Lange Schlangen an der Kasse Warum sonntags in Osnabrücker Supermärkten so viel los ist

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Sonntags einkaufen zu gehen, erfreut sich in Osnabrück immer größerer Beliebtheit. Symbolfoto: dpa/BergSonntags einkaufen zu gehen, erfreut sich in Osnabrück immer größerer Beliebtheit. Symbolfoto: dpa/Berg

Osnabrück. In einer Handvoll Supermärkten kann in Osnabrück auch am Sonntag eingekauft werden. Viele Osnabrücker nutzen dieses Angebot gerne. Die Läden sind hoch frequentiert.

Die Schlangen an der Kasse werden von Minute zu Minute länger, die Schweißtropfen der Kassierer größer und die Kunden ungeduldiger: Wer sonntags einen Blick in Osnabrücker Supermärkte wirft, könnte glauben, es werden Geschenke verteilt oder aber Waren mit satten Rabatten angeboten. Beides ist nicht der Fall. Dennoch sind die Märkte voll. 

Große Nachfrage

"Die Nachfrage ist einfach da und das Feedback der Kunden gut", antwortet Marita Prüßmann vom gleichnamigen Edeka-Markt am Eberleplatz auf die Frage, warum sie ihren Supermarkt auch sonntags öffnet. Viele Gäste kämen vorbei, um auf die Schnelle Kleinigkeiten wie Milch oder Nudeln zu besorgen, einige würden aber auch ihren ganzen Wocheneinkauf erledigen, so die Geschäftsinhaberin. 

Keine Frischetheke

Alle Waren landen allerdings nicht im Einkaufswagen. Laut Ladenöffnungs- und Verkaufszeitengesetz dürfen sonntags nur "Waren des täglichen Kleinbedarfs" angeboten werden. Ausgenommen vom Verkauf sind beispielsweise Käse und Fleischwaren von der Frischetheke. Grundvoraussetzung ist zudem, dass die Verkaufsfläche nicht mehr als 800 Quadratmeter beträgt. Werden diese Kriterien erfüllt, dürfen die Supermärkte am Sonntag drei Stunden lang geöffnet haben.

Zur Sache

Einkaufen am Sonntag – Wie ist die Rechtslage?
In Deutschland gibt es seit 2006 keine bundeseinheitlichen Regelungen zu Ladenöffnungszeiten mehr. Die Bundesländer entscheiden selbst. In Niedersachsen gilt seit dem 1. April 2007 das Ladenöffnungs- und Verkaufszeitengesetz (NLöffVZG). Darin heißt es, dass Supermärkte an Sonntagen nur in Ausnahmefällen geöffnet werden dürfen. Um sonntags für drei Stunden öffnen zu dürfen, müssen sie folgende Kriterien erfüllen: Zum einen müssen sie für den Verkauf von "Waren des täglichen Kleinbedarfs" ausgerichtet sein. Dazu zählen neben Bäckerei- und Konditorwaren, Zeitungen, Schreibmaterialien, Tabakwaren, Blumen, Geschenkartikeln, Hygieneartikeln auch Lebens- und Genussmittel in kleinen Mengen. Zum anderen darf die Verkaufsfläche nicht mehr als 800 Quadratmeter betragen.

Verändertes Kundenverhalten

Von einem Boom will Katja Calic, Pressesprecherin des Handels- und Dienstleistungsverbandes Osnabrück-Emsland, nicht sprechen. Sie stellt aber fest, dass die Märkte am Sonntagvormittag "seit Jahren sehr gut besucht" seien. Eine Erklärung dafür hat sie auch. "Die Händler reagieren auf ein verändertes Kundenverhalten." Dies käme vor allem wegen flexiblen Arbeitszeitmodellen und des gesellschaftlichen Wandels zustande. "Dementsprechend wird das Angebot gerne genutzt", sagt die Rechtsanwältin.

Übersichtskarte: Hier können Sie sonntags in Osnabrück einkaufen

An Kundenverhalten anpassen

Als Timo Schröder im März vergangenen Jahres seinen Edeka-Markt am Petersburger Wall eröffnete, hat er seinen Laden mit einer Verkaufsfläche von 799 Quadratmetern mit Absicht so ausgerichtet, dass er per Gesetz auch am siebten Tag der Woche öffnen kann. Er stimmt Calic zu. Die Lebenswirklichkeiten vieler Menschen hätten sich verändert, so Schröder: "Wir passen uns mit den Öffnungszeiten an." Der Großteil der Kundschaft würde zwar vor allem wegen frischer Backwaren am Sonntag kommen, sagt Schröder. Aber auch alle anderen Produkte würden nachgefragt werden.

Nicht alle Produkte dürfen sonntags im Einkaufswagen landen. Wurst und Käse von der Frischetheke werden beispielsweise nicht verkauft. Symbolfoto: imago/Geisser

Lockere Atmosphäre 

Mechthild Möllenkamp leitet gleich zwei Osnabrücker Edeka-Geschäfte, die sie am Sonntag öffnet. Auch ihr fällt auf: "Immer mehr Leute kaufen sonntags ein." Obwohl in den Märkten viel los sei, sei die Atmosphäre lockerer als sonst, sagt sie. Zudem habe sie die Beobachtung gemacht, dass sonntags überdurchschnittlich viele Männer einkaufen gehen. "'Einmal die Woche möchte ich mir meinen Joghurt selbst aussuchen' hat ein Kunde mal zu mir gesagt", scherzt die Geschäftsinhaberin. Aber nicht nur die Rückmeldungen der Kunden seien gut. Ihre Angestellten seien ebenfalls zufrieden. Dass sie auch mal sonntags arbeiten müssten, mache ihnen nichts aus. "Ich habe nie Probleme, für die Sonntagsschichten Mitarbeiter zu finden."

Lohnenswertes Geschäft 

Inwiefern sich die vollen Läden auch positiv auf den Umsatz auswirken, wollen die Geschäftsinhaber nicht verraten. Marktleiter Schröder sagt nur so viel: "Wir haben sonntags gut zu tun." HDV-Sprecherin Calic ist da offener: "Wenn es sich nicht lohnen würde, würden die Märkte am Sonntag wohl dicht bleiben."


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