Institution im Katharinenviertel Osnabrücker Bioladen „Kathrinchen“ schließt endgültig

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Das „Kathrinchen“, einer der ersten Bioläden in Osnabrück, hat endgültig geschlossen. Foto: Corinna BerghahnDas „Kathrinchen“, einer der ersten Bioläden in Osnabrück, hat endgültig geschlossen. Foto: Corinna Berghahn

Osnabrück. Das „Kathrinchen“, einer der ersten Bioläden in Osnabrück und eine Institution im Katharinenviertel, hat endgültig geschlossen. Wirtschaftlich habe sich eine Fortführung des Geschäfts nicht mehr gelohnt, so die Inhaberin.

Manche Anwohner nannten das an der Augustenburger Straße 24 gelegene „Kathrinchen“ liebevoll einen „Tante-Emma-Laden auf Bio-Basis“, doch nun ist es für immer geschlossen. „Der Kraftaufwand war einfach zu groß“, sagt Inhaberin Gudrun Jedersberger. 2008 hatte sie das Geschäft übernommen, damals „nicht gerade im besten Zustand“. Sie investierte, und eine Zeit lang ging der Umsatz tatsächlich nach oben. „Doch die Eröffnung vom ,Superbiomarkt‘ in der Lotter Straße habe ich schon sehr gespürt. Genauso wie später die Eröffnung von ,Denn's‘ am Weidencarrée.“

Um der Kundenabwanderung entgegenzusteuern rief Jedersberger schon 2013 ein sogenanntes Mitglieder-Konzept ins Leben. Hier zahlen Mitglieder einen monatlichen Beitrag und dürfen dafür günstiger einkaufen. Bis dato gab es etwa 120 Mitglieder – viele von ihnen Anwohner, die sich ein Katharinenviertel ohne „Kathrinchen“ nicht vorstellen wollten. „Doch um wirtschaftlich arbeiten zu können, hätte es noch mehr Leute gebraucht“, sagt Jedersberger. 

Im Schaufenster wird noch für das Mitglieder-Konzept geworben. Foto: Corinna Berghahn

Sie stand oftmals 60 Stunden in der Woche im Laden, musste immer wieder auf Rücklagen zugreifen und eine bezahlte Aushilfe war finanziell nicht tragbar. Darüber hinaus sorgte die seit vielen Monaten bestehende Baustelle auf der Augustenburger Straße für anhaltende Anlieferprobleme. „Am Ende war trotz all des Einsatzes das ,Kathrinchen‘ nicht existenzsichernd.“  

Jedersberger zog die Reißlinie – und beschloss schweren Herzens die Aufgabe des Ladens. „Ich habe das ,Kathrinchen‘ vor genau zehn Jahren im Herbst übernommen – und jetzt schließe ich es im Herbst. Das ist sehr schade, aber ich glaube, es ist die vernünftige Entscheidung.“ Nun räumt sie nach und nach den Laden, bis auch die letzten Regale leer sind – und dann ebenfalls abgebaut werden. 

Viele Regale sind schon leer. Foto: Corinna Berghahn

Lange Tradition endet 

Mit der Schließung des „Kathrinchens“ geht eine fast dreißigjährige lange Tradition zu Ende: Für viele war es der Laden, in dem sie das erste Mal in Osnabrück Biolebensmittel und –kosmetika erworben haben. Wie Heinrich Boßmann vom Bürgerverein Katharinenviertel berichtet, kauften 1981 Mitglieder einer Food-Coop Waren von einem Biohof in Engter ein und lagerten diese beim Weinladen „Veritas“ ein, der sich damals in der Martinistraße befand. Später wurde gegenüber des heutigen Standorts von Mitgliedern der Food-Coop ein Naturkostladen eröffnet. Seit 1991 befand sich der Laden in der Augustenburger Straße 24 und trug den Namen „Kathrinchen“. 

Ein Bild aus der Zeitschrift "Blick ins Katharinenviertel" aus der Ausgabe August/September 1991 zeigt das damals neu eröffnete "Kathrinchen". Foto: Bürgerverein Katharinenviertel

Was aus dem Ladengeschäft wird, ist noch nicht bekannt. Jedersberger fände es gut, wenn es weiterhin ein Treffpunkt für alle im Viertel bleiben könnte.


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