Osnabrücker OB-Dienstwagen Grieserts Hybridauto: Spritverbrauch und Abgaswert weit über Norm

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Der Hybrid-Dienstwagen des Osnabrücker Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert übersteigt die von Hersteller BMW angegebenen Verbrauchs- und Abgaswerte um ein Vielfaches.  Foto: Michael GründelDer Hybrid-Dienstwagen des Osnabrücker Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert übersteigt die von Hersteller BMW angegebenen Verbrauchs- und Abgaswerte um ein Vielfaches. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Hybrid-Dienstwagen von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert verbraucht viermal mehr Benzin als vom Hersteller angegeben. Entsprechend höher ist auch der CO2-Ausstoß. Der Chef des Osnabrücker Klimabeirats empfiehlt deshalb, die Autobatterie wenigstens mit reinem Ökostrom zu laden.

Naturwissenschaftlich versierten Lesern ist es aufgefallen: In unserem am Montag erschienenen Bericht über den sowohl mit Elektro- als auch mit Benzinmotor ausgestatteten Dienstwagen des Oberbürgermeisters passten die unter Berufung auf das Presseamt zitierten Werte zum Spritverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß des Fahrzeugs nicht zusammen. So konnte der falsche Eindruck entstehen, dass der im Oktober 2017 von der Stadt geleaste BMW 740e iPerformance so CO2-arm ist wie vom Hersteller behauptet, obwohl der Benzinverbrauch im Realbetrieb die Angaben im Prospekt um ein Vielfaches übersteigt.

So wird der CO2-Ausstoß berechnet

„Wenn ein Fahrzeug deutlich mehr Sprit verbraucht, dann stößt es auch deutlich mehr CO2 aus“, erklärt Markus Große Ophoff, Vorsitzender des Beirats „Masterplan 100 % Klimaschutz“ der Stadt Osnabrück. Als Doktor der Chemie macht er folgende Rechnung auf: Das Auto des Oberbürgermeisters benötigt nach Angaben der Stadt Osnabrück auf 100 Kilometer durchschnittlich 8,1 Liter Benzin (und nicht wie von BMW behauptet 2,2 Liter). Da bei der Verbrennung von einem Liter Benzin 2,37 Kilogramm klimaschädliches CO2 entstehen, ergibt sich bei Grieserts BMW ein CO2-Ausstoß von 192 Gramm pro Kilometer. Berücksichtigt man, dass der Dienstwagen 30 Prozent aller Fahrten elektrisch zurücklegt, verringert sich der Wert auf gut 134 g/km.


Markus Große Ophoff ist Vorsitzender des Osnabrücker Klimabeirats. Foto: David Ebener


Herstellerangaben weichen stark ab

Was das Resultat wiederum ansteigen lässt, ist die Tatsache, dass der Hybrid-Siebener laut Presseamt nur zu knapp einem Drittel Ökostrom tankt. Also Energie verbraucht, bei deren Herstellung bereits CO2 freigesetzt wurde – etwa durch Kohleverbrennung. Unklar bleibt jedoch, wie sich das konkret auf die CO2-Gesamtbilanz von Grieserts Auto auswirkt. Für eine exakte Berechnung fehlen Angaben zum Stromverbrauch, die für unsere Redaktion auch im Nachhinein nicht zu ermitteln waren. Fest steht nur, dass das Endergebnis so oder so weit entfernt ist von jenen 50 g/km, mit denen BMW für seinen Plug-in-Hybrid der Luxusklasse wirbt. Und die auch von der Stadt Osnabrück genannt wurden, als unsere Redaktion sich unlängst nach den Abgaswerten des OB-Dienstwagens erkundigte.



„Ich halte es für wichtig, dass diese Zahlen richtiggestellt werden“, sagt Professor Große Ophoff. „Sonst denken die Leute noch, dass ein Hybridauto mit hohem Spritverbrauch CO2-arm sein kann. Dies ist definitiv falsch.“ Positiv zu bewerten sei bei einem solchen Fahrzeug mit Mischantrieb jedoch, dass es auf elektrischen Fahrten im innerstädtischen Bereich weniger Lärm macht als herkömmlich motorisierte Autos und darüber hinaus keine giftigen Stickoxide in die Luft pustet.

Tipp: Ökostrom aus Solaranlage tanken

Dennoch empfiehlt der Umweltexperte, die von der Feuerwehr gespeiste Batterie in Grieserts Fahrzeug zugunsten der Ökobilanz künftig allein mit Strom aus regenerativen Energiequellen zu laden – „zum Beispiel durch den Ökostromtarif der Stadwerke oder besser noch über eine Solaranlage mit Eigenstromnutzung auf dem Feuerwehrgebäude“.

"Ein Hybridauto mit hohem Spritverbrauch kann nicht CO2-arm sein"Markus Große Ophoff, Vorsitzender des Osnabrücker Klimabeirats

Große Ophoff hatte in seiner Funktion als Klimabeiratsvorsitzender erst im Dezember mehr Entschlossenheit von den lokalen Entscheidungsträgern gerade auch beim Thema Verkehrswende verlangt. Wenn Osnabrück nicht nachlege, lasse sich das städtische Klimaschutzziel für 2050 erst nach 2070 erreichen, sagte der Fachmann damals im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Stadt hat sich verpflichtet, bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent gegenüber 1990 zu erreichen.


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