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Kein Platz für Romantik Der Osnabrücker Stadthafen soll als Wirtschaftsstandort neu belebt werden

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Osnabrück. Der unbekannte Stadtteil, das ist für viele Osnabrücker der Hafen. Kaimauern und Anleger kommen nur bei der Fahrt über die Brücke an der Römereschstraße kurz mal in den Blick. Ansonsten haben Stichkanal und Becken etwas vom Flair einer „verbotenen Stadt“. Wo andernorts Standorte am Wasser eine Faszination ausüben und hohe Aufenthaltsqualität haben, herrscht in der Hasestadt unspektakulärer Industrie-Charme.

Daran wird sich für Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes, in dessen Geschäftsbereich der Hafen fällt, auch erst einmal nichts ändern: „Für Romantik ist im Hafen kein Platz.“ Aber es gibt erste Ansätze, Osnabrücks Wasserstraße neu zu entdecken. In Münster ist gerade zu erleben, welche Chancen und Perspektiven sich ergeben, wenn ein zentrumnaher Hafen eine neue Identität als Szene-Viertel mit angesagten Läden und Treffpunkten bekommt. Doch Gastro- und Erlebnis-Perspektive sind für die Hasestadt mittelfristig erst einmal kein Thema. Stephan Rolfes: „Der Hafen ist für den Wirtschaftsstandort und die Region wichtig. Mehr als 2500 Arbeitsplätze in Stadt und Landkreis hängen direkt oder indirekt an der Wasserstraße.“ Die beiden großen Verlader sind die RRO, die Rohstoff Recycling Osnabrück, die für das Stahlwerk in GMHütte jährlich 250000 Tonnen Schrott umschlägt, und die Piesberger Steinindustrie (Cemex) mit rund 150000 Tonnen. Hinzu kommen Petrotank mit 100000 Tonnen Mineralöl und Ahlstrom mit 50000 Tonnen sowie andere Nutzer.

Ein Problem: Die beiden Schleusen auf dem14,5 Kilometer langen Stichkanal müssen ausgebaut werden, um auch für moderne, mehr als 100 Meter lange Schiffe Frachtschiffe passierbar zu sein. Bei Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro eine komplizierte Gemengelage mit dem Bund. Auch wenn es hier mit Fortschritten dauert: Bis 2030, wenn die Genehmigung für den Steinabbau im Piesberg ausläuft, dürfte sich am Industriehafen-Charakter wenig ändern. Und es tut sich einiges im Hafenbereich. Die moderne KLV-Anlage (Kombinierter Lade-Verkehr), die bis Ende 2014 für mehr als 20 Millionen Euro zwischen der früheren Winkelhausen-Kaserne und dem Kanal entsteht, um modernen Container-Verkehr zu ermöglichen, ist für Rolfes eine „wichtige Ergänzung“. Außerdem wird die Elbestraße demnächst begradigt. Auch der vierspurige Ausbau der Römereschstraße ist in der Pipeline. Für Rolfes „gute Perspektiven“ für Unternehmen, von denen es insgesamt mehr als 50 in dem Bereich gibt.

Einige von ihnen haben sich seit einigen Jahren zu einer „Initiative Hafen Osnabrück“ (IHO) zusammengeschlossen, um zum Beispiel die Außendarstellung zu verbessern. Seit 2010 gibt es ein von Professor Thomas Hofmann von der Hochschule Osnabrück (Industriedesign) entworfenes Logo, das jetzt das „dynamische Gewerbegebiet“ markiert.

Die Hochschule sorgt neben Neuansiedlungen wie Kaffee Partner auf den ehemaligen Flächen der Winkelhausen Kaserne für Veränderung. Die jungen Kreativen beleben die Szene. Rolfes kann sich vorstellen, dass die Hochschule neben der alten Bäckerei künftig auch noch einen der Speicher nutzt,

„Der Hafen und sein Umfeld mit der Wasserpromenade am Kanal bieten zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten, in denen sich Arbeiten, Wohnen, Freizeitnutzung und Naturschutz mit dem Stadtzentrum verbinden lassen“, lautete die Einschätzung in Zusammenhang mit den Bundesgartenschau-Plänen.

Auch ohne BUGA gerät die Wasserstraße als „zukunftsgerichteter, multifunktionaler, urbaner Ort“ in den Blick. Schließlich ist es vom Ende des Hafenbeckens bis ins Zentrum nur einen Kilometer Luftlinie.

Zu denen, die das Wasser für die Bevölkerung erlebbar machen wollen, zählt Karl-Heinz Uthmann vom Projektbüro Piesberg. Der Haseuferweg soll nach seinen Plänen demnächst zwischen Römereschstraße und der Haster Schleuse (Brückenstraße) auch eine Route direkt am Kanalufer bieten. Noch ist für Romantik im Hafen wenig Platz – aber die Zahl der Träumer wächst. Eine ihrer Ideen: ein Gastro-Schiff.


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