Nach der Fusion mit Karstadt Was wird aus Galeria Kaufhof in Osnabrück?

Von Rainer Lahmann-Lammert

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Als Kaufhaus eine Institution: Galeria Kaufhof in Osnabrück gerät in den Strudel der Fusion mit Karstadt. Foto: Michael GründelAls Kaufhaus eine Institution: Galeria Kaufhof in Osnabrück gerät in den Strudel der Fusion mit Karstadt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Bei Galeria Kaufhof geht die Unsicherheit um. Die Fusion mit Karstadt wirft die Frage auf, ob der Standort Osnabrück im neuen Unternehmen noch eine Zukunft hat. In der Immobilienbranche gibt es schon Überlegungen, wie sich das Gebäude für andere Nutzungen herrichten ließe.

20 bis 30 Prozent Nachlass versprechen die roten "Sale"-Werbebanner überall in den Abteilungen. Mit Rabattaktionen versucht Galeria Kaufhof schon seit Jahren, Kunden ins Haus zu locken. Wie erfolgreich solche Kampagnen sind, ist in der Osnabrücker Filiale ein gut gehütetes Geheimnis. Geschäftsführer Dirk Pallapies gibt schon lange keine Presseauskünfte mehr und verweist stattdessen an die Kölner Zentrale. Auch dort gibt man sich ausgesprochen zugeknöpft.

Vor einem Jahr, als das "Manager Magazin" und andere Medien von bedenklichen Umsatzrückgängen der Warenhauskette berichteten, beantwortete ein Unternehmenssprecher von Kaufhof die Anfrage unserer Redaktion immerhin noch mit den Worten: "Galeria Kaufhof ist gut aufgestellt, und das Geschäft in den Filialen läuft wie gewohnt. Das gilt selbstverständlich auch für den Standort Osnabrück." 

Schweigen aus der Zentrale

Die Zahl der Mitarbeiter benannte er mit 80, einschließlich der Auszubildenden. Wie viele es jetzt, im September 2018, sind? Kein Kommentar. Ob frei gewordene Stellen noch wiederbesetzt wurden? Auch da schweigt sich die Pressestelle aus. Stattdessen folgt der Satz: "Galeria Kaufhof betreibt in Deutschland aktuell 95 Warenhäuser und beschäftigt rund 18.000 Mitarbeiter."

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte vor wenigen Tagen noch von 20.000 Arbeitsplätzen gesprochen. Und gemeldet, jeder vierte davon solle gestrichen werden. Solche Nachrichten verfolgt auch Gewerkschaftssekretär Maiko Schulz mit Unbehagen. Er ist bei der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für den Einzelhandel in der Region Osnabrück zuständig. Aber was in der Belegschaft von Galeria Kaufhof passiert, erfährt er nicht. Es gebe zwar Verdi-Mitglieder unter den Beschäftigten und sogar im Betriebsrat, sagt er, aber die hielten dicht.

Die Verdi-Zentrale in Berlin lehnt die Fusion der beiden Unternehmen ab, weil sie einen massiven Arbeitsplatzabbau befürchtet. Karstadt und Galeria Kaufhof verfügten über hochqualifiziertes Fachpersonal. "Wer Geld für solch eine große Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“, sagt  Stefanie Nutzenberger vom Bundesvorstand der Gewerkschaft.

Investitionen blieben aus

Viel ist nicht bekannt über die Vereinbarungen, die in dieser Woche zwischen der Signa-Holding des österreichischen Karstadt-Eigners René Benko und der kanadischen Hudson's Bay Company (HBC) als Eigentümerin von Galeria Kaufhof getroffen wurden. Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Kaufhof-Mitarbeiter nach dem Vorbild des Fusionspartners Karstadt zum Lohnverzicht gedrängt werden sollen. 

Schon seit Langem berichten Wirtschaftsmedien von gravierenden Umsatzeinbrüchen bei Kaufhof. Laut "Spiegel" soll im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Fehlbetrag von mehr als 100 Millionen Euro aufgelaufen sein. Als HBC 2015 den deutschen Kaufhauskonzern übernahm, wurden Investitionen angekündigt, um die Filialen und den Onlinehandel voranzubringen. Doch davon war schon bald nicht mehr die Rede. 


Zahnlücken in der Vorhangfassade: Einige der sogenannten Hortenkacheln sind schon zerbrochen. Foto: Michael Gründel

In Osnabrück wurde das Warenhaus zuletzt vor sieben Jahren in größerem Umfang modernisiert. Den Lebensmittelmarkt im Erdgeschoss und die Elektronik-Abteilung gibt es seitdem nicht mehr, dafür wurde ein neuer Schwerpunkt auf Schuhe und Parfümerieartikel gelegt. Unübersehbar ist, dass an dem 63 Jahre alten Gebäude der Zahn der Zeit nagt. In der Vorhangfassade mit den markanten Horten-Kacheln zeigen sich zum Beispiel Lücken, für die es keinen Ersatz mehr gibt.

Mietvertrag endet bald

Der fünfgeschossige Bau gehört einer englischen Fondsgesellschaft. Aus Immobilienkreisen in Osnabrück ist zu erfahren, dass der Mietvertrag 2021 auslaufen soll. Ob eine Verlängerung angestrebt wird, ist von der Kölner Kaufhof-Zentrale nicht zu erfahren. Makler aus Osnabrück machen sich aber schon Gedanken über eine Nachnutzung. Andreas Grüß, Geschäftsführer des auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Maklerunternehmens Lührmann Osnabrück, kann sich "einen guten und hochwertigen Nahversorger im Erdgeschoss" vorstellen. Die oberen Etagen ließen sich für studentisches Wohnen nutzen, wenn der große Kasten aus Beton in der Mitte atriumartig geöffnet werde. „Ich hatte bereits Kontakt mit Interessenten für eine potenzielle Nachnutzung", verrät Grüß.

Er glaubt nicht, dass Galeria Kaufhof den Standort Osnabrück nach dem Auslaufen des Mietvertrags weiter erhalten wird. Andere Makler aus Osnabrück teilen diese Einschätzung. Wenn das Unternehmen weiter rote Zahlen schreibe, könne das neue Management auch schon vorher die Reißleine ziehen, meint ein Insider, der nicht genannt werden will.

Kleine Hoffnung

Es gibt aber auch andere Stimmen. Kay Rose vom Maklerunternehmen projekt 1A sieht noch Chancen, dass die Adresse Wittekindstraße 23 als Kaufhaus eine Perspektive behält, wenn der neue Eigner eine günstige Miete aushandelt. Obgleich es auf den ersten Blick nicht so gut aussehe, müssten einige Pluspunkte in die Waagschale geworfen werden. Es gebe ein zumeist älteres Stammpublikum, das dem Kaufhaus die Treue halte, das Erdgeschoss mache noch einen frischen Eindruck und die Spiele-Abteilung sei in Ordnung. Ein Vorteil des Standorts Osnabrück sei, dass es keine Doppelbelegung von Kaufhof und Karstadt gebe wie in Hannover oder Münster. "Ich glaube, das Ding funktioniert", meint Rose.


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