Trakt bleibt gesperrt Quecksilber-Sarkophag in Osnabrücker Käthe-Kollwitz-Schule

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Mit Silberfolie abgedichtet: Der Zugang zum "Trakt K" der Käthe-Kollwitz-Schule bleibt wegen Quecksilberbelastung dauerhaft gesperrt.  Foto Jörn MartensMit Silberfolie abgedichtet: Der Zugang zum "Trakt K" der Käthe-Kollwitz-Schule bleibt wegen Quecksilberbelastung dauerhaft gesperrt. Foto Jörn Martens

Osnabrück. Ein Trakt der Käthe-Kollwitz-Schule in Osnabrück ist mit Quecksilber so stark verseucht, dass er für immer geschlossen bleiben muss. Eine Sanierung wäre nach Expertenmeinung zu aufwändig. Die Schule steht ohnehin auf der Abrissliste, wird aber noch als Ausweichquartier gebraucht.

Die Türen zum "Trakt K" der Käthe-Kowitz-Schule sind mit Silberfolie luftdicht abgeschlossen. Zugang strengstens verboten, hier darf keiner mehr rein. Und das bleibt auch so, bis das Schulgebäude möglicherweise eines Tages abgerissen wird. "Das Quecksilber ist in den Estrich gezogen. Eine Sanierung wäre viel zu aufwändig", sagte Ludger Rasche, Fachdienstleiter Hochbau in der Stadtverwaltung, im Schulausschuss. Die Türen bleiben geschlossen, damit niemand mit seinen Schuhsohlen Spuren des Schwermetalls in andere Teile trägt. 

Gesperrter Flügel der Käthe-Kollwitz-Schule. Foto Jörn Martens

Im September 2017 hatte die Stadtverwaltung den vergifteten Teil Käthe-Kollwitz-Schule von heute auf morgen gesperrt. Mitarbeiter eines Unternehmens, die die ehemaligen Fachräume reinigen sollten, waren auf ein zerbrochenes Thermometer gestoßen. Der Verdacht, es könnte hochgiftiges Quecksilber freigesetzt worden sein, bestätigte sich. Allerdings verteilte sich das Schwermetall sehr unterschiedlich. 

In einigen Räumen wurden geringe Werte von 30 bis 50 Nanogramm pro Kubikmeter Luft ermittelt, wie der Leiter des Gesundheitsdienstes für Stadt und Landkreis Osnabrück, Gerhard Bojara, damals den Mitgliedern des Schulausschusses erklärte. An anderen Stellen seien die Werte auf über 1000 Nanogramm gestiegen. Am Fundort des zerbrochenen Thermometers lag die Belastung weiter darüber. Einen Grenzwert gibt es nicht, nur einen Anhaltspunkt aus der Arbeitswelt. Demnach dürfen Beschäftigte mit bis zu 20.000 Nanogramm dauerhaft in Berührung kommen.

Käthe-Kollwitz-Schule. Foto: Michael Gründel

Die Schule, benannt nach der Malerin und Bildhauerin Käthe-Kollwitz, war ursprünglich ein Mädchengymnasium. Später wurden auch Jungen aufgenommen. 1990 trat eine Haupt- und Realschule an die Stelle des Gymnasiums. 2012 beschloss der Stadtrat, den Schulstandort an der Ameldungstraße am Schölerberg aufzugeben. Die Gebäude sollen irgendwann abgerissen und die Fläche zu Bauland werden. 

Seit Schließung der Schule hat es mehrere Zwischennutzungen gegeben. Das Abendgymnasium, die Elisabeth-Siegel-Schule und die Berufsbildenden Schulen nutzen aktuell Teile des ehemaligen Gymnasiums. Auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms ließ die Stadt einen Trakt zur Notunterkunft herrichten. Es zogen aber nie Flüchtlinge ein. Im nächsten Jahr sollen die Kinder der Bernhard-Overberg-Schule vorübergehend in die Kollwitz-Schule umziehen. Die Overbergschule stellt auf Ganztag um und muss dafür umgebaut werden. 


Quecksilber

Wenn in Thermometer mit Quecksilber zerbricht, besteht nach Expertenmeinung in der Regel keine akute Gefahr für Leib und Leben. Das flüssige Quecksilber kann vorsichtig zusammengekehrt und in einem geschlossen Behälter als Schadstoff entsorgt werden. Gefährlich wird das Schwermetall, wenn es allmählich verdunstet und Menschen über einen längeren Zeitraum den Dämpfen ausgesetzt sind. Dringt das Quecksilber eines zerbrochenen Fieberthermometers zum Beispiel in den Teppichboden ein, können am Boden spielende Kinder Vergiftungen erleiden. Erste Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, schwindel und trockener Mund. Nieren und Leber können unheilbaren Schaden nehmen.

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