Vortrag in Osnabrück Elterninfo: So ticken Jugendliche und ihre Handys

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Auf Einladung des Vereins Grips & Co. referierte Stefan Berendes zur Mediennutzung von Jugendlichen. Foto: Swaantje HehmannAuf Einladung des Vereins Grips & Co. referierte Stefan Berendes zur Mediennutzung von Jugendlichen. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen nimmt immer mehr zu. Viele Eltern fragen sich, wie sie mit dieser Entwicklung umgehen sollen. Tipps zum Umgang mit der Digitalisierung des Nachwuchses erhielten sie am Dienstag bei der Vortragsreihe "Digitale Welten - Was nutzt Ihr Kind?" in Osnabrück.

97 Prozent der 12- bis 19-Jährigen haben ein Smartphone. Das geht aus einer 2017 veröffentlichten Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest hervor. Damit ist das Internet für die meisten Jugendlichen zur Selbstverständlichkeit geworden. Diese Entwicklung kann zu Irritationen führen, etwa wenn es im Familienulaub plötzlich keine WLAN-Verbindung gibt, berichtete der Bildungsreferent Stefan Berendes von der Landesstelle Jugendschutz am Dienstag auf Einladung des Vereins für Begabungsförderung Grips & Co.: "Für Jugendliche ist das heute befremdlich. Sie sind es gewohnt, auch ohne physische Nähe stets mit all ihren Kontakten verbunden zu sein." Berendes sieht hierbei auch einen Bruch zwischen den Generationen. Dabei sei es nicht ratsam, wenn Eltern aus ihrer Perspektive heraus belehrend auftreten und erklären wollen, dass es sich früher auch ohne Smartphone gut leben ließ: "Das wirkt für die heutige Jugend nicht nur kulturpessimistisch, sondern in etwa so, als würde Opa vom Krieg erzählen."

Die Vortragsreihe "Digitale Welten - Was nutzt Ihr Kind?", die vom niedersächsischen Sozialministerium gefördert wird, beschäftigt sich mit dem medialen Wandel und gibt praktische Verhaltenstipps für den elterlichen Umgang mit der gestiegenen Nutzung. Allein 2018 soll das Seminar landesweit über 100 Mal angeboten werden, davon rund 20 Mal in Osnabrück. Berendes wirbt darin einerseits für mehr Verständnis für die heutigen Gegebenheiten, weist andererseits aber auch auf die Gefahren im Internet hin.

Geeignete Schutzmaßnahmen für den Nachwuchs

Das Programm sei stark nachgefragt, da Eltern oftmals mit der Situation überfordert seien, so Berendes: "Manche fragen mich, ob sie ihrem Kind einfach mal zwei Wochen lang das Handy wegnehmen sollen. Ich denke aber, dass wir den Jugendlichen mehr Verständnis entgegenbringen müssen. Fast ihre gesamte Kommunikation spielt sich heute auf dem Smartphone ab, was noch zu selten wirklich akzeptiert wird." Der Fachreferent für Digitales sieht aber dennoch Möglichkeiten für die Eltern, sinnvoll einzuschreiten. Eltern könnten und sollten zum Beispiel darüber aufklären, dass die Inhalte eines Newsfeeds in den sozialen Medien vom eigenen Nutzungsverhalten und Algorithmen abhängen und durch diese eine sogenannte "Filterblase" entsteht. Es sei sehr wichtig, den Heranwachsenden zu zeigen, dass soziale Medien allein keine neutralen Informationsquellen sind.

Soziale Medien Teil der persönlichen Entwicklung

Trotzdem könnten die sozialen Medien junge Menschen dabei unterstützen, eigene Stärken zu entwickeln und sich auszuprobieren. Was man nicht zuletzt an den zahlreichen erfolgreichen "Youtubern" sehen kann, die durch die Videoplattform inzwischen zu echten Stars mit Hunderttausenden Fans geworden sind. Soziale Medien lösten laut Stefan Berendes dadurch eine Faszination aus, dass sie etwas zur eigenen Selbstverwirklichung beitragen können. Hierbei möchten sich Jugendliche gerne auch abgrenzen, was auf Facebook kaum mehr möglich sei, da es dort "mittlerweile vor Eltern und Lehrern nur so wimmelt", wie Berendes scherzhaft ergänzte.

Ein weiteres wichtiges Feld, in dem Eltern jedoch Hilfe leisten könnten, sei der Datenschutz. Kindern und Jugendlichen dürfte nicht immer klar sein, welche Daten sie hauptsächlich großen amerikanischen Medienkonzernen zur Verfügung stellen. "Dabei ist allerdings immer entscheidend, das richtige Maß bei den Ratschlägen zu finden. Bei einem 12 oder 13-jährigen Kind kann man nicht so sehr ins Detail gehen wie bei einem 18-Jährigen." Ziel der Veranstaltung sei ohnehin nicht, Eltern zu Technik-Experten zu machen, sondern sie zu überlegtem Verhalten bezüglich der Internetnutzung ihrer Kinder anzuregen. 

Der Vortrag bei "Grips & Co." nahm jetzt besonders hochbegabte Kinder in den Blickpunkt. Auch sie seien genau wie alle anderen jungen Menschen maßgeblich von der Digitalisierung beeinflusst. Die Pädagoginnen Sabine Hogrebe und Erika Schnieders gründeten vor zehn Jahren den Verein für Begabungsförderung. Hogrebe: "Hochbegabte erleben vieles intensiver und sollten auch im Internet besonders geschützt werden. Wir sind deshalb dankbar, dass wir diese Info-Veranstaltung zur Mediennutzung junger Menschen ausrichten durften."


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