preisgekröntes Stück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ im Emma-Theater erfolgreich auf die Bühne gebracht hat. 

Wie aber aus einer Sagen-Vorlage mit alter Frau als alleiniger Protagonistin ein Stück für das dreiköpfiges Oskar-Ensemble konzipieren? Hatte Jens Raschke anfangs an eine Geschichte mit Gewissens-Einlagen nach dem Prinzip „Engelchen und Teufelchen“ gedacht, entwickelte er die Geschichte schlussendlich als Kammerspiel und reines Dialogstück in unbestimmter, gleichwohl vergangener Zeit. Als Dramaturg fungierte Jens Peters, während Linda Schnabel für die Bühne eine Kulisse mit Hausattrappe und kleinem Ofen entwickelt hat. Anders als in der Husumer Sage bekommt die alte Stine zudem mit Fiete und Gonne zwei Freunde an ihre Seite gestellt, mit denen sie sich über die beunruhigenden Vorgänge vor dem Fenster ebenso austauschen kann wie über Jugenderinnerungen oder das Alter. Die drohende Naturkatastrophe spielt sich allein in Gesprächen und Gedanken der drei Protagonisten ab und wird gleichzeitig zum Aufhänger für Auseinandersetzungen über eigenes Versagen, Schuld, Trauer und Vergebung.

Durch diese Herangehensweise bleibt es auch jedem Zuschauer überlassen, wieviel von der Handlung er an sich heran lässt. Vor allem aber fördert die Freundschaftgeschichte bei Kindern und Jugendlichen eigene Bilder, Fantasien und Gedanken, wie es Petra Coppenrath als Vertreterin der Franz-und-Ursula-Coppenrath-Stiftung ausführte. Darüber hinaus bedeutet das Handeln der alten Stine, die sich allen früheren Animositäten zum Trotz dafür entscheidet, sich für das Leben ihrer Nachbarn einzusetzten, ein wichtiges Zeichen in einer Zeit gesamtgesellschaftlicher Einbunkerung, wie es Intendant Ralf Waldschmidt betonte. 

Die Uraufführung von „Kommt eine Wolke“ bedeutet zudem das Oskar-Debut der neuen Spieler David Krzysteczko und Soheil Emmanuel Boroumand, die am Samstag neben Johanna Franke im Emma-Theater auf der Bühne stehen werden. 


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