Blitzkarriere bei Hochzeiten Wie die Fotobox in die Region Osnabrück kam

Von Hauke Petersen, 12.09.2018, 06:00 Uhr
Mit allerlei Accessoires verwandeln sich auch festlich gekleidete Hochzeitsgäste in der Fotobox im Handumdrehen. Foto: Frank Horstmöller

Osnabrück. Mit der Fotobox verhält es sich inzwischen fast schon wie mit Torte und weißem Kleid: Sie gehört zur Hochzeitsfeier einfach dazu. Doch vor acht Jahren kannte das Format in der Region Osnabrück kaum jemand. Blick auf eine Blitzkarriere.

Ob quadratisch, praktisch, gut oder als begehbare Kabine wie einst für Passbilder: Die Erscheinungsformen von Fotoboxen – auch Photobooths genannt – unterscheiden sich, die Methode ist grundsätzlich die gleiche: Anstatt dass Fotografen den ganzen Abend zusehends fröhlichere Gäste zu Gruppenfotos zusammentrommeln, versammeln sich die Gäste nun selbst um eine stationäre Apparatur. So entstehen ganze Fotoserien planvoll eskalierender Gäste, oftmals behängt mit allerlei aus der Karnevalszeit bekannten Accessoires.

Es begann im Jahr 2011

Der Trend kommt aus den USA. Den Trend in die Region gebracht hat als einer der ersten Frank Horstmöller. Damals hatte der Fotograf und Videoproduzent sein Unternehmen eventfoto24.de noch in Dissen. In einem Internetforum sei er Anfang 2011 über die Bauanleitung für eine Fotobox gestolpert, so Horstmöller. „Da habe ich mir gedacht: Das kann ich auch.“ Er montierte einen mit iPad, Kamera und Router ausgestatteten Koffer auf ein Stativ und platzierte nebendran das Blitzlicht. Alles noch etwas wackelig, aber wirkungsvoll: Der Prototyp schlug beim 25. Geburtstag eines Verwandten ein.

Horstmöller entwickelte das Produkt weiter. Wie viele Fotoboxen er seitdem gebaut hat, weiß er gar nicht mehr. Er selbst nutzt derzeit vier, hat aber ein Vielfaches davon verkauft. Die Preise für Boxen bewegen sich je nach Ausstattung von 2500 Euro aufwärts. Eine seiner ersten Kundinnen war Jana Lange. Die Osnabrücker Fotografin kennen viele unter dem Label „Jana fotografiert“. Und Jana fotografiert auf vielen Hochzeiten. Seit 2012 lässt sie auch fotografieren, nämlich mit Hilfe der Fotoboxen. Aus der einen Box sind inzwischen neun geworden. Drei Mitarbeiter sorgen dafür, dass sie an den Wochenenden in und um Osnabrück zirkulieren. „Zu Anfang habe ich gedacht, dass es ein Trend ist.“ Inzwischen gehört die Box zum Inventar vieler Feiern.

Kritik an DJs

Das haben viele in der Branche gemerkt. „Der kleinste Dorf-DJ hat jetzt eine Fotobox“, beobachtet Lange. Eine Entwicklung, die auch Horstmöller kritisch sieht: „Ich stelle mich ja auch nicht hin und sage: ,Die Musik kann ich nebenbei auch noch machen.‘“ Die Breite des Angebots bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Geschäft der Etablierten. Jana Langes Boxen sind zwar noch nachgefragt, aber nicht mehr so stark, wie noch vor ein paar Jahren. „Es ist ein Stück weit eingebrochen, das merke ich.“

Auf diesen Markt drängen jetzt die ausgebildete Fotografin Miriam Grave und der Informatiker Felix Gerdemann aus Osnabrück. Sie haben eine eigene Fotobox konzipiert, die sie seit Anfang des Jahres unter www.fotom.at vermieten. Ihnen sei klar, dass es viel Konkurrenz gibt, sagt Gerdemann. Deshalb bewege man sich preislich (Basispreis bei Selbstabholung ab 149 Euro) am unteren Ende. „Wir haben lange überlegt, was man besser machen kann als die Konkurrenz“, sagt Gerdemann. Der selbst erklärte Bastlertyp hat deshalb nach eigener Aussage viel Mühe in die Robustheit des Aufbaus und die Qualität der Bilder gesteckt. Inzwischen gibt es vier Boxen. Deren neustes Feature: eine Funktion für Kurzvideos. Gerdemanns Fazit nach den ersten Monaten von „Fotomat“: „Die Arbeit hat sich rentiert.“

Green Screen

Auf den klassischen Service konzentriert sich Jana Lange. Im Anschluss an den Einsatz der Box erhält das Brautpaar alle Bilder auf CD, Gäste können Dateien auf Wunsch in einer geschützten Online-Galerie einsehen und herunterladen. Ein gängiges Modell, seit Neustem auch angeboten mit einem Green Screen, auf den man diverse Hintergründe projizieren kann.

Immer häufiger gibt es auch die Möglichkeit, sich die Bilder – wie einst beim Passbild – direkt an der Box ausdrucken zu lassen. Während Jana Lange mit dem Hinweis auf fehleranfällige Technik und Papierverschwendung („Da bleibt nach der Party auch viel liegen.“) abwinkt, hat Horstmöller positive Erfahrungen gemacht. „Das kommt sehr gut an“, sagt Horstmöller. Viele Kunden verlangten die Option mit zwei Ausdrucken für ein Motiv. Der eine kommt dann ins Gästebuch, den anderen nehmen die Gäste mit nach Hause.

Das kommt nicht nur auf Hochzeiten gut an, sondern auch auf Firmenevents – und auch auf Messen. „Es war für Unternehmen sehr einfach, mit den Fotos Adressen zu sammeln“, sagt Jana Lange. Das galt bis zum 25. Mai, dem Inkrafttreten der neuen Datenschutzgrundverordnung.

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